Haselmaus gewinnt Kampf gegen Bromskirchener Windmühlen

Noch ist die Aussicht von den 29 Baugrundstücken aus dem Hallenberger Neubaugebiet „Am Sonnenhang“
Noch ist die Aussicht von den 29 Baugrundstücken aus dem Hallenberger Neubaugebiet „Am Sonnenhang“
Foto: Rita Maurer
15 Jahre hat der Ort Wunderthausen gegen die Windräder der hessischen Nachbarn in Bromskirchen gekämpft, eine Haselmaus hat jetzt den angedachten Windpark verhindert. Die Pläne für einen weiteren Park auf der Grenze zu Hallenberg bleiben aber bestehen.

Hallenberg.. Die Haselmaus wird vermutlich künftig das neue Wappentier von Hallenbergs Nachbarort Wunderthausen! Oberhalb des Dorfes sollten nach Planungen der benachbarten hessischen Gemeinde Bromskirchen fünf seit knapp 20 Jahren bestehende Windkraftanlagen aufgerüstet („Repowering“) und mehrere weitere gebaut werden (wir berichteten), erste Grundstücksvorverträge waren bereits geschlossen.

Jetzt machte der rheinische Investor MLK Consulting überraschend einen Rückzieher, obwohl er sich vor einigen Monaten aufgrund eigener Artenschutzprüfungen gegenüber unserer Redaktion noch sehr zuversichtlich gezeigt hatte, Ende 2016 mit dem Bau beginnen zu können. Grund: ein Haselmaus-Vorkommen!

Tourismus kein Ausschlusskriterium

Geschäftsführer Heinrich Lohmann erklärte dazu gestern auf Anfrage der WP, dass sich durch die in einem Teilbereich nachgewiesenen Haselmaus-Bestände das in Frage kommende Gebiet so stark verkleinert hätte, dass die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben gewesen sei.

Zudem sei die Fläche in der aktuellen Fassung des Regionalplans nicht mehr vorgesehen: „Es macht keinen Sinn, um verlorenes Terrain zu kämpfen“, so Lohmann. Andere rechnerische Gründe gebe es jedoch nicht.

Weiter in Arbeit bleiben sowohl von seiner und Bromskircher Seite als auch von der nordhessischen Bezirksregierung Kassel die Pläne für „Windpark Ost“, der auf dem „Großen Hohen Stein“ an der Grenze zu Hallenberg entstehen soll. Hier seien laut Lohmann acht bis neun Windräder mit einer Gesamthöhe von 220 Metern angedacht. „Ich freue mich für die Wunderthäuser“, kommentierte Bürgermeister Michael Kronauge die aktuelle Entwicklung, „aber wir in Hallenberg sind damit leider nicht aus dem Schneider“. Ende Mai lief die zweite Offenlegung für den entsprechenden Entwurf des Regionalplans in Kassel aus. Eine Woche vorher hatte ein Treffen der umliegenden hessischen und westfälischen Bürgermeister mit den Landräten aus dem HSK und Waldeck-Frankenberg stattgefunden mit dem Ziel, die hiesige Region mit ihren mehr als vier Millionen Übernachtungen als „touristische Kernzone“ zu definieren und damit von Windvorrangzonen freizuhalten. Bisher gilt der Tourismus noch nicht als hartes Ausschlusskriterium. „Es sollen mehr als 50 000 Stellungnahmen in Kassel eingegangen sein. Vielleicht merken die Politiker dort nun genau wie in NRW, dass sie nicht einfach über die Köpfe der Bürger und Kommunen hinweg entscheiden können, so dass wir in puncto Tourismus noch greifbare Fakten bekommen. Bisher wehren wir uns mehr mit emotionalen Argumenten“, hofft Kronauge.

Den Tourismus wiederum sieht Lohmann nicht als Hinderungsgrund und beruft sich dabei auf neueste Studien, die belegen sollen, dass holländische Touristen zu 90 Prozent keine Windkraftgegner seien. In Winterberg und Umgebung kämen die meisten Gäste aus den Niederlanden, daher ergäben sich sogar Möglichkeiten, Windparks als touristische Anziehungspunkte zu gestalten.

Dem widerspricht Michael Kronauge energisch: „Wir lassen uns unseren historischen Stadtkern und unsere Wanderdestination so einfach nicht kaputt machen. Es ist einfach nur ärgerlich, wir müssen gegen die Folgen von Windmühlen kämpfen, von denen andere profitieren. Wenn das Thema nicht zu ernst wäre, um drüber zu lachen, würde ich den Wunderthäuser Haselmäusen anbieten, unsere einzigartige Hallenberger Mausefallensammlung zu verschenken, um sie ganz sicher hierher zu locken!“

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