Fundstücke weisen in die Zeit des Mittelalters

Eine Exkurision in Titmaringhausen führte ins Mittelalter.
Eine Exkurision in Titmaringhausen führte ins Mittelalter.
Foto: WP
Spannendes Mittelalter: Im Rahmen des Leader-Projektes „Kulturlandschaftsführer vom LWL“ (Landschaftsverband Westfalen Lippe) hat jetzt eine Exkursion zum Thema Ortswüstungen und Ackerterrassen in Medebach-Titmaringhausen und Winterberg stattgefunden.

Titmaringhausen/Winterberg. Spannendes Mittelalter: Im Rahmen des Leader-Projektes „Kulturlandschaftsführer vom LWL“ (Landschaftsverband Westfalen Lippe) hat jetzt eine Exkursion zum Thema Ortswüstungen und Ackerterrassen in Medebach-Titmaringhausen und Winterberg stattgefunden.

Nach der Begrüßung durch Medebachs Bürgermeister Thomas Grosche an der St. Antoniuskapelle führte der Weg die mehr als 20 Teilnehmer zur Ortswüstung Vilmarenchusen in der Titmaringhauser Flur. Referent Dr. Bergmann vom LWL-Archäologie für Westfalen aus Münster führte die Zuhörer mit Ortsheimatpflegerin Claudia Pape durch die im 13. Jahrhundert aufgegebene Ortsstelle.

Drei Scherben

Dort berichtete Dr. Bergmann anhand von Vilmarenchusen unterhaltsam über die Besiedlung des Sauerlandes in karolingischer Zeit bis hin zum Wüstfallen vieler kleinerer Orte im Spätmittelalter. Seit im Jahr 2009 die ersten drei kleinen Keramikscherben aus dem 12./13. Jahrhundert aufgetaucht waren und so der vergessene Ort erstmalig sicher lokalisiert werden konnte, ist deren Fundzahl mittlerweile auf über 250 Stück angestiegen, die sogar bis ins 10. Jahrhundert zurückreichen. Daneben kamen Hufeisenfragmente, eine 26 cm lange Messerklinge, die wahrscheinlich als Waffe genutzt wurde, und ein Fragment eines Glöckchens zutage, das auf eine wahrscheinliche Kleinviehhaltung hinweist. Schriftliche Quellen über den Ort sind sehr spärlich, da die Bewohner von Vilmarenchusen freie Bauern und somit niemandem lehnspflichtig waren. Deshalb tauchen sie auch kaum in alten Lehnsregistern auf.

Nach einem Mittagessen, zu dem die Sparkasse Hochsauerland eingeladen hatte und das mit angeregten Diskussionen und Vorstellen eigener Funde verbunden war, ging es Richtung Medebach zum „Böhlen“. Dort wurde die fossile Gelängeflur hessischen Typs aus dem 14. Jahrhunderts besichtigt. Außerdem präsentierte der Winterberger Hobby-Archäologe Rene Ahlers Metallfunde wie Gewandfibeln oder Gürtelschnallen.

Als nächstes stand die Ortswüstung Merleheim im Namelosental bei Winterberg auf dem Programm. Unterstützt durch Rene Ahlers führte Dr. Bergmann die Exkursionsteilnehmer durch die Ortsstelle einer karolingischen Vier-Höfe-Siedlung an der Heidenstraße. Für Laien kaum sichtbar, wurden die Standorte der Höfe, sowie Backöfen und Gärten anschaulich erklärt.

Erzabbau

Zum Schluss gab es unter freiem Himmel, auf Einladung des Heimatvereins Titmaringhausen, bei heißem Punsch und Kuchen nochmals die Gelegenheit zum Austausch. Dr. Bergmann dankte für den ehrenamtlichen Einsatz der Teilnehmer und bot an, sich im nächsten Jahr dem Thema Erzabbau und –verhüttung zu widmen.

Der archäologisch-geografisch-historisch geprägte Kulturlandschaftsführer für die Region Hochsauerland soll 2013 fertiggestellt werden.

 
 

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