Ehedrama bei Brilon – Tatverdächtiger (39) sitzt in U-Haft

Boris Schopper, Jennifer Wirth
Der Tatort: ein Mehrfamilienhaus im Dorf Rösenbeck bei Brilon. Die Wohnung des Opfers liegt im dritten Stockwerk. Der mutmaßliche Täter flüchtete über den Balkon.
Der Tatort: ein Mehrfamilienhaus im Dorf Rösenbeck bei Brilon. Die Wohnung des Opfers liegt im dritten Stockwerk. Der mutmaßliche Täter flüchtete über den Balkon.
Foto: Boris Schopper
Ehedrama in Rösenbeck bei Brilon: Ein 39-Jähriger soll seine Ehefrau (49) mit Hammerschlägen auf den Kopf lebensgefährlich verletzt haben. Der Mann sitzt in U-Haft.

Rösenbeck. Ein Ehedrama hat in Rösenbeck ein tragisches Ende genommen: Ein Mann (39) soll nach einem Streit mit einem Hammer auf den Kopf seiner Ehefrau (49) eingeschlagen haben. Der Mann wurde festgenommen und auf Antrag der Staatsanwaltschaft von einem Haftrichter in U-Haft geschickt worden. Der Haftbefehl lautet auf versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung.

49-jährige Ehefrau mit Schädelfraktur im Krankenhaus

Der Tatverdächtige soll die Altenpflegerin am Dienstagnachmittag so schwer verletzt haben, dass sie mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen werden musste. Die Ehefrau hat eine Schädelfraktur erlitten. Ihr gesundheitlicher Zustand ist immer noch kritisch. „Sie ist lebensgefährlich verletzt“, erklärt Staatsanwalt Klaus Neulken zwei Tage nach der Tat.

„So etwas Furchtbares muss man nicht noch ‘mal erleben“, sagt eine Nachbarin am Tag danach im Treppenhaus des Mehrfamilienhauses. Ihre Wohnung liegt eine Etage unter dem Tatort. Ihr Mann hatte am Dienstag gegen 17 Uhr verzweifelte Hilferufe gehört und die Polizei alarmiert. „Dass so etwas Schreckliches hier in Rösenbeck passiert – und dann auch noch hier im Haus“, sagt die Frau und schüttelt den Kopf. Spuren der Tat sind auf den Treppen noch sichtbar.

Beamte nehmen den Ehemann kurz nach der Tat unweit des Hauses fest. „Die Tür stand offen. Die Polizisten haben die Wohnung betreten und gesehen, dass die Frau am Boden lag“, sagt Staatsanwalt Klaus Neulken. Das 49-jährige Opfer hat eine Schädelfraktur erlitten und viel Blut verloren.

Tatverdächtiger flüchtet über Balkon

Als die Polizisten die Wohnung betreten ist der mutmaßliche Täter vor Ort. Sie sehen, wie ein Schatten um die Ecke huscht. „Der Verdächtige hat sich über den Balkon abgesetzt“, berichtet Neulken. Ein waghalsiges Manöver. Die Wohnung liegt im dritten Stockwerk. „Es sind 10 bis 12 Meter bis zum Boden“, schätzt die Nachbarin.

Der 39-Jährige hangelt sich vermutlich übers Geländer nach unten. Die Brüstung bricht aus der Verankerung. Ein Teil des Holzgeländers hängt noch am Mittwoch in Schräglage. Die Flucht über einen Feldweg endet nach wenigen Metern. Er läuft Polizisten, die zur Verstärkung angerückt sind, direkt in die Arme.

Die Beamten in der Wohnung sehen, dass das Opfer in Lebensgefahr schwebt. Die Verletzungen sind drastisch. Sie rufen den Notarzt, ordern den Rettungshubschrauber. „Links und rechts der Wiese hat sich eine Traube mit Menschen gebildet“, erzählt die Nachbarin. Das Dorf steht unter Schock. Die Frau wird in eine Spezialklinik geflogen, wo sie operiert wird. „Ob sie das überleben wird, ist nicht absehbar“, berichtet Neulken. In der Nacht rücken Mordkommission und Spurensicherung an. Zeugen werden vernommen.

Das Ehepaar lebt in Rösenbeck seit Januar getrennt 

Die Eheleute leben seit zwei Jahren in Rösenbeck. Es ist nicht das erste Mal, dass die Polizei wegen eines Konfliktes in das gutbürgerliche Mehrfamilienhaus unweit der Vogelstange ausrückt. „Das Ehepaar lebt seit Januar getrennt. Es gab einen Streit, bei dem Gewalt im Spiel war“, sagt Neulken. Auch damals hatten die Nachbarn ein Stockwerk tiefer die Polizei gerufen. „Wir hörten das Zanken und lautes Rumpeln, als ob jemand mit Möbeln werfen würde.“ Die Polizisten verweisen den Ehemann aus der Wohnung und sprechen ein Rückkehrverbot für zehn Tage aus.

Spuren von Streit im Januar an Wohnungstür

„Trotz der Trennung war er immer wieder ‘mal da“, sagt die Nachbarin – unerwünscht, wie sie meint. Die Altenpflegerin habe ihn mehrfach abgewimmelt, sich unter Tränen ihrer Nachbarin anvertraut. „Wieso sie ihn jetzt rein gelassen hat, weiß ich nicht.“ Bei der Auseinandersetzung im Januar hatte auch die Wohnungstür Schaden genommen. Ein Loch oberhalb der Türklinke, wo das Siegel der Mordkommission Dortmund klebt, zeugt von einem Gewaltausbruch.

Den mutmaßlichen Täter, der sich laut Staatsanwaltschaft bislang nicht geäußert hat, beschreibt die Nachbarin als freundlichen Mann. „Ein eher kleinerer und schmächtiger Typ.“ Man habe sich im Treppenhaus und auf der Straße stets gegrüßt. „Ich hätte mir nie vorstellen können, dass er so etwas tut. Dass hier so etwas passiert. Hier in unserem kleinen Dorf.“

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