Herrlich schräger Blick auf Alltagssituationen

Frieda Braun in Aktion.
Frieda Braun in Aktion.
Foto: Rita Maurer
„Sprechpause“ heißt das neue Programm von Frieda Braun. Am Sonntagabend hat sie sich damit im Kolpinghaus in Siedlinghausen präsentiert.

Siedlinghausen..  Das Winterberger Skiliftkarussell ist an ein chinesisches Syndikat verkauft – ganz klar zu hören an Bezeichnungen wie „Chi Hang“ oder „Chi Han Chu“!

Alleine für diese Erkenntnis hatte es sich am Sonntagabend schon gelohnt, den Österreicher Tatort gegen das Sauerländer Original Frieda Braun einzutauschen. KuKuk!, die Kulturgruppe des Winterberger Stadtmarketingvereins, hatte zu Frieda Brauns ganz neuem Programm „Sprechpause“ ins Kolpinghaus eingeladen; innerhalb kürzester Zeit waren alle 300 Karten dafür ausverkauft.

Siebentägiges Schweigeseminar

Frieda Braun und eine Sprechpause – eigentlich schier unmöglich. Das findet sie selber auch und nimmt sich deshalb eine heimliche Auszeit von dem siebentägigen Schweigeseminar, das sie gerade mit ihrer schon aus den Vorgängerprogrammen bekannten „kfd-Splittergruppe“ besucht: in der Metropole Altenfeld, aber nicht direkt im Zentrum, sondern mehr in den Randgebieten. Die Vornamen in dieser Splittergruppe fangen nach alter Sauerländer Tradition durchweg mit S an: sBrunnhild, sMia, sFine, sThekla, sFijola und sAgathe. Letztere ist übrigens aus der Kirche ausgetreten und betet jetzt schwarz, wie Frieda ganz im Vertrauen erzählt. Sie alle kämpfen im Stillen damit, dass sie derzeit nur ganze zehn Worte am Tag sprechen dürfen, am Nachmittag gibt es dann zur Abwechslung aber auch mal eine richtig spannende Städtereise nach Altastenberg.

Strangulationsware

Wie außerdem Wichbert seine freie Zeit ausfüllt, weil er wegen seiner gefüllten Leber und dem neuen Blitzer in Olsberg über Führerscheinvakanzen verfügt, dass der Sauerländer aufgrund seiner Hanglage zwangsläufig auf großem Fuß bzw. „Machnetfeldsohlen“ leben muss und wie bei einem Verkaufsabend für Spielzeug batteriebetriebene Zigarren und Strangulationsware die wackeren Hausfrauen aus der Fassung bringen, beschreibt Frieda Braun in knapp zwei Stunden mit ihrem herrlich schrägen Blick auf Alltagssituationen und Gedankengänge.

Verbunden mit dem typischen Sauerländer Sprachgebrauch und ihrer gekonnten Mimik reißt sie das Publikum in Siedlinghausen dermaßen mit, dass sie fast im Minutentakt Sprechpausen von ihrer „Sprechpause“ für begeisterten Szenenapplaus einlegen muss.

Und vielleicht schafft es der reinintrigierte Zugezogene beim nächsten Briloner Kapellenabend (=Musiksommer) ja doch noch, den eher schwer entflammbaren Sauerländer aus dem Revers zu locken und von seinem rotationsfreien Tanzverhalten abzubringen!

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