Finanzierungslücke muss gedeckt werden

Karl-Heinz Tielke
Michael Beckmann, Tourismusmanager von Winterberg.
Michael Beckmann, Tourismusmanager von Winterberg.
Foto: WP
Fremdenverkehrsbeitrag soll eine halbe Million Euro mitfinanzieren

Winterberg.  (kht) Nachdem die Erhöhung der Kurbeiträge aus rechtlichen Gründen vom Tisch ist, präferiert der Rat nun einstimmig die Einführung eines Fremdenverkehrsbeitrages, um die Finanzierungslücke von rund 550 000 Euro bei der Winterberger Touristik und Wirtschaft (WTW) zu decken. Im Rahmen eines Wirtschaftsforums im Rathaus informierten Bürgermeister Werner Eickler sowie Michael Beckmann, der Geschäftsführer der WTW, über die Hintergründe und den bisherigen Zwischenstand ca. 200 Unternehmer aus dem Stadtgebiet.

Das Finanzvolumen der WTW von rund zwei Mio. Euro kommt im Wesentlichen mit rund 1,4 Mio. Euro aus Kurbeitragseinnahmen. Die Deckungslücke, die seit 2003 durch die Kürzung der Kurorthilfe des Landes entstanden ist und bisher von der Stadt getragen wurde, kann aufgrund der allgemeinen kommunalen Finanzkrise nicht mehr geschultert werden. „Der Tourismus in Winterberg hat nach den 90er Jahren an Fahrt aufgenommen. Wir dürfen ihn nun nicht wieder ausbremsen“, warnte Tourismusdirektor Michael Beckmann im Ratssaal.

„Die Leistungen der WTW um den Fehlbetrag zu reduzieren wäre an dem Ast zu sägen, auf dem wir sitzen“, ist auch Eickler überzeugt. „Der Tourismus ist für uns der wichtigste und zudem ein stabiler Wirtschaftsfaktor.“

Nur leichte Steigerungen der Gästezahlen weist die Ferienwelt Winterberg in den vergangenen Jahren auf. Das dieses dennoch ein Erfolg ist, betonte Professor Dr. Edgar Kreilkamp, der die Veranstaltung moderierte: „Vergleichbare Tourismusdestinationen haben mit Rückgängen von 8 bis 9 Prozent zu kämpfen. Da der Tourismusmarkt künftig noch härter umkämpft sein wird, gewinne gutes Marketing noch mehr an Bedeutung.“ Kreilkamp hält die Ausgabenreduzierung als die schlechteste Lösung. Und da die Stadt am Ende ihrer Konsolidierungsmöglichkeiten angelangt ist, die Erhöhung des Kurbeitrages aus rechtlichen Gründen nicht möglich ist sowie bei einer Anhebung der Gewerbesteuer als Alternative zum Fremdenverkehrsbeitrag nicht alle Unternehmer einbezogen werden, präferiert der Rat nun die Einführung dieses Fremdenverkehrsbeitrages.

Und dies nicht ohne Grund: „1,25 Millionen Übernachtungen und 1,9 Millionen Tagesgäste sichern 3743 rechnerische Vollarbeitsplätze und bilden ein effektives Wertschöpfungsnetz, von dem letztlich so gut wie alle Betriebe, nicht nur die Touristiker, sondern auch Händler und durch Folgeaufträge auch Handwerker und Dienstleister profitieren“, so Michael Beckmann.

Dem Fremdenverkehrsbeitrag liegt der Gedanke zugrunde, dass zu den kommunalen Aufwendungen für den Tourismus, die nicht durch Kurbeiträge gedeckt werden können, derjenige Personenkreis beitragen soll, der unmittelbar oder mittelbar besondere wirtschaftliche Vorteile hat. Der Beitrag errechnet sich aus Umsatz, Mindestgewinnansatz, Vorteilssatz der jeweiligen Branche, einem lagebezogenen Faktor und aus dem steuerlichen Hebesatz.

„Jetzt die Frage zu beantworten, wie hoch wird der Fremdenverkehrsbeitrag für mich sein, wäre Lotteriespiel“, äußerte der Bürgermeister auf die Frage eines Unternehmers. „Erst wenn die Berechnungsfaktoren aller zahlungspflichtigen Betriebe vorlägen, könnte man hier eine konkrete Aussage treffen und das wird nicht vor Dezember 2012 sein.“

Befürchtungen wurden im Rahmen der Versammlung geäußert, dass es zu einer ungerechten Umverteilung der Finanzierungslücke von 550 000 Euro kommt.