Die Gürtelschnalle mit der Sauerland-Skyline

Rita Maurer
Kristin Womelsdorf hat sich von Kai Knecht einen Gürtel mit einem Fachwerkhaus auf der Schließe anfertigen lassen.
Kristin Womelsdorf hat sich von Kai Knecht einen Gürtel mit einem Fachwerkhaus auf der Schließe anfertigen lassen.
Foto: Rita Maurer
Kai Knecht fertigt in Hallenberg individuelle Accessoires aus Holz und Rindsleder. Aus der Not heraus hat er sein puristisches Konzept weiterentwickelt und vertreibt seine Gürtelschnallen in der ganzen Welt.

Hallenberg.  Ärgerlich: Die Metallschnalle des Lieblingsgürtels ist kaputt, der Dorn abgebrochen. Für die meisten ein Grund, sich von dem guten Stück zu verabschieden. Nicht für Kai Knecht aus Hallenberg. Als sich seine Gürtelschnalle weder kleben noch zusammenschweißen ließ, sägte sich der Tischlermeister kurzerhand aus einem Stück Eichenholz eine neue mit einem rundgehämmerten Nagel als Dorn zurecht, um den Lederriemen nicht wegwerfen zu müssen.

Damit war für den 30-Jährigen die Sache erledigt. Aber nicht für viele Bekannte oder Arbeitskollegen, die ihn jetzt auf seinen originellen Gürtel mit der markanten Holz-Schließe ansprachen. So entstand die Idee, dieses Provisorium weiter zu entwickeln.

In Niestetal fand Kai Knecht einen Furnierhersteller, der ihm nun das passende Holz liefert. Im Internet stieß er nach langem Suchen auf eine Gerberei in Bayern, die Rindsleder von bayrischen Kühen ohne Chrom gerbt: „Mir ist der ökologische Gedanke von heimischen Materialen aus artgerechter Haltung wichtig. Deshalb lasse ich jetzt die noch vorhandenen Tropenholzarten wie Wenge oder Ebenholz auslaufen und biete nur noch Hölzer an, die in Europa wachsen.“ Das sind dann neben Walnuss, Olive oder Eiche zum Beispiel Zwetschge, die einen rötlichen Ton hat, oder Mooreiche, die fast schwarz schimmert.

Weltweite Bestellungen

Aus dem viereckigen Holzstück vom ersten Gürtel sind inzwischen verschiedene Formen geworden, auch ovale oder ganz schmale Schnallen für Damen oder Kinder sind möglich, ebenso eine zusätzliche Metall-Öse, um den Lederriemen selber zu wechseln. Und alle tragen einen winzigen eingelaserten Fingerabdruck als Markenzeichen: das Logo von Kai Knecht: „Der Fingerabdruck steht für handgemacht und einzigartig. So wie auch jeder Gürtel ein Unikat ist.“ Eben echt made im Sauerland. Auch die Idee mit dem Einlasern ist weiterentwickelt worden: „Wenn man einen solch kleinen Fingerabdruck so detailliert einlasern kann, muss das doch auch mit anderen Motiven funktionieren“, sagte sich Kai Knecht. Im hessischen Frankenberg fand er einen Laden, der Pokale graviert. Gemeinsam haben sie einen Weg ausgetüftelt, auch Motive detailgetreu auf die Holzoberfläche zu lasern. Dabei ist fast jedes Foto umzusetzen – ob Sauerland-Kulisse, die Skyline einer Stadt, oder ein Fachwerkhaus. Sogar zwei Hunde sind so schon auf einer Schnalle verewigt worden.

Beim Werdegang seines persönlichen Gürtels darf der zukünftige Besitzer auf Wunsch vom ersten bis zum finalen Schritt zusehen. In seiner Werkstatt schneidet Kai Knecht von großen Lederstücken in sechs verschiedenen Farben einen Riemen in der gewünschten Farbe, Länge und Breite ab. Auch die Löcher stanzt er passend mit der Hand aus. Das Riemenende befestigt er ohne Leim in der Schnalle – sein Betriebsgeheimnis, an dem er lange getüftelt hat.

Das puristische Konzept kommt an, das Internet macht es möglich: Mittlerweile haben Gürtel von Kai Knecht den Weg von Hallenberg nach New York oder Neuseeland gefunden. Auch hölzerne Ringe, Armbänder oder Kettenanhänger aus eigener Fertigung bietet Kai Knecht dort an.

An der Wand in seiner Küche hängen grobe Bretter nebeneinander, auf denen mit vier Lederstreifen eine Weltkarte befestigt ist. Darunter eine Kommode, die aussieht, als sei sie aus Paletten, aber aus viel haltbarer Eiche gebaut ist. Über dem Tisch hängt ein verwitterter Holzbalken mit kleinen LED-Spots als Lampe. Alles selbst entworfen und gebaut. Kai Knechts Kreativität beschränkt sich nicht nur auf Gürtel. Hoffentlich geht ihm bald einmal wieder etwas kaputt!