Ein reiches und erfülltes Leben

Monsignore Dr. Wilhelm Kuhne
Monsignore Dr. Wilhelm Kuhne
Foto: Rita Maurer
  • Monsignore Dr. Wilhelm Kuhne kam aus Lünen ins Sauerland
  • Früher arbeitete er als Vikar in Brilon
  • Kuhne erzählt von seinen Erfahrungen aus des NS-Zeit, aber auch von Reisen nach Brasilien oder Afrika

Grönebach/Niedersfeld.. Er war die Nr. 1322741 im Gefangenenlager 1102. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges war es ungewiss, ob er überhaupt seinen 20. Geburtstag erleben würde. Heute wird er nun gesegnete 90 Jahre alt: Monsignore Dr. Wilhelm Kuhne, der beliebte und durch seinen unverwechselbaren Optimismus und seine Nähe zu den Menschen sicherlich auch einer der bekanntesten Pfarrer im Altkreis Brilon.

Die Wände in seinem Haus in Niedersfeld sind fein säuberlich dekoriert. Vom Wappenteller der Schützen über Familienbilder, die lateinische Ernennungsurkunde zum Monsignore aus Rom, ein russisch-orthodoxes Kreuz bis hin zu großformatigen Teppichen von Studienfahrten nach Afrika oder Brasilien hat jedes Erinnerungsstück einen ehrenden Platz gefunden - sogar sein altes Beichtstuhlschild mit „Vikar Kuhne“ aus der Zeit in Brilon. Dazu tausende nach Themen sortierte Bücher, einige davon selbst geschrieben: „Dieses Haus ist ein Museum, ich könnte zu jedem Teil eine Geschichte erzählen“, lacht Monsignore Dr. Kuhne.

Krieg und Gefangenschaft

Gebürtig aus Lünen kommend, hat er während seiner Zeit als Vikar in Brilon die Liebe zum Sauerland entdeckt. Die Kirche hat ihn schon von kleinauf in seinen Bann gezogen. Erst durch seine Oma und den Heimatpfarrer in Lünen, der ihn neben der Theologie auch mit einem immensen Wissen über Geschichte und Literatur begeisterte. Dann in der französischen Kriegsgefangenschaft, als er sah, wie viele seiner Mitgefangen an den elendigsten Lagerbedingungen zerbrachen. „Wir hatten nichts mehr, keine Familie, keine Freunde. Nur Hunger, Durst und die Ungewissheit, ob wir überleben und was wir dann zuhause vorfinden würden. Ohne meinen festen Glauben hätte ich es nicht geschafft.“

Nach der Gefangenschaft bestand er nach nur einem halben Jahr das Abitur in Dortmund, studierte und wurde 1952 zum Priester geweiht. Auf den schon sicheren Platz im begehrten Collegium Germanicum in Rom verzichtete er: „Ich wollte mich durch die Erfahrungen in Krieg und Gefangenschaft nicht mehr so lange von meiner Familie trennen.“

Stattdessen ging er für acht Jahre nach Brilon und prägte dort die Jugendarbeit bis heute. Er gründete z.B. die Landjugend und rief mit ihr den legendären Tennenball ins Leben. Eine wirkliche Glaubenskrise hatte er nur mit 14 Jahren: „Da wurde mir am Paderborner Dom die Luftpumpe vom Rad geklaut. Das so etwas direkt am Dom passiert, konnte ich nicht fassen!“

Nach einer zweijährigen Zwischenstation in Bestwig-Heringhausen leitete er von 1962 bis 1992 als Rektor die Landesvolkshochschule in Hardehausen und setzte sich dort mit aller Energie für die Erwachsenenbildung der ländlichen Bevölkerung ein.

Keine Zeit für Ruhestand

Einige kurze Momente haben ihn lebenslang berührt. 1932, als er noch nicht einmal sechs Jahre alt war, rief ihn sein Vater, ein erklärter Nazi-Gegner, zu sich und erklärte, was Deutschland mit dem Dritten Reich blühen würde und dass er ab jetzt gegenüber anderen Menschen über die zuhause gesagten Dinge schweigen müsse. Oder als er im März 1945 im Blut seiner beiden toten Soldatenkameraden lag: „Diese Erinnerung lässt mich bis heute nicht los. Sie ist immer bei mir, in jeder Messe denke ich an meine Kameraden.“Unvergesslich ist ihm auch die Nacht, die er in Südafrika mit farbigen Priestern durchgetanzt hat, als noch die strikte Rassentrennung galt: „Unser gemeinsamer Glaube hat alle Grenzen überbrückt. Das war wunderbar.“

Seit 1992 bis heute ist er der Grönebacher „Dorfpastor“, wie er sich selber nennt. Jeden Mittwoch und Sonntag Gottesdienste, Studien- und Messdienerfahrten, in der Winterzeit das „Herz-Jesu-Frühstück“ mit Vorträgen zur Heimatgeschichte. Für den Ruhestand hat er schlichtweg keine Zeit.

Was wünscht sich Monsignore Dr. Wilhelm Kuhne selber zum Geburtstag: „Gesundheit, sonst nichts. Manchmal denke ich, der Herrgott hat mir so ein reiches und erfülltes Leben geschenkt, es ist genug. Aber es macht mir jeden Tag wieder Freude, zu leben und neue Dinge und Menschen kennenzulernen.“

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