Flüchtlinge im Irish Pup – „Jungs haben Chance verdient“

Im Irish Pub wird viel gearbeitet, aber auch viel gelacht: Inhaber Dan Corcoran (links),  Sam
Im Irish Pub wird viel gearbeitet, aber auch viel gelacht: Inhaber Dan Corcoran (links), Sam
Foto: Rita Maurer
Im Irish Pub in Winterberg arbeiten junge Flüchtlinge aus Afrika. Dan Corcoran erinnert an Fluchtgeschichte der Iren 1845: Das ist zwar 170 Jahre her, aber bis heute nicht vergessen.

Winterberg.  Dan Corcoran stammt aus Irland und arbeitet im Irish Pub in Winterberg. Tony Fekadu, Sidiki Doumbia und Sam Addo kommen aus Afrika und arbeiten auch im Irish Pub. International eben. Aber dennoch nicht alltäglich, denn die drei Afrikaner sind Flüchtlinge. Dan gibt ihnen eine Chance

Dan Corcoran ist selber als junger Mann mit 60 Mark in der Tasche nach Deutschland gereist, um in Frankfurt für drei bis vier Monate an einer Bar zu jobben. Geworden sind daraus mittlerweile fast 20 Jahre, in denen er sich hochgearbeitet hat und nun den Irish Pub in Winterberg leitet.

Hunde, Schwarze und Iren verboten

Dort beschäftigt er eine bunt gemischte Truppe: Zehn Deutsche, zwei Belgier, ein Philippino und drei Afrikaner. „Ich arbeite hart und erwarte das auch von meinen Leuten. Die Leistung und die Zusammenarbeit mit dem Team müssen stimmen, das ist wichtig. Herkunft oder Hautfarbe sind mir ganz egal.“ Das Gefühl, nicht erwünscht zu sein, hat Dan schon am eigenen Leib erfahren: Noch vor 40 Jahren hingen an englischen Ladentüren Schilder mit der Aufschrift „No dogs, no blacks, no Irish“ (Keine Hunde, keine Schwarzen, keine Iren).

Tony Fekadu (26) heißt eigentlich mit Vornamen Brhane, aber das war seinen Kollegen im Irish Pub zu kompliziert. Er ist Friseur und kommt aus Eritrea - einem Land, das von sich behauptet, demokratisch zu sein. Die Regierung ist jedoch bekannt für seine Menschenrechtsverletzungen. Regimekritiker werden gnadenlos verfolgt und mit Folter und Tod bestraft. Sein Vater wurde von Soldaten ermordet; Fekadu rettete sich mit seinen vier Schwestern vor sechs Jahren erst in ein Flüchtlings-Camp in Äthiopien, von dort schlug er sich alleine auf einem überfüllten Schiff von Libyen aus nach Italien und weiter bis nach Züschen durch, wo er jetzt seit 16 Monaten lebt.

Bedrückende Selbstverständlichkeit

Er erzählt seine Geschichte abwechselnd auf deutsch und englisch mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass es einem als Kind des behüteten Sauerlandes ganz flau im Magen wird. Erst bei der Frage nach seiner Mutter sacken die Schultern nach vorne und ein Schatten fällt über sein Gesicht: „Manchmal kann ich sie anrufen. Ich vermisse sie so. Es ist doch meine Mutter. Aber ich werde sie wohl nie wiedersehen.“

Sich wie Sidiki Doumbia als 16-Jähriger in seine Mitschülerin verlieben – eigentlich ganz normal. Aber nicht im westafrikanischen Guinea, wenn der Vater der Auserwählten beim Militär und nicht einverstanden mit der Beziehung ist. So musste der Jugendliche Hals über Kopf sein Zuhause verlassen und ist nach einer anstrengenden Flucht durch verschiedene Länder und Aufnahmelager seit März 2013 in Hallenberg. Neben seiner Muttersprache spricht er fließend englisch, französisch, arabisch und auch schon ziemlich gut deutsch.

Der 24-jährige Sam Addo aus Ghana, der seit 19 Monaten in Winterberg wohnt, ist eigentlich Landwirt und stammt aus einer katholischen Familie. Sein Vater wurde aus politischen Gründen erschossen, er selber ging vor fünf Jahren auf die Flucht. Auch seine fünf Geschwister sind aus ihrer Heimat geflohen. Sam hat sich in den sechs Monaten, die er bis jetzt stundenweise in der Küche aushilft, so gut bewährt, dass Dan Corcoran ihn ab Oktober fest als Teilzeitkraft eingestellt hat. Auch mit Sidiki Doumbia und Tony Fekadu ist er sehr zufrieden, mehr Festanstellungen sind aufgrund der hohen Lohnnebenkosten aber zur Zeit für ihn nicht möglich.

Fluchtgeschichte wirkt nach

„Die Jungs haben eine Chance verdient. Wir Iren sind 1845 auch aus unserem Land geflohen und in Amerika oder Australien gut aufgenommen worden. Das ist zwar 170 Jahre her, aber bis heute nicht vergessen...“

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