Förderverein hofft auf positiven Ratsentscheid

Das Freibad Alme präsentiert sich derzeit im Winterkleid. Im Sommer werden hier wieder zahlreiche Gäste erwartet.
Das Freibad Alme präsentiert sich derzeit im Winterkleid. Im Sommer werden hier wieder zahlreiche Gäste erwartet.
Foto: WP

Alme.. Die Enttäuschung sitzt tief. Seit 2010 setzt der Förderverein Freibad Alme alle Hebel in Bewegung, um das beheizte Freibad „Badcelona“ wieder auf Vordermann zu bringen. In Eigenleistung wurde schon enorm viel repariert, investiert und modernisiert. „Doch solange sich die Stadt nicht klar zu unserem Beheizungskonzept und einer Zusicherung der benötigten Zuschüsse für den Betrieb äußert, bleibt die Zukunft des Freibades ungewiss“, so Andrea Adams, 1. Vorsitzende des Fördervereins.

Für sie und ihre Vorstandskollegen Rüdiger Sürig und Friedhelm Ebers ist die Blockadehaltung der Stadt in Sachen Zukunftssicherung des Freibades völlig unverständlich. „Wir haben ein schlüssiges Konzept erarbeitet, das nicht nur dem Bad, sondern auch allen Bürgern in Alme, ja sogar der ganzen Region zugute kommt“, betont Andrea Adams. „Wir wollen auch nicht mit dem Freibad in Gudenhagen konkurrieren. Vielmehr sind wir der Auffassung, dass beide Freibäder eine gute Chance zum Überleben haben.“ Sie hat errechnet, dass die fünf Bäder im Stadtgebiet die Stadt nicht mal die Hälfte von dem Zuschuss kosten, den die Stadt Olsberg in sein Aqua schießen muss. Die fünf kleineren Bäder im Stadtgebiet wären laut Sportförderungsgesetz optimal für jedermann erreichbar und bezahlbar. Der Förderverein des „Badcelona“ ist laut Adams mit den Betreibervereinen der Hallenbäder Hoppecke und Madfeld im Gespräch. Das Ziel: ein Bäderkonzept erarbeiten und Synergien nutzen.

Auch die Zahlen des letzten Sommers können sich in Alme sehen lassen. Trotz des warmen Wassers konnten die Betriebskosten deutlich gesenkt werden. Und auch die Besucherzahlen sprechen für sich. Obwohl das Wetter alles andere als gut war verzeichnete das „Badcelona“ mehr Gäste als im Vorjahr. Und das liegt keineswegs im Trend. „Wir hatten fast 800 Gäste mehr und lagen am Ende bei 9500“, legt Rüdiger Sürig erstaunliche Zahlen vor. Das warme Wasser kommt offensichtlich an.

„Ich denke aber, dass hier mehrere Faktoren mit einfließen. Die Umgestaltung und Restauration des Freibades, die Erneuerung des Kiosks sowie die Auffrischung von Grünanlagen, Umkleidekabinen und Spielgeräten sind nur einige Beispiele der von unseren meist ehrenamtlichen Helfern getätigten Arbeiten im vergangenen Jahr“, listet Sürig auf. Allerdings müsse man auch die verspätete Eröffnung des Gudenhagener Bades mit berücksichtigen.

Um das bislang noch mit Öl beheizte „Badcelona“ in Zukunft konkurrenzfähig und vor allem attraktiv für Besucher zu halten, wurde im vergangenen Jahr ein Beheizungskonzept erstellt. Mit dieser Studie als Grundlage hofft der Förderverein - als zukünftiger Betreiberverein - auf eine verbindliche Zusage der Stadt für den Erhalt des Freibades. Der Antrag auf einen jährlichen Zuschuss für einen Zeitraum von fünf Jahren liegt vor. „Wir alle wünschen uns, dass er jetzt auch fester Bestandteil im neuen Haushalt wird“, so Andrea Adams.

Im Vorfeld der entscheidenden Ratssitzung am 23. Februar hat der Förderverein viel Aufklärungsarbeit betrieben. So wurde die Beheizungsstudie jetzt auch den gewählten Vertretern der Briloner Bürger vorgestellt. Um das Konzept möglichst innovativ und zukunftsorientiert zu gestalten, scheute der Förderverein Freibad Alme keine Kosten und Mühen. „Wir haben uns mit der FH Münster in Verbindung gesetzt. Resultierend aus einigen Sitzungen und einem Ideenaustausch mit Prof. Dr. Theodor Belting aus dem Bereich Energie/Gebäude/Umwelt wurde für die Erstellung des Beheizungskonzeptes eine Bachelor-Arbeit ausgeschrieben, die der Student Pascal Kahn in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Becker und Henze aus Büren erarbeitete“, berichtet Rüdiger Sürig.

Ziel der Studie sei es gewesen, die Attraktivität des Freibades zu steigern und gleichzeitig die Betriebskosten der Stadt zu senken. Außerdem wolle man neben dem Freibad auch die Beheizung der Gemeindehalle sowie der Umkleidekabinen des Sportplatzes einbeziehen. „Faktoren, die nicht alle durchleuchteten Wärmekonzepte erfüllen konnten“, meint Sürig. „Nach eingehenden Berechnungen des Wärmebedarfs sowie der Wirtschaftlichkeit der Konzepte fiel die Wahl auf ein eher ungewöhnliches, aber auch ein sehr innovatives und grünes Energiekonzept der Fernwärme.“

Und diese Fernwärme wird durch eine Dampfmaschine, ein so genanntes „Lokomobil“, des Sägewerks Runge in Alme erzeugt. Sie beheizt die Anlage über die Abwärme der Befeuerung mit Rest- und Abfallholz, die sie in Form von heißem Wasser durch eine Fernwärmeleitung zum Areal des Freibades leiten würde. Die Leitung erstreckt sich über etwa 350 Meter. „Runge selbst stellt uns die Energie für das Freibad kostenlos zur Verfügung“, vermerkt Sürig. Zudem würde sich die Fernwärmeleitung in fünf Jahren amortisieren.

Ein weiterer positiver Aspekt dieser Beheizung ist eine Vermeidung von CO2-Emission. Sie ist somit neutral und trägt zur ökologischen Positivbilanz der Stadt Brilon bei. Durch die Eigenleistungen und die Übernahme der Investitionskosten durch den Förderverein wäre die Beheizung des Freibades für die Stadt Brilon kostenneutral, so der Vorstand.

Sollte der Rat dem Konzept des Fördervereins zustimmen und für die Baumaßnahmen grünes Licht geben, so könnte noch in diesem Jahr der 1. Bauabschnitt, der Bau der Fernwärmeleitung, durchgeführt werden. „Mit den Grundbesitzern sind wir uns einig“, so Sürig.

Im zweiten Bauabschnitt 2013 soll dann ein Pufferspeicher installiert und die Gemeindehalle in das Konzept integriert werden. Hier würde die Stadt mehrere tausend Euro an Heizöl einsparen, meint Adams.

In Zahlen ausgedrückt bedeutet die Umsetzung des Wärmekonzepts Fernwärme folgendes: Etwa 105 000 kWh Heizenergie würden jährlich eingespart, was ca. 10 000 Liter Heizöl entspricht. Zusätzlich würde die Stadt über 31 000 kg CO2-Emission vermeiden, was gleichzeitig die Attraktivität und das Image der Stadt Brilon steigert. Finanziell betrachtet entspräche das einer jährlichen Einsparung in Höhe von ca. 8000 Euro für die Stadt allein für die Beheizung der Gemeindehalle, so Vorsitzende Andrea Adams. „Im Sinne der Bürger des Stadtgebietes hoffen wir nun auf einen positiven Entscheid bei der Haushaltsverabschiedung am Donnerstag. Denn nur mit Vertröstungen von Jahr zu Jahr ist ein Bad in dieser Größe auf Dauer nicht zu halten.“

 
 

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