Ein Fünkchen Leben glimmt noch in dem Baum

Die 1000-jährige Eiche in Brunskappel wurde gekürzt.
Die 1000-jährige Eiche in Brunskappel wurde gekürzt.
Foto: WP
Brunskappel hat eines seiner Wahrzeichen verloren – aber noch nicht ganz. Die 1000-jährige Eiche ist aus Sicherheitsgründen auf wenige Meter zurückgeschnitten worden. 20 bis 50 Jahre wird sie als Restbaum sogar noch weiter leben

Brunskappel..  „Über die Jahre wird der Stamm in sich zusammenfallen und kann stückweise abgetragen werden“, sagt Thomas Schirp. Er und sein Team haben in Brunskappel ganze Arbeit geleistet. Als die Baumfachleute zum ersten Mal die Motorsäge angesetzt haben, ist das der Anfang vom Ende. Die Straße ist vorher gesperrt worden, Kran und Hubwagen stehen bereit, um den betagten Baum Stück für Stück, Ast für Ast zu kürzen – bis auf einen Reststamm von sieben Metern Höhe.

Risiko war zu groß

Mit endgültiger Konsequenz arbeitet sich die Kettensäge durch das Holz. Doch die radikale Maßnahme muss sein. Die Eiche ist in schlechtem Zustand. Ein aggressiver Pilz, der Hallimasch, tötet sie nach und nach ab. Er ernährt sich von totem Holz und kappt die Nährstoffzufuhr in die Baumkrone. Letztlich wurde der Eiche ihr Standort zum Verhängnis. Zwischen einem Wohnhaus und der viel befahrenen Negertalstraße ist er eine Gefahr für die Bewohner des Hauses und den öffentlichen Verkehr. Äste könnten abbrechen und herunterfallen. Früher oder später würde der vom Hallimasch angegriffene Stamm dem Gewicht des Baumes nicht mehr standhalten – ein zu großes Risiko.

Routiniert gehen Baumpfleger Thomas Schirp und seine Kollegen vor. Für die Eigentümer des Baumes kein schöner Anblick: „Für uns ist die Eiche so etwas wie eine Beschützerin“, sagt Elke Polzer. „Sie schirmt unser Haus gegen die Straße ab, spendet Schatten und unsere Kinder spielen gern rund um ihren mächtigen Stamm.“ Wenn der Kran die dicken Äste auf dem Boden ablegt, wird ein wenig der Geschichte des Baumes sichtbar. Im Holz sind an verschiedenen Stellen kleinste Metallstücke zu erkennen. „Granatensplitter aus dem Zweiten Weltkrieg“, sagt Thomas Schirp. Im Laufe der Jahre bildete die Eiche um sie herum neues Holz.

Vor acht Jahren hatte der in Brunskappel lebende Alfons Schmidt, Sachverständiger für die Verkehrssicherheit von Bäumen, einen Versuch unternommen, das Leben des Baumriesen zu verlängern. Er impfte die Eiche mit Pilzsporen. Dazu schlug er an 40 Stellen rund um den Stamm Kerben in den Boden, streute die Pilzsporen ein und schloss die Löcher wieder. Die Sporen, Mykorrhiza genannt, sollten einen Filzmantel um die feinen Wurzeln der Eiche bilden und ihr helfen, Wasser besser aufnehmen und somit Trockenphasen besser überstehen zu können.

Diese Methode ist relativ neu: Mitte der 90er-Jahre begannen Landschaftsökologen, Pilzsporen zu isolieren und damit die Wurzeln alter Bäume zu impfen – in vielen Fällen mit Erfolg.

Was auch Alfons Schmidt damals nicht ahnen konnte: Wahrscheinlich schon zwei Jahre vor der Impfung, im extrem trockenen Sommer 2003, hatte sich der aggressive Hallimasch eingenistet. Gegen ihn ist kein Kraut gewachsen.

Sechs Tonnen Gewicht

Die Baumfachleute um Thomas Schirp haben den letzten Schnitt des Tages gesetzt. Der Kran hebt ein drei Meter hohes Stück des sechs Meter im Umfang messenden Stammes hoch. Sechs Tonnen Gewicht zeigt die Waage im Steuerhaus des Kranwagens dafür an. Eine Stunde später ist das Holz auf einen Lkw verladen und wird abtransportiert. Von der am Morgen noch 18 Meter hohen Eiche bleibt ein sieben Meter hoher Reststamm zurück - eine Höhe, die mit Blick auf die Verkehrssicherheit vertretbar ist. Kleinere Äste, die bis zu dieser Höhe wachsen, blieben erhalten und werden hoffentlich auch in den kommenden Jahren Laub tragen. Der HSK wird die Eiche nun aus der Liste der Naturdenkmäler entlassen.

„Über die Jahre wird der Stamm in sich zusammenfallen und kann stückweise abgetragen werden“, sagt Thomas Schirp. Die Eigentümer sind mit der Lösung sehr zufrieden. „So bleibt uns die Eiche als Schattenspender, Spielgefährte und Schutz zur Straße erst einmal erhalten.“ Auch aus ökologischer Sicht ist die Vorgehensweise sinnvoll: Alte Eichen sind seltene und wertvolle Lebensräume für Tiere wie Fliegen, Falter, Spechte oder Baumläufer.

 
 

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