Handy am Ohr – das kann ins Auge gehen

Das sieht nicht nach einem „geparkten“ Handy aus. Der Autoclub Deutschland legt  den Finger auf eine spezielle Wunde. Er zählt stichprobenartig, wie viele Autofahrer während der Fahrt telefonieren oder mit dem Smartphone „daddeln“. Gestern in Brilon hat man in einer Stunde 20 Fahrer erwischt.
Das sieht nicht nach einem „geparkten“ Handy aus. Der Autoclub Deutschland legt den Finger auf eine spezielle Wunde. Er zählt stichprobenartig, wie viele Autofahrer während der Fahrt telefonieren oder mit dem Smartphone „daddeln“. Gestern in Brilon hat man in einer Stunde 20 Fahrer erwischt.
Foto: dpa
Autoclub Europa startet bundesweite Aktion für Sicherheit im Straßenverkehr. Gestern wurde in Brilon gezählt, wie viele Autofahrer mit Handy am Ohr unterwegs waren.

Altkreis.  Ganz ehrlich: Wer hat nicht schon mal eben beim Autofahren das Smartphone ans Ohr genommen und telefoniert? Dabei kann das mitunter tödlich enden. Darauf weist der Autoclub Europa (ACE) mit seiner aktuellen Aktion hin.

Gestern haben ehrenamtliche Mitarbeiter am Kreisverkehr in Brilon an der Möhnestraße gestanden und einfach nur gezählt. Gezählt, wie viele Leute mit Handy am Steuer unterwegs waren. „Allein in einer Stunde waren es 20 und davon viele Lkw-Fahrer. Das ist auffällig viel“, sagt Roger Zwiehoff. Er ist NRW-Regionalbeauftragter des ACE, der bundesweit eine neue Verkehrssicherheits-Kampagne gestartet hat. Der Appell: „Park Dein Handy, wenn Du fährst!“

„Park Dein Handy, wenn Du fährst“

Zweihoff: „Wir finden moderne Kommunikationsgeräte im Auto auch ganz toll, doch manchmal kann ihr Gebrauch während der Fahrt Unfälle mit schwersten Verletzungen oder gar tödlichem Ausgang verursachen.“ Seine Botschaft lautet: „Park Dein Handy, wenn Du fährst!“ Denn wer ein Smartphone hinterm Steuer benutzt, ist nach Darstellung des ACE-Mannes total abgelenkt.

„Man fährt streckenweise blind und riskiert so folgenschwere Unfälle.“ Seiner Ansicht nach häufen sich die Unfälle, die durch Verkehrssituationen überhaupt nicht zu erklären sind. Daher will der ACE mit stichprobenartigen Verkehrsbeobachtungen prüfen, wie häufig sich Kraftfahrer auf diese Weise selbst und andere in Gefahr bringen.

Im Internet surfen während der Fahrt

Erschwerend komme hinzu, dass die modernen Geräte nicht nur zum Telefonieren taugen, sondern auch das Surfen im Internet möglich machen - und das leider auch während der Fahrt.

Roger Zwiehoff: „Vermutlich jeder dritte 18- bis 25-jährige Fahrer telefoniert ohne Freisprecheinrichtung, schreibt während der Fahrt SMS oder beschäftigt sich mit anderen ablenkenden Infotainment-Angeboten im Auto.“ Laut Zwiehoff nutzen inzwischen mehr als 40 Millionen Menschen in Deutschland ein Smartphone. 2010 seien es erst 8,4 Millionen gewesen.

Ablenkung am Steuer

Ein Blick in die Autos an Kreuzungen zeigt ein inzwischen charakteristisch gewordenes Bild: Autofahrer nutzen die Rotphase der Ampel extensiv, um rasch Textnachrichten zu lesen, zu schreiben und zu versenden. „Da gibt es eine ganz neue Körperhaltung“, sagt der Regionalbeauftragte des ACE Zwiehoff. Es sehe fast so aus, als ob die Menschen beten würden: gebeugter Oberkörper, gesenkter Kopf und ein aufs Smartphone gerichteter unverwandter Blick.

Andere nutzten den Verkehrsstillstand an der roten Ampel, um Telefonate zu führen. Die folgenschwere Ablenkung am Steuer ist damit programmiert, warnen die ACE-Experten, deren Beobachtungen sich wissenschaftlich belegen lassen. Wer beispielsweise mit 100 Kilometer pro Stunde (km/h) unterwegs ist und für zwei Sekunden seinen Blick nicht auf das Fahrgeschehen, sondern auf ein Display richtet, fährt 60 Meter „blind“.

Junge Fahrer besonders betroffen

Besonders schnell ablenkbar sind junge Fahrer. Sie sind vor allem beim SMS-Schreiben und beim Telefonieren deutlich aktiver als ältere. Geschlechterunterschiede gibt es hingegen kaum.

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hat 420 000 Verstöße gegen das Handyverbot registriert. Die Polizei ist nach Angaben des ACE über die Entwicklung zunehmend besorgt. Zwischen 2008 und 2013 ist die Zahl der Verkehrsunfälle mit ungeklärter Ursache um 56 Prozent gestiegen, dahinter vermutet wird unter anderem die verbotene Nutzung von Smartphones.

Im Herbst will der ACE die Ergebnisse seiner bundesweiten Verkehrsbeobachtung zusammenfassen und veröffentlichen.

 
 

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