E-Auto regt Bürger in Referinghausen zum Umdenken an

Autotesterin Ulrike Becker mit ihrem  Sohn Aaron im Referinghäuser Dorfauto, das mit Strom angetrieben wird..Foto:Claudia Pape
Autotesterin Ulrike Becker mit ihrem Sohn Aaron im Referinghäuser Dorfauto, das mit Strom angetrieben wird..Foto:Claudia Pape
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  • Referinghäuser testen ihr Dorfauto auf Herz und Nieren
  • Absolute Laufruhe und gute Beschleunigung
  • Nachteil: Zu geringe Reichweite

Referinghausen..  Leise, ökologisch, sehr günstig im Verbrauch. Schnell kann man von einem Elektro-Auto begeistert sein, doch hält diese Freude auch dem Alltag stand? Das wollen derzeit die Einwohner von Referinghausen wissen. Noch bis zum 16. Oktober testen sie als Dorfauto einen Nissan e-NV 200 mit 109 PS.

Generell ist man sich in Referinghausen einig: Die Aktion mit dem E-Auto ist eine tolle Sache und regt zum Umdenken an. Bereits seit 2015 sensibilisiert sich der Ort in der Projektstudie „Dorf ist Energie(klug)“ mit vielen verschiedenen Aktionen, die sehr gut angenommen werden. So bekommt auch das E-Auto zurzeit nicht einen Tag Pause, sondern wird täglich von ein oder mehreren Testfahrern auf Herz und Nieren geprüft. Und dabei werden sowohl Vor- als auch Nachteile entdeckt.

Die Vorteile, so die meisten Tester, liegen unüberseh- bzw. -hörbar in der absoluten Laufruhe. Man hört lediglich die Reifengeräusche auf dem Asphalt. Einen weiteren Pluspunkt gibt es für den günstigen Verbrauch (ca. 5 - 7 Euro/100 km). Wer eine eigene Photovoltaikanlage hat, kann sogar umsonst aufladen. Auch die niedrigere Steuerlast und geringere Versicherungsbeiträge sprechen für sich. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert ein E-Auto sogar mit bis zu 2000 Euro.

Gute Beschleunigung

Überraschen kann das Auto auch mit seiner Beschleunigung (in 14 sec auf 100 km/h) und Kraft. Außerdem überzeugt der Stromer mit 0g/km CO 2-Ausstoß und Null Emissionen. Dazu kommt, dass (noch?) vielerorts kostenfrei geparkt werden darf.

Aber auch die Nachteile dürfen nicht verschwiegen werden. Die häufigst genannten Punkte unserer Tester sind die geringe Reichweite von ca 140 km und die geringe Maximalgeschwindigkeit (beim Nissan e-NV ca. 125 km/h). Die teuren Anschaffungskosten im Vergleich zu einem herkömmlichen Auto schrecken ebenfalls ab. Man sollte bedenken, dass auch die Anschaffung einer Schnell-Ladebox für Zu-hause mit einberechnet werden sollte, womit man gleich bei einem weiteren Minuspunkt ist: Die enorm lange Ladezeit von 6 - 8 Stunden. Wer hat schon so lange Zeit zu „tanken“? Deshalb ist eine eigene Schnell-Ladebox, bei der das Aufladen ca 30 - 40 Minuten dauert, um 80% Ladekapazität zu erreichen, sinnvoll. Auch steckt die Infrastruktur der öffentlichen Lademöglichkeiten gerade hier auf dem Land noch in den Kinderschuhen. Die Größe der Batterie geht zu Lasten der Ladekapazität des Kofferraumes. Es passt einfach nicht so viel in das Auto rein.

Eher Pendlerauto

Zusammenfassend kann nach dem Test wohl gesagt werden, dass ein Elektro-Auto sicherlich seine Vorteile hat, aber aufgrund einiger Nachteile, wie langen Ladezeiten und geringer Reichweite, eher als Pendlerauto oder Zweitwagen zu empfehlen ist.

Außerdem muss auch bedacht werden, dass die Batterieherstellung für ein E-Auto Unmengen an CO 2 verursacht und auch der Strom ja irgendwo herkommen muss. Denn auch die Stromerzeugung ist nicht ganz unumstritten, wenn man an die vielen Diskussionen über Atom- und Kohlekraftwerke auf der einen Seite und die Windenergie auf der anderen Seite denkt.

Für alle Fahrer aus Referinghausen war es eine tolle Erfahrung, ein Elektro-Auto mal für einen ganzen Tag in Ruhe zu testen.

Im Rahmen der Projektstudie „Dorf ist Energie(klug)“ der Südwestfalen-Agentur, die seit 2015 in Referinghausen durchgeführt wird, sind schon einige Aktionen wie der Besuch des Klimaparks Rietberg, ein Energiemarkt, Infoabende sowie ein Thermo-Spa(r)ziergang mit Wärmebildkamera durchgeführt worden. Im öffentlichen Bücherregal an „Milchstation 7 auf Greten Hof“ kann Fachliteratur zum Thema Energie und Klima ausgeliehen werden.

 
 

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