Gymnasium Medebach soll bis 2019 sicher sein

Rita Maurer
Auch in Hallenberg diskutieren die Bürger über die Änderungen im Schulsystem.
Auch in Hallenberg diskutieren die Bürger über die Änderungen im Schulsystem.
Foto: Rita Maurer
  • Schulneuerungen können ab 2017/18 organisatorisch und rechtlich in Kraft treten
  • Flüchtlingskinder werden doch in die Schülerzahl-Prognosen einbezogen
  • Sauerländer sind zu selbstbewusst, um sich etwas aufdrücken zu lassen

Hallenberg/Medebach/Winterberg.  Rege Diskussionen und zahlreiche Fragen der Eltern, was die schulische Zukunft ihrer Kinder angeht, prägten alle drei Info-Abende der Städte und der Bezirksregierung zu den geplanten Schuländerungen. Wir fassen weitere Fragen und Antworten zusammen, die teilweise vorbehaltlich der Tatsache gelten, dass die Städte sich für die von der Bezirksregierung empfohlene Lösung mit Gymnasium in Winterberg sowie Sekundarschul-Standorten in Winterberg und Medebach entscheiden: Wann sind die Kinder nach dem Ganztag zuhause?
Angedacht ist an drei Ganztags-Nachmittagen Unterricht bis ca. 15 Uhr. Es laufen bereits Gespräche mit den Verkehrsbetrieben. Da die Zeiten von Gymnasium und Sekundarschule gleich getaktet sind und insgesamt drei Schulen wegfallen, sollen genügend Bus-Kapazitäten für eine zügige Abholung nach Schulschluss vorhanden sein. An den langen Nachmittagen wird es keine Hausaufgaben geben. Werden Flüchtlingskinder in den Prognosen berücksichtigt?
Schulamtsleiter Ferdinand Aßhoff und Frank Linnekugel von der Stadt Medebach bestätigten, dass für die Prognosen der Anmeldezahlen die im städtischen Melderegister aufgeführten Schüler der jeweiligen dritten Klassen herangezogen werden, also auch die gemeldeten Flüchtlingskinder. Die Aussage, dass die Flüchtlingskinder nicht eingerechnet werden, wie sie beim Info-Abend in Hallenberg von der Bezirksregierung getroffen wurde, ist somit nicht korrekt. Warum wird Medebach nicht statt Winterberg Standort des Gymnasiums?
Laut Bürgermeister Thomas Grosche ist diese Frage bei den Städten kurz andiskutiert, aber als voraussichtlich unrealistisch verworfen worden, weil Medebach nicht über die für die Sport-Eliteschule besonders erforderliche Infrastruktur verfüge und die Gesamtzahl der Gymnasiasten nicht für eine qualitative Fortführung der Beschulung an zwei Standorten wie zurzeit ausreiche.

Durch die Sekundarschule bleibe zudem das Erreichen der Oberstufen-Qualifikation wie bisher vor Ort möglich. Grosche: „Alle drei Städte müssen Zugeständnisse machen. Wir Medebacher verlieren weniger, wenn wir das Gymnasium schließen und dafür den Hauptstandort der Sekundarschule bekommen werden.“ Ab wann greifen die Schuländerungen?
Falls die Entscheidungen der Stadträte bis zum Herbst 2016 fallen, könnten die Schulneuerungen ab dem Schuljahr 2017/18 organisatorisch und rechtlich in Kraft treten. Alle Schüler, die ihre Schullaufbahn an der Verbundschule begonnen haben oder im Sommer beginnen, werden in dieser Schulform bis zum Abschluss unterrichtet. Das Prinzip Sekundarschule kommt erst für diejenigen Schüler zum Tragen, die als Fünftklässler künftig an der noch zu gründenden Sekundarschule eingeschult werden. Über welchen Zeitraum läuft das Gymnasium in Medebach aus?
Ferdinand Aßhoff gab vor knapp 250 Zuhörern in Medebach das feste Versprechen, den Schulbetrieb in Medebach bis 2019 aufrecht zu erhalten. Für die Schüler ab der jetzigen Klasse 6 und aufwärts ändert sich somit nichts, sie werden ihre Schullaufbahn wie geplant in Medebach beenden.

Für die jetzige Klasse 5 sowie die künftigen Schüler wird noch eine Lösung vereinbart, bei der die Unterrichtsqualität im Vordergrund steht.
Kann die Abwanderung der Schüler aus Hallenberg und Medebach nach Hessen zur Gesamtschule nach Battenberg oder zur Mittelpunktschule nach Goddelsheim gestoppt werden?
Schulleiter Uwe Kruse berichtet, dass in Gesprächen mit Eltern von in Hessen eingeschulten Kindern oft bemängelt wurde, dass bei der Verbundschule eine klare Ausrichtung zum Haupt- oder Realschulzweig ab Klasse 5 erforderlich war, z.B. in Goddelsheim erst ab Klasse 7. Das Konzept Sekundarschule würde künftig gemeinsames Lernen ebenfalls bis zur Klasse 7 und damit auch Chancen für sogenannte Spätentwickler auf höhere Abschlüsse bieten.

Damit hoffen vor allem die Städte Medebach und Hallenberg, den bisherigen schulischen Wettbewerbsnachteil kompensieren zu können. Können die Schüler bei der Anmeldung an der Sekundarschule den Standort Medebach oder Winterberg frei wählen?
Die Anmeldung erfolgt an der Schule insgesamt, über die Zuordnung zum Standort entscheidet letztlich die Schulleitung. Soweit möglich, werden Wünsche berücksichtigt.

Zum Abschluss der Info-Abende dankte Ferdinand Aßhoff allen Anwesenden für die rege Beteiligung, die zwar teilweise kritisch, aber konstruktiv war: „Sauerländer sind zu selbstbewusst, um sich etwas aufdrücken zu lassen. Überlegen und entscheiden Sie in Ruhe. Wir wünschen Ihnen, dass Sie die beste Lösung für Ihre Kinder und die Region finden.“

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