Durch die Paradiestür ins Farbenmeer

Jürgen Suberg hat die neue Kapelle im Engelbertheim künstlerisch gestaltet.
Jürgen Suberg hat die neue Kapelle im Engelbertheim künstlerisch gestaltet.
Foto: WP
Das Engelbertheim in Brilon hat eine neue Kapelle bekommen. Künstlerisch hat sie Jürgen Suberg aus Elleringhausen gestaltet.

Brilon.. Wer baut heutzutage noch eine Kirche neu? Aus Kostengründen wird vielerorts der Schlüssel final umgedreht. Geschlossen. Im Seniorenzentrum St. Engelbert wird heute eine neue Kapelle eingeweiht. Offen für alle. Im Rahmen des großen Um- und Neubaus der Einrichtung wurde die alte Kapelle abgerissen.

Aber es war von vornherein klar: „Wir möchten etwas Neues errichten: für die Heimbewohner, aber auch für die Bürger“, sagt Caritas-Geschäftsführer Hans-Georg Eirund. Entstanden ist ein nahezu wohnlich anmutender Ort für ein Zwiegespräch mit Gott, der Bewährtes und Innovatives intelligent und kunstvoll miteinander verbindet.

Inhaltliche Bögen geschlagen

Die Gänge im Seniorenzentrum St. Engelbert sind so, wie Gänge in einem Altenheim sind. Schlicht, einfarbig bis eintönig. Doch durchschreitet man die beiden sandgestrahlten, buntbemalten Glasflügeltüren, gelangt man quasi durch das Tor zum Paradies in die Kapelle. Adam, Eva und die listige Schlange empfangen den Besucher und lassen seinen Blick in ein Meer aus Ocker und Pastell schweifen. Allein schon farblich strahlt der Innenraum so viel Wärme aus, dass er eigentlich ohne Heizung auskommen müsste.

Jürgen Suberg aus Elleringhausen hat die Kapelle künstlerisch gestaltet und sehr viele Bögen geschlagen. Nichts ist dem Zufall überlassen, optisch und inhaltlich ist das Kirchlein ein Ganzes, bei dem jedes Detail Bezüge zum nächsten hat. Quer durch den Raum schlängeln sich diese Relationen – manchmal thematisch sichtbar, manchmal durch Mosaikbänder aus Naturstein am Boden miteinander verknüpft.

Alt und Neu zusammenführen

Altes und Neues zusammenführen – das war die oberste Prämisse für den Künstler, der ansonsten „an der langen Leine“ arbeiten durfte, wie er selbst sagt. „Es gibt ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen mir und dem Auftraggeber. Das schafft Raum für Kreativität“, so Suberg. Die Symbolik für Wein und Brot aus den alten Bleiglasfenstern findet sich auch in den Baumwipfeln der neuen Sündenfall-Szene wieder. Der Paradiesbaum aus dem Eingang wiederum korrespondiert mit dem Kruzifix über dem alten und schlichten Tisch-Altar. Der über 130 Jahre alte Christus-Corpus hängt an einem neuen Baum der Knospen trägt. Aufkeimendes Leben als Bild der Auferstehung.

Das Herzstück ist der ungemein farbstarke Altarraum, der die vier Elemente Feuer, Wasser, Licht und Luft in Tönen von katakombenbraun bis stahlblau aus Blattgold- und Perlmuttschichten erstrahlen lässt. Flankiert wird er von Glasfenstern, die den Hl. Nikolaus und die Hl. Gisela zeigen – gestiftet vom verstorbenen Stadtheimatpfleger Nickolay und seiner Frau. Dem alten, eher zweckmäßig-tresorhaften Tabernakel hat Suberg ein Bild vom Himmlischen Jerusalem vorgeblendet – wiederum mit Mosaiksteinen, wie sie auch im Boden verlaufen.

Einrichtungsleiterin Annette Tham und Caritasratvorsitzender Heinz Hillebrand freuen sich besonders über den neuen Abschiedsraum für Verstorbene. Er ist in einem Seitenflügel der Kapelle integriert. Auch hier besteht eine mosaiksteinige Verknüpfung vom Raum der Trauer zum Tor ins Paradies...

 
 

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