Frau im Sauerland kümmert sich um Känguru-Babys

Känguru-Baby Mary wird mit der Flasche aufgezogen - darin: besondere Känguru-Milch.
Känguru-Baby Mary wird mit der Flasche aufgezogen - darin: besondere Känguru-Milch.
Foto: WP
Heike Grebe aus Medebach-Deifeld zieht ein Wallaby-Baby mit der Flasche groß. Seit jüngstem kümmert sie sich um ein weiteres Känguru-Baby.

Deifeld. Mary muss mal. Vielleicht kann das Känguru-Kleinkind noch einen Moment anhalten. Oder eher doch nicht? Zur Not muss der Kissenbezug, der zum Mama-Ersatzbeutel umgenäht wurde, halt in die Wäsche. Mary ist ein Wallaby-Baby, etwa fünf Monate alt und 1100 Gramm leicht. Nachdem seine Mutter, die in Hesborn in einem Gehege lebte, plötzlich gestorben war, wurde händeringend eine Amme für Mary gesucht. „Och, das könnte ich wohl machen“, hatte Heike Grebe mehr so aus einer Laune heraus gesagt. Jetzt ist die 30-jährige Journalistin und Filmemacherin Känguru-Mama. Ein tag- und mitunter auch nachtfüllender Job.

Vor den Bauch geschnallt

Keck und neugierig blickt Mary mit den dunklen Knopfaugen aus dem handgemachten Kängurubeutel, den sich Heike Grebe vor den Bauch geschnallt hat. Das Schaukeln gefällt dem Tier. Die Welt ist ja sooo spannend. Da eine Biene, da ein herannahendes Auto und dort ein ständiges Klickgeräusch aus einer Reporterkamera. „Känguru-Babys entdecken die Welt aus dem sicheren Beutel ihrer Mutter heraus. Sie brauchen unbedingt eine feste Bezugsperson, keine wechselnden Ersatzmütter. Und da ich momentan viel zu Hause arbeite, kann ich mich um das Waisenkind kümmern“, sagt die Deifelderin. Das Baby knabbert unterdessen an einem Apfelstückchen. Entspannt liegt es dabei auf dem Rücken, die staksigen Beine und den ultralangen Schwanz gen Himmel gereckt.

Heike Grebe mag Tiere. Während ihrer Hamburger Zeit bei einer Filmproduktionsfirma hat sie ehrenamtlich in einer Wildtier-Auffangstation gearbeitet und so manchem Eichhörnchen wieder auf die Haselnussbäume geholfen. In der ARD lief ihr Beitrag „Mythos Kongo“, in dem sie das Sozialverhalten der Bonobo-Affen dokumentiert. Zurzeit macht sie Schnittarbeiten für eine Doku über die Auswilderung der Wisente im Rothaargebirge. Im Herbst geht es in den Iran. Heike Grebe mag diese Mischung aus Weltoffenheit und überschaubarer Dorfwelt. Sie ist geerdet, sie weiß wohin es sie zieht, aber auch wohin sie gehört. Genau wie Mary.

Gern auch mal was Grünes

In Australien waren beide noch nicht, aber dafür päppelt die Sauerländerin jetzt erstmal ein Kind des fünften Kontinents auf. „Ein Känguru ist natürlich kein Eichhörnchen. Ich muss mich belesen, viel telefonieren und Infos einholen. Mary bekommt alle sechs Stunden etwas zu essen. Grundnahrung ist eine spezielle Känguru-Aufzuchtmilch, die eigens bestellt werden muss“, sagt die Deifelderin. Aber auch gegenüber Fenchel oder einem saftigen Blatt ist die kleine Dame nicht abgeneigt. Mit Hilfe eines langen Schnullers süppelt Mary gegen 23 Uhr ihre letzte Mahlzeit. Danach möchte sie aber gerne noch etwas spielen. „Sie hüpft dann auf meinem Bauch herum. Sobald ich einmal außer Sichtweite bin, gibt sie ein leises Meckern von sich und sucht nach mir.“

Dann ist Schlafenszeit: „Ich habe vorher immer gesagt: Ein Tier kommt mir nicht ins Bett“, grinst Heike Grebe. Mary legt sich dann in einem Babyschlafsack zur Ruhe. Ein Schnulli und ein Beißring hängen daran. Der Sack baumelt etwa in Kopfkissenhöhe über der Ersatz-Mama. „Zwischendurch wird sie schon mal unruhig und meckert. Dann nehme ich sie im Halbschlaf in den Arm und die Körpernähe wirkt absolut beruhigend.“

Tod im Känguru-Gehege

Um zu gucken, dass Mary auch känguru-gerecht aufwächst, hat Heike Grebe in den vergangenen Tagen immer wieder Marys Entzwicklungsstand mit dem eines weiteren Känguru- Babys in Hesborn verglichen. Gestern Mittag kam von dort eine schreckliche Nachricht: Über Nacht ist aus bislang ungeklärter Ursache das andere Muttertier ums Leben gekommen. Und nun? Seitdem hat die Deifelderin ein zweites Pflegekind im Beutel: Kurt. Er ist größer und älter als die Kleine, aber nach der Fuchs-Attacke völlig traumatisiert. Er muss jetzt erstmal zur Ruhe kommen. Und Mary darf jetzt endlich mal müssen!

 
 

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