Ganz und gar romantische Klänge in Schloss Schellenstein

Bigge.  Zahlreiche Weihnachtsgäste lauschten der zweiten musikalisch-literarischen Begegnung des Vereins „klang & wort“ im festlich geschmückten Rittersaal von Schloss Schellenstein.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Felix Brüggemann und einigen einleitenden Worten zur Geschichte des Rittersaales eröffneten zwei anrührende Lieder von Johann Sebastian Bach den musikalischen Teil des Programmes: Mit „O Jesulein süß“ und „Ich steh an deiner Krippe hier“ umschmeichelten Gudrun Elpert-Resch mit strahlendem Sopranton und Martina Wolharn mit ihrem warm-strömenden Mezzo die Ohren der Zuhörer.

Andächtige Atmosphäre

Beate Ritter griff diese andächtige Atmosphäre auf und stimmte Joh. Chr. Günthers (1695 - 1723) „Lob des Winters” an. Mit Witz und Ausdruckskraft schilderte sie die Vorzüge der vierten Jahreszeit, die darauf ihren Widerhall in einer Klavierbearbeitung von Vivaldis wunderschöner Musik „Die vier Jahreszeiten“ fand. Sonja Harlinghausens perlendes Klavierspiel sorgte hier für einen erlesenen Hörgenuss. Auch Robert Schumanns „Phantasietanz“ geriet wenig später – unter den temperamentvoll dahinfliegenden Fingern der Pianistin - zu einem beeindruckenden Kabinettstückchen.

In ganz und gar romantische Klänge tauchte Gudrun Elpert-Resch die Hörer mit den „Weihnachtsliedern“ des Dichters und Komponisten Peter Cornelius. Mal in leuchtenden, mal in gedämpft - geheimnisvollen Farben besang sie den „schön geschmückten, festlichen Raum“, die Hirten, die Könige und das Christkind. Diese fast allzu romantische Welt des 19. Jahrhunderts durchbrach die Sprach- und Schauspielkünstlerin Beate Ritter immer wieder mit – teilweise kritischen - Texten meist neueren Datums.

So fasst beispielsweise Hanns Dieter Hüsch die moderne Weihnachtshektik in einem lapidaren Gedicht zusammen. Wer hätte sich da nicht wiedererkannt? Das Publikum jedenfalls reagierte amüsiert.

Während ein Kurt Tucholsky und eine Mascha Kaleko unseren alljährlichen Winter-Weihnachtstraum köstlich-ironisch auf die Schippe nehmen, ereignet sich bei Heinrich Böll und Agatha Christie das Geheimnis von Weihnachten im ganz Alltäglichen und erscheint damit umso wunderbarer.

Gedichte von Hüsch, Böll und Kaleko

Zum Abschluss sang Martina Wolharn noch bekannte Advents- und Weihnachtslieder, bei denen die Besucher gern und sangesfreudig mit einstimmten. Lang anhaltender Applaus belohnte die Akteure.