Deutsche Discgolf-Meisterschaft startet in Olsberg

Kursdesigner Franz Schröer beim Discgolf in Olsberg-Bruchhausen.
Kursdesigner Franz Schröer beim Discgolf in Olsberg-Bruchhausen.
Foto: Sebastian Hahn
  • Rund 100 Discgolfer zur deutschen Meisterschaft am Skihang Sternrodt erwartet
  • Kursdesigner baut den schwierigsten 21-Löcher Parcours Deutschlands
  • Höchste Bahn mit perfektem Ausblick auf die Bruchhauser Steine

Bruchhausen. Franz Schröer schnauft ganz schön, als er von der oberen Skilift-Station am Sternrodt auf die Bruchhauser Steine blickt. Normalerweise lassen sich Skifahrer mit dem Lift entspannt nach oben tragen, in den kommenden fünf Tagen wird der steile Hang aber zu Fuß bestiegen. Denn in Olsberg-Bruchhausen findet ab heute die deutsche Discgolf-Meisterschaft statt. Franz Schröer, der den aus 21 Löchern bestehenden Kurs in den letzten Tagen gesteckt hat, ist den Hang bereits etliche Male hochgestiefelt. „Ich kenne mittlerweile den kürzesten Weg nach oben“, sagt der gebürtige Münsteraner und schmunzelt.

Der anspruchvollste Kurs in Deutschland

Fast 300 Höhenmeter liegen zwischen dem Abwurf an Loch 1 und dem Korb an Loch 13. „Körperlich und auch von den Höhenmetern her ist das der anspruchsvollste Kurs, den es in Deutschland gibt“, erklärt Schröer. Während einige Bahnen offen im Hang liegen, verstecken sich etwa die Löcher 7 und 11 komplett zwischen den hohen Tannen. Schröer hat die Gegebenheiten am Sternrodt bewusst in die Planung miteinbezogen: „Ich versuche immer, viel mit dem Gelände zu spielen. Die Bedingungen hier sind optimal, außer einem fehlenden Wasser-Hindernis haben wir alles, was wir uns wünschen können.“

Das Highlight ist dabei die Bahn 14: Der Abwurf liegt an der oberen Skilift-Station mit direktem Blick auf die Bruchhauser Steine. Mit 183 Metern, die bis zum Korb mit der Scheibe zu überwinden sind, ist sie zudem die längste Bahn des Kurses. „So eine Bahn ist einzigartig, aber eben auch bockschwer. Die Spieler neigen dazu, die Scheibe zu weit zu schleudern und die Entfernung durch die Bodenwelle in der Mitte der Bahn falsch einzuschätzen“, sagt Schröer.

Die Generalprobe hat die Bahn im Rahmen der Westdeutschen Meisterschaften am vergangenen Wochenende schon bestanden, dort wurden allerdings laut Reglement nur 18 Löcher gespielt. „Wir haben hier aber auch schon mal im Rahmen der Westfalentour auf 12 Löcher gespielt, kleine Dinge fallen aber nun mal immer nur im Spielbetrieb auf“, erklärt Schröer. Das Loch 20, mit ursprünglich 260 Metern eine der längsten Bahnen in Deutschland, wurde so um rund 100 Meter gekürzt, weil das Spiel auf zu vielen anderen Löchern dadurch beeinträchtigt gewesen wären. „Wir starten ja im Viertelstundentakt in kleinen Gruppen, sogenannten Flights. Wenn es sich staut, löst sich das in der Regel auch nicht mehr auf“, sagt Schröer.

Weltrekordhalter kann nicht an den Start gehen

Rund 100 Spieler gehen ab 8.45 Uhr am Donnerstag auf den Kurs, der bis Sonntag einmal am Tag absolviert werden muss, die besten Spieler schaffen es ins Finale am Montag. Nicht mit am Start ist Deutschlands „Discgolf-Wunderkind“ und Titelverteidiger Simone Lizotte, der 2014 in der Wüste von Nevada mit 275 Metern den Weiten-Weltrekord aufstellte. Er laboriert an einer Kreuzbandverletzung. „Er wäre der klare Favorit gewesen, so haben wir jetzt ein offenes Feld mit einer breiten Spitze. Das macht die Sache enorm spannend“, sagt Schröer.

Würfe über 200 Meter sind alleine aufgrund der Höhenunterschiede von bis zu 17 Metern zwischen Abwurf und Korb nicht zu erwarten: Gute Spieler schaffen Weiten von bis zu 130 Metern, die meistens zwischen 130 und 170 Gramm schweren Scheiben erreichen dennoch Geschwindigkeiten jenseits der 100 Stundenkilometer. „Solche Weltrekord-Weiten kommen nur auf ebenen Flächen mit viel Wind zustande. Bei den Turnieren geht es ja eher um Präzision und ein Gespür für die einzelnen Bahnen“, sagt Schröer.

Bald fester Standort am Sternrodt?

Noch sind die Fangkörbe für die Scheiben nur temporär mit schweren Steinen oder Ästen befestigt, eventuell können sich Interessierte über eine fest installierte Anlage freuen. „Skiliftbetreiber Christoph Guntermann überlegt noch, ob er hier für die Sommermonate eine feste Anlage installieren will“, erklärt Schröer. Am Sternrodt stünde dann die zweite feste Anlage im Sauerland, in Bad Fredeburg gibt es bereits einen Parcours. Der deutsche Discgolf-Verband bietet auf seinen normalen Turnieren auch Einsteigerwettbewerbe an, in denen sich Anfänger untereinander messen können. „Theoretisch kann sich also jeder einen Chipsdeckel nehmen und mitspielen“, sagt Schröer scherzhaft. Der Aufstieg wir dann aber zur Tortur.

Sebastian Hahn