Freilaufende Hunde reißen trächtige Ricke in Waldgebiet

Wildernde Hunde haben im Raum Beringhausen diese trächtige Ricke gerissen.
Wildernde Hunde haben im Raum Beringhausen diese trächtige Ricke gerissen.
Foto: Stephan Luckey
Zwei freilaufende Hunde haben eine trächtige Ricke in einem Sauerländer Wald angegriffen. In einem minutenlangen Todeskampf musste das Reh qualvoll verenden. Jäger appellieren nun eindringlich an Hundehalter, Vierbeiner, die zum Jagen neigen, anzuleinen.

Beringhausen. Zwei freilaufende Hunde hetzten vor einigen Tagen eine trächtige Ricke aus dem Forstenberg in Richtung Dorfrand. Wie Jäger vor Ort berichten, griffen die Hunde auf dem Margaritenweg das völlig erschöpfte Tier an und zogen es zu Boden. Während der eine Hund das laut klagende Wild von hinten attackierte, verbiss sich der andere in die Kehle. In einem minutenlangen Todeskampf musste das Reh qualvoll verenden. Zeugen, die die Schreie des Tieres hörten, konnten nicht mehr rechtzeitig eingreifen.

Nachdem die Ricke tot war, verschwanden die Hunde wieder in den Wald. Vom Halter der Hunde, dem die lautstarke Jagd kaum entgangen sein kann, war nichts zu sehen, so die Jäger. Auf Grund der professionellen Vorgehensweise der beiden Hunde ist davon auszugehen, dass es sich um ein eingespieltes Team handelt. Es wurden polizeiliche Ermittlungen aufgenommen.

Die Jägerschaft appelliert eindringlich an die Hundehalter, mehr Verantwortungsbewusstsein zu zeigen und Hunde, die zum Jagen neigen, anzuleinen. Leider sei es in der letzten Zeit im gesamten Stadtgebiet Marsberg immer häufiger zu beobachten, dass Hundehalter ihre Tiere nicht im Griff hätten oder es ihnen egal sei, wenn ihre Tiere wild herumjagen. Auf die Bitte, die Hunde anzuleinen, reagierten die Besitzer meist mit völligem Unverständnis oder würden sogar aggressiv.

Opfer der wildernden Hunde sei nicht nur jagdbares Wild, auch seltene am Boden brütende Vogelarten und Schafe seien beliebte Angriffsziele. Habe ein Hund erst einmal erfolgreich gejagt, so die Jäger, werde er in der Regel nicht mehr damit aufhören. Daher die Bitte der Jäger an alle Hundehalter - besonders in der kommenden Brut- und Setzzeit- , ihre Vierbeiner unbedingt an die Leine zu nehmen und nicht unbeaufsichtigt herumstreunen zu lassen.

"Hetzen und Jagen versetzt den Hund in Euphorie" 

Was kann ein Hundebesitzer machen, wenn sein Vierbeiner immer wieder seinem Jagdtrieb unkontrolliert nachgeht und partout nicht gehorchen will? Wir sprachen mit Hundexpertin Martina Eickwinkel, 1. Vorsitzende und Trainerin des Olsberger Hundesportvereins „Strunzertaler Pfoten“.

Wie sollte sich ein Hundehalter mit seinem Vierbeiner generell im Wald verhalten? Darf ein Hund im Wald frei herumlaufen oder muss er angeleint werden?

Martina Eickwinkel: Generell dürfen Hunde auf Waldwegen unangeleint laufen, soweit sie sich im Einwirkbereich des Halters befinden. Man sollte als Hundehalter jedoch so rücksichtsvoll und verantwortungsbewusst sein und seinen Hund an die Schleppleine oder Leine legen, wenn man ihn nicht absolut im Griff hat und Abschweifungen in die Natur unterbinden. Einem Hund kann antrainiert werden, auf dem Weg zu bleiben. Auch sollte bedacht werden, dass das Abrufen schwieriger wird, wenn man mit mehreren Hunden unterwegs ist. Leider ist es hier oft so, dass, wenn einer rennt, die anderen folgen.

Wenn das Tier einen erkennbar ausgeprägten Jagdtrieb hat, kann man dann dagegen steuern und wenn ja wie?

Eickwinkel: Ein ausgeprägter Jagdtrieb lässt sich nicht einfach wegtrainieren. Man kann seinen Hund durch einen guten Grundgehorsam kontrollierbar machen und sollte stets für seinen Hund interessant sein. Vor allem sollte man das Tier gut im Auge behalten, um dem entgegen wirken zu können, dass heißt, man sollte nicht unbeschwert die schöne Natur genießen, sondern seinem Hund immer einen Schritt voraus sein. Ein Schleppleinentraining wäre eine Trainingsmethode, um seinen Hund kontrollierbarer zu machen und es gibt spezielle Antijagdtrainings.

Hat das Tier einmal Blut geleckt, wird es dann automatisch zu einem Wiederholungstäter?

Eickwinkel: Jagen ist für einen Hund die natürlichste Sache der Welt. Hetzen und Jagen versetzt den Hund in einen euphorischen Rauschzustand und ist selbstbelohnendes Verhalten. Beim Jagen wird das Glückshormon Dopamin freigesetzt. Der Hund braucht das Wild nicht erbeuten, er ist nicht auf der Jagd nach dem Wild, sondern nach diesem Glücksgefühl. Der Wunsch, dieses tolle Gefühl erleben zu können wird bleiben.Gibt es Rassen, die in Sachen Jagdtrieb besonders anfällig sind? Ja, alle Jagdhunderassen und auch Hütehunde, die ihren Hütetrieb nicht ausleben können. Sie fangen an z.B. Autos und Fahrradfahrer zu jagen.

Kann man Welpen schon so trainieren, dass sie das Wildern unterlassen?

Eickwinkel: Ja. Erziehung fängt auf spielerische Art und Weise im Welpenalter an, und eine gute und konsequente Grunderziehung ist das A und O, ebenso eine gute Bindung zu seinem Hund. Von Anfang an sollte man die Distanz, in der sich der Hund vom Halter weg bewegt kontrollieren, d.h. der Bereich, in dem ich auf meinen Hund einwirken kann. Hierbei ist oftmals auch der Einsatz einer Schleppleine von Vorteil. Bei Welpen setzt mit rund vier Monaten der Zahnwechsel und somit das Jagdverhalten ein. In dieser Zeit sollten man besonders darauf achten, dass der Hund keine Ausflüge in die „Wildnis“ unternimmt, denn hiermit würde das selbstbelohnende Verhalten einsetzen, was sehr schwer oder gar nicht mehr ab trainierbar ist.

 
 

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