Dirk Mündelein: Taktvoller Saitenspringer und Kampfsportler

Dirk Mündelein, Komponist und Gitarrist aus Brilon
Dirk Mündelein, Komponist und Gitarrist aus Brilon
Foto: WP

Brilon..  Eigentlich wurde Dirk Mündelein zwangsverpflichtet. Und dafür ist er Friedel Köster aus Olsberg sogar auf ewig dankbar.

Als das Gymnasium Petrinum damals einen Perkussionisten für die Big-Band sucht, setzt Band-Leader Köster den jungen Antfelder hinter die Bongotrommel. Dort und zum Beispiel im Musikverein Madfeld macht er eine gute Figur. Aber neben den Trommelstöcken zieht es den jungen Musiker immer mehr zu den Saiten. Heute ist Dirk Mündelein einer der markantesten deutschen Jazzgitarristen, der jetzt seine Debut-CD „Lost words: Obsolete“ eingespielt hat.

„Die Hauptsache ist, dass man viel und mit möglichst vielen unterschiedlichen Leuten Musik macht“, sagt der heute 43-Jährige. Das hat er getan. Anfangs im Dunstkreis der Friedel-Köster-Talentschmiede mit heimischen Leuten wie Matthias Rudolf, Franz-Josef Kupitz, Ulli Lettermann, Winfried Zelinka oder Frederik Köster. Später z.B. mit der Band „Triosphere“, mit der er 2004 den Preis der Deutschen Schallplattenkritik erhält.

Mit 18 Jahren geht Dirk Mündelein als Zivi nach Essen. „Mit Köln zusammen damals eine der besten Jazz-Szenen, wo ich viele Musiker kennengelernt habe.“ In der Domstadt schafft er wenig später die Aufnahmeprüfung für den Studiengang „Jazzgitarre“. 80 Bewerber, zwei Studienplätze. Mündelein wird genommen, macht seinen künstlerischen Abschluss und spielt, spielt, spielt. „Es waren bestimmt 50 verschiedene Bands und manchmal kam ich auf 90 Auftritte im Jahr.“

Spielen, spielen, spielen

Neben der Bühnenarbeit hat Dirk Mündelein aber auch als Hochschuldozent gearbeitet und sich ein zweites Standbein aufgebaut: die Kampfkunst. Schon als 15-Jähriger geht er beim Kodokan Olsberg auf die Matte. Später führt ihn die Leidenschaft für Karate, Qigong oder Tai Chi nach China, wo er bei diversen Großmeistern nach vielen Lehrjahren die höheren Weihen empfängt. In Brilon betreibt er eine Kampfsport-Schule. Das ist sein zweites Leben, eine Sicherheit, die es ihm ermöglicht, seine Musik in Ruhe zu machen.


„Kampfsport ist die Suche nach einem Ideal. Da geht es nur darum, einen Punkt der Gelassenheit zu finden. Mit Musik ist das ganz anders. Mit ihr drücke ich das aus, was in mir vorhanden ist. Das hat viel mit Emotionalität zu tun. Kampfsport dagegen gar nicht.“

Die Kunst der Saiten-Bearbeitung und die Kunst des Kämpfens haben für den 43-Jährigen trotzdem etwas gemeinsam. Er macht beide Disziplinen intensiv und möglichst perfekt. Irgendwann kommt bei jedem Musiker der Punkt, wo er aus vertrauten Harmoniewelten ausbricht und experimentiert. „Das ist ein forschender Ansatz. Wir haben zum Beispiel Stockhausen gespielt und für manche Stücke ein halbes Jahr geprobt. Das ist natürlich keine Musik, die man nebenbei hört. Man muss den Künstler dabei sehen und beobachten, sich auf die Klänge einlassen“, sagt Mündelein.

Auch seine Debut-CD ist keine Musik, die man mal eben so beim Autofahren hört. Sie ist ruhig,


meditativ, aber auch experimentell und basiert zum Teil auf uralten Melodien. Deren Harmonien verlässt der Künstler aber, um sie in anderen Sphären neu zu interpretieren. „Ein zutiefst poetisches Album jenseits der üblichen Hörgewohnheiten“, schreibt Beate Sapson von BR Klassik, wo es neulich einen längeren Beitrag über den Gitarristen gab. Schon häufiger war Mündelein als Studiomusiker zu Gast bei diversen Projekten in den Studios des Bayrischen Rundfunks. Von dort kam auch der Anstoß, ob er nicht eine eigene CD machen wolle. „Ich bin ein schlechter Manager. Insofern war ich froh, dass man mich angesprochen hat.“ Vier Monate Vorlaufzeit brauchte er, vieles war bereits vorher im Kopf. Mündelein spielt auf seiner CD übrigens ausschließlich E-Gitarre. „Das ist mein Ding, sie klingt länger und man braucht für den Sound sehr viel Feinabstimmung. Ich mag das.“ Die Verständigung mit dem Instrument ist für den Musiker wie die Verfeinerung der eigenen Sprache. „Man nimmt viele Dinge auf, verarbeitet sie und nimmt sie in seinen Sprachgebrauch oder eben Spielstil auf.“

Bilder von Theo Sprenger

Das Cover der neuen CD, die beim „Label 11“ erschienen ist, besteht übrigens aus Bildern des viel zu früh verstorbenen Madfelder Künstlers Theo Sprenger. „Mit ihm habe ich mich früher oft unterhalten, ich mag seine Bilder und bin froh, dass wir daraus das Cover gestalten konnten.“

 
 

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