Der Zustand höchster Zufriedenheit

Der Marienkäfer bereitet vielen Menschen Freude.
Der Marienkäfer bereitet vielen Menschen Freude.
Foto: dpa
Antje Klink ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und gibt Tipps zum glücklich werden

Brilon..  Ein sonniger Morgen, ein nettes Gespräch oder tolle Kollegen auf der Arbeit – was uns glücklich stimmt, ist mitunter sehr verschieden. Am morgigen internationalen Tag des Glücks soll man sich der Bedeutung des Strebens nach Glück und des Wohlbefindens bewusst werden. 2012 riefen die vereinten Nationen den Aktionstag ins Leben. Doch was ist eigentlich Glück? Und was kann man tun, um auch in düsteren Lebenssituationen Glück empfinden zu können?

Antje Klink ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und hat sich mit dem Thema auseinandergesetzt. Die 49-Jährige berät in ihrer Briloner Praxis Patienten in unterschiedlichen Lebenssituationen. Sie hat sich auf Logotherapie und Existenzanalyse spezialisiert.

Was ist Glück?

Glück ist für die Expertin etwas sehr individuelles und sehr persönliches. „Glück beschreibt ein inneres Gefühl und weckt Begeisterung“, sagt sie. Allerdings differenziert sie zwischen kurz anhaltenden Glücksgefühlen und tiefer Glückseligkeit. „Wenn jemand bei dem Spiel ,Mensch ärgere dich nicht’ eine Sechs gewürfelt hat und sagt ,Da habe ich aber Glück gehabt’, dann ist das nicht mit tiefem Glück vergleichbar“ sagt Klink. Zudem habe Glück auch mit dem jeweiligen Lebensabschnitt zu tun. „Junge Menschen, die sich ihr zukünftiges Leben vorstellen, spüren ein Glücksempfinden beim Gedanken an den ersten Job, eine Ausbildung oder die große Liebe“, sagt die Expertin. In späteren Phasen sorge die Familie meist für große Momente.

Was passiert im Körper?

„Er wird in einen Vorfreudezustand versetzt“, sagt Klink. Im Mittelhirn liegt das Belohnungszentrum, das aus einer Ansammlung von Neuronen besteht. Diese nehmen elektrische Signale auf und leiten sie weiter. Wenn uns etwas Tolles passiert, werden Glückshormone ausgestoßen, wie Dopamin. Es bewirkt, dass wir aufmerksamer werden. Auch Endorphine oder Oxytocin werden freigesetzt. „Dieser Hormon-Cocktail führt zu einem Zustand höchster Zufriedenheit.“

Wie wird man langfristig glücklich?

Die kleinen Momente seien entscheidend wie das Lachen im Alltag. „Humor hat etwas Ansteckendes. Gemeinsame Erlebnisse sind ebenfalls gut“, sagt Antje Klink. Vor allem das Teilen. Etwas weniger für sich selbst als für andere zu tun, sei auch ein Weg Glück zu empfinden – allerdings nur, wenn es zum Charakter passe. „Das macht glücklich, wenn es zur eigenen Haltung passt.“

Glücklich werden könne man, wenn man sich um eine positive Grundhaltung bemühe und einem inneren Bedürfnis nachgehe. Das wirke dann nachhaltig. „Das Gefühl, dass man mit seinem Tun etwas bewirkt, macht meist glücklich“, so Klink. Materielle Güter haben keinen nachhaltigen Einfluss auf Glück, sagt die Expertin. Soziale Beziehungen und Erlebnisse seien wichtiger.

Und wie kurzfristig?

„Man sollte sich bewusst machen: ‘Was ist schön in meinem Leben?’. Es hilft, sich Fotos von besonderen Momenten anzusehen“, sagt Antje Klink. Wer aufmerksam sei, habe eher die Möglichkeit Glück zu spüren. „Aber Glück ist eben sehr individuell. Oft hilft es, sich aufzuraffen und spazieren zu gehen. Oder ein nettes Wort. Oder die Dankbarkeit, etwas Tolles kaufen zu können.“

Was ist hinderlich?

„Die Leichtigkeit des Glücks geht verloren, wenn man es unbedingt anstrebt“, sagt die Expertin aus Brilon. So sei es absolut hinderlich, wenn man krampfhaft versuche, sein Glück zu steigern.

Was tun bei negativer Einstellung?

In ihren Beratungen bietet die Heilpraktikerin für Psychotherapie an, mit den Patienten positives Empfinden zu üben. „Man muss sich klar machen, dass eine negative genetische Einstellung nicht die gesamte Persönlichkeit ausmacht, sondern nur 50 Prozent“, so Klink. Wer bereit sei, etwas Neues zu probieren, habe gute Chancen glücklich zu werden.

„Manchmal hilft es, sich gezielt auf eine positive Neigung aus der Vergangenheit zu konzentrieren“, sagt die Expertin. Das habe auch mit der richtigen Kommunikation zu tun. „Bei einer schweren Depression kann ich nicht helfen.“

Was macht Sie glücklich?

„Zu sehen, dass meine Kinder glücklich sind“, sagt Antje Klink. Auch wenn sie Zeit finde, etwas für sich selbst zu tun oder sich mit einer Freundin zu treffen, dann sei sie glücklich. Die kleinen Dinge in ihrem Leben seien entscheidend. „Selten bin ich ganz gezielt durch eine Handlung glücklich – es passiert einfach“, sagt sie und lacht.

Ein sonniger Morgen und ein Spaziergang an der frischen Luft: Das bedeutet für die Heilpraktikerin Glück.

Glückssymbole

Glücksbringer von Beruf

Tobias Rentzsch ist Schornsteinfeger und erlebt allerlei Kurioses. „Ja, ich bringe Glück. Das ist eine Tradition und man wird tatsächlich auf der Straße angesprochen“, sagt er. So sei es schon öfter vorgekommen, dass Frauen zu ihm gekommen sein, um ihn auf die Wange zu küssen – weil das Glück bringen soll. „Zum Glück waren das bisher nur Frauen“, sagt Rentzsch lachend.

„Einige Personen haben sich auch schon an mir gerieben, weil ich Glück bringe“, sagt er. Tobias Rentzsch verschenkt gerne Glücks-Cents. „Ich weiß aber nicht, ob ich mir selbst Glück bringe. Ich habe zwar ab und an Glück, aber ob das an meinem Beruf liegt, kann ich nicht sagen.“

Vier magische Blätter

Es ist so eine Sache mit dem Glück. Meist passiert es einem, wenn man gar nicht damit rechnet. Ein liebes Wort vom besten Freund, spielende Kinder oder ein Strauß Blumen

vom Partner – jeder Mensch hat ein anderes Verständnis von Glück.

Doch kann man sein persönliches Glück auch kaufen und züchten? „Ja, das geht. Und zwar als Zwiebel. Sogar recht schnell und günstig“, sagt Friedrich Meckelburg, Inhaber des gleichnamigen Gartencenters in Brilon. Er bietet spezielle Zwiebeln an, aus denen der vierblättrigen Klee heranwächst. „Diese Kleesorte wird vorwiegend zu Silvester nachgefragt, aber wir bestellen die Zwiebeln auf Wunsch das ganze Jahr über“, sagt der Experte. Die Nachfrage habe jedoch nachgelassen.

Wenn der Nachname zum Charakter passt

Gabriela Fröhlich ist gut gelaunt. „Wenn alles um mich herum gut läuft und mein Umfeld gesund ist, dann bin ich fröhlich“, sagt Gabriela Fröhlich aus Brilon. Auch wenn sie es sich Zuhause hübsch gemacht hat oder frische Blumen eingekauft hat, ist die 64-Jährige glücklich. Sie wird oft wegen ihrem besonderen Nachnamen angesprochen. „Da kann ja nichts mehr passieren, wenn man so einen schönen Namen hat“, heißt es oft, erzählt die Frau.

Gabriela Fröhlich sagt, sie sei „im Grunde ein fröhlicher Mensch“. Sie lacht gerne und liebt Musik. „Mein Mann und ich sind zugezogen und kennen noch nicht viele Menschen in Brilon. Leider ist es schwierig, Leute kennenzulernen“, sagt die Rentnerin. Oft gehe sie deshalb auf den Markt und mische sich in Gespräche ein, um unter Leute zu kommen. „Ich wohne gerne hier“, sagt sie und ergänzt: „Ich habe oft hohe Erwartungen, die ich herunterschrauben muss. Jetzt kommt erst einmal der Frühling und alles beginnt zu blühen – das ist schon Glück für mich.“

Folgen Sie uns auch auf Facebook.

 
 

EURE FAVORITEN