Eine Entscheidung mit Herz getroffen

Foto: WP

Brilon.. Ein langer Raum, eine graue Holzdecke mit alten Balken, seit jeher funktional,nicht schön und nun nutzlos und heruntergekommen.

So präsentierte sich 2008 der Güterschuppen, der seit 1900 zum Briloner Bahnhof gehört, seinen neuen Besitzern, den Steuerberatern und Rechsanwälten von Schafeld & Partner.

Es sprach alles dafür, die ehemalige Lagerhalle, in der die Briloner Bürger bis Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts ihre mit Zügen gebrachten Waren entgegennahmen, dem Erdboden gleich zu machen und sie durch einen modernen Bürokomplex zu ersetzen. Eigentlich war dies auch schon längst besiegelt, bis sich eine andere Möglichkeit auftat, die Restaurierung.

Seit April 2010 erstrahlt der Schuppen nun in neuem Glanz, in einer lebendigen Mischung aus Alt und Neu. Die Rampe hin zur Straßenseite wurde zur gläsernen „Gangway“, die alten Schiebetore zu Bürotüren und der Bau ganz generell zum eindrucksvollen Zeichen, wie sich vergangene funktional-industrielle Baustile mit modernen, puristischen und zugleich edlen Formen vereinen lassen.

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Auf die Idee, das Gebäude unter Denkmalschutz stellen zu lassen und es wieder herzurichten kam der Briloner Stadtbaudirektor Johannes Nolte. Schafeld & Partner griffen diese gerne auf und ein Architekten-Gespann, bestehend aus Wibke Mielke und Eckhard Lohmann, machten sich ans Werk.

Fenster wie Vitrinen

Im September 2009 ging es los mit den Umbauarbeiten. Die Fassade wurde wieder hergerichtet, das Fachwerk deutlicher herausgestellt. Die Dämmung musste verbessert werden. Schön erkennen lässt sich dies besonders an einigen alten Fenstern, denen neuere Modelle einfach vorgestellt wurden, da sie nicht mehr den Anforderungen entsprachen.

„Wir haben die alten Fenster bewusst drin gelassen. Das ist jetzt wie eine Vitrine, die das Alte und Neue zeigt“, erläutert Wibke Mielke. Als die Außenfassade nahezu fertig war, ging es an den Innenausbau. Für einen Architekten stellte dieser geradezu ein Paradies da, so Mielke. Eine leere Halle, in die nach Lust und Laune, natürlich immer unter Berücksichtigung der Auflagen der Denkmalschutzbehörde und den finanziellen Vorgaben der Bauherren, neue Wände und Böden gezogen werden konnten. „Sonst hat man viel mehr Zwänge“, erläutert sie. Über zwei Stockwerke erstreckt sich nun der Bürokomplex. In naher Zukunft soll das Gebäude durch einen kubistischen Anbau erweitert werden.

Die Sicht der Dinge, die sich im Vergleich zu vielen in unserer Serie dargestellten Restaurierungen alter Gebäude beim Umbau des Geräteschuppens auftat, war im Übrigen eine ganz andere. Kein privater, kultureller oder historischer Gedanke stand im absoluten Vordergrund. Ein Unternehmen suchte einen Weg, sich möglichst profitabel neue Büroräume zu schaffen. Es war ein Wagnis, weil ein Umbau im Vergleich zu einem Neubau oftmals mehr Kosten verursachen kann. Aber aus eben dieser unternehmerischen Sicht auch eine Chance, denn mit der Restaurierung eines so alten stadtbekannten Symbols geht auch eine Aufmerksamkeit einher, die einem Rechtsanwalts- und Steuerberatungsbüro eigentlich nicht zuteil wird, so die Architektin.

Anwalts Liebling

„Letztendlich war es aber vor allem doch eine Entscheidung des Herzens“, beschreibt Rechtsanwalt Alexander Abeler den ungewöhnlichen Weg, den er gemeinsam mit seinen Partnern gegangen ist. Es sei erstaunlich, das Endprodukt, die Mischung aus Alt und Neu, zu sehen, die in einem so schönen Kontrast zueinander stehe. Und im Endeffekt sei die Restaurierung im Vergleich zum Neubau auch nicht teurer gewesen, „denn es ist insbesondere auch in finanzieller Sicht professionell gearbeitet worden“, lobt er die beiden Architekten.

Ein solches Gebäude bedeute für ein Unternehmen ohnehin auf Dauer gesehen einen größeren Werterhalt. Das sei wie ein Oldtimer, der ja mit dem Alter immer mehr an „Liebhaber“-Wert gewinne. Das sieht wohl auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe so, der an das Unternehmen herangetreten ist, damit sich dieses mit seinem neuen alten Prachtexemplar am Westfälisch-Lippischen Preis für Denkmalpflege 2011 beteiligt.

 
 

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