Das Projekt Oversum durchleuchtet

Ralf Hermann
Um das Oversum Vital Resort in seine Einzelteile zu zerlegen, braucht es ungefähr 2,5 Stunden. Zumindest verbal, zu Informationszwecken. Denn genau so lange dauerte die sachliche Bürgerversammlung am Donnerstagabend vor 400 Gästen in der neuen Stadthalle.

Winterberg.  Um das Oversum Vital Resort in seine Einzelteile zu zerlegen, braucht es ungefähr 2,5 Stunden. Zumindest verbal, zu Informationszwecken. Denn genau so lange dauerte die sachliche Bürgerversammlung am Donnerstagabend vor 400 Gästen in der neuen Stadthalle.

Wer hat Verträge mit wem? Wem gehört aktuell oder spätestens in 30 Jahren was? Und wer trägt eigentlich die Schuld daran, dass das vom Investor Wolfram Wäscher mit seiner damaligen sab-Gruppe und der Stadt gestemmte 35-Millionen-Euro-Projekt elf Monate nach Eröffnung nicht wirklich rund läuft? Dass es also abendfüllend werden könnte, war angesichts vieler Fragen klar. Schließlich hatten Bürgermeister Eickler sowie die Fraktions-Vorsitzenden im Rat, Andreas Pieper (CDU), Harald Koch (SPD) und Bernd Kräling (FDP), nicht grundlos geladen. War es ihrer Einschätzung nach doch an der Zeit, das Konstrukt und die aktuelle Situation den Winterbergern aus ihrer Sicht zu erläutern.

Zur Erinnerung: Auslöser der Diskussion um das Projekt Oversum war die Anfang des Jahres bekannt gewordene wirtschaftliche Schieflage der Vitalresort Winterberg GmbH (s. Info-Kasten), über deren Vermögen am 1. Mai das Insolvenz-Verfahren eröffnet wird.

Externe Berater und Sicherungen

Im Zuge dieser Entwicklung stellte sich heraus, dass das Verhältnis zwischen den Oversum-Vertragspartnern, der Stadt Winterberg und der aquasphere Winterberg GmbH, die Eigentümerin des gesamten Komplexes ist, alles andere als harmonisch ist. Tourismus-Direktor Beckmann stellte am Donnerstag diesbezüglich noch einmal die Struktur des Oversum vor.

Die Botschaften der Gastgeber am Donnerstag waren zahlreich: Rat und Verwaltung stehen weiter hinter dem Projekt und haben bei der Entwicklung sowie Realisierung des Projektes im Vorfeld alles getan, um sich so gut wie möglich vorzubereiten und abzusichern. Gespräche mit und Besuche bei anderen Städten, die ähnliche Projekte mit der damaligen sab-Gruppe realisiert hatten, Hilfe von externen Beratern, eine eigens eingerichtete Arbeitsgruppe sowie in das umfangreiche Vertragswerk eingearbeitete Sicherungs-Instrumente betonte Eickler diesbezüglich.

Der Bürgermeister sagte zudem, dass die Stadt kein Interesse daran habe, die Bereiche der Vitalresort Winterberg GmbH selbst zu betreiben, sondern dass ein ordnungsgemäßer Betrieb ab dem 1. Mai durch die aquasphere Winterberg GmbH gewünscht sei. Zwischen den Zeilen wurde aber deutlich, dass der Rückfall dieser Bereiche an die Stadt nicht zwingend als Unglück gesehen wird.

Schuld an der derzeitigen Situation sei der Vertragspartner, der die vorher verabredete Philosophie, die da laute: „Profitable Bereiche wie das Hotel subventionieren über die internen Finanzströme defizitäre Bereiche wie das Sportbad“, nicht lebe. Zudem seien Zusagen wie der Einbau einer Treppe ins Schwimmbad nicht eingehalten worden. Kritik hagelte es auch an der alten Geschäftsführung, die sich zu sehr auf das Hotel konzentriert habe. Die aquasphere Winterberg GmbH sei weder dazu bereit, so Eickler, auf die von der Stadt artikulierten Bedingungen für weitere Verhandlungen einzugehen, noch mehr Geld in das Oversum zu stecken. Die Stadt habe keinen Cent mehr als vertraglich vereinbart in das Oversum gesteckt und werde dies einseitig auch nicht tun.

Appell an den Vertragspartner

Wie das Sportbad ab dem 1. Mai geführt wird, wussten auch die Gastgeber auf dem Podium nicht. Hinweise, das Bad werde nur noch für Schul- und Vereinssport geöffnet, die Betriebszeiten würden reduziert oder die Temperatur werde aus Kostengründen gesenkt, seien reine Spekulation, juristisch aber wohl nicht haltbar, so Eickler.

Fragen und Hinweise zur wirtschaftlichen Situation des privaten Investors und zu dessen Geschäftsmodell, aber auch eigene Erfahrungen und Kritik von Bürgern mit dem Investor wurden nur sparsam kommentiert bzw. beantwortet. Grund: Wer sich bei diesem Punkt zu offensiv äußert, riskiert eine empfindliche Geldstrafe.

Letztlich rief Eickler den Investor bzw. die Geschäftsführung des Vertragspartners (aquasphere-Berater Krall war zugegen) zu gemeinsamen Gesprächen mit der Sparkasse Hochsauerland als Kreditgeber sowie dem Energie-Vertragspartner auf, um ein Konzept zu finden. Sonst, so Eickler, drohe auch ein langwieriger Rechtsstreit.

Das Oversum mit den Betreibern:


Das Oversum Vital Resort ist aufgeteilt in Module, für die unterschiedliche Betreiber und Gesellschaften zuständig sind.

Für die Kongresshalle sowie das Hotel ist die Oversum Hotel GmbH als Betreiberin verantwortlich. Das Hotel hat seit Eröffnung eine gute Nachfrage.

Sportbad, Sauna, Wellness und Beauty betreibt bis zum 30. April die Vitalresort Winterberg GmbH. Danach übernimmt die aquasphere Winterberg GmbH.

Der Fitnessbereich wird von der Firma Optisport verantwortet. Die Winterberg Touristik und Wirtschaft GmbH ist für die Tourist-Info verantwortlich, das St. Franziskus-Hospital für das Medizinische Versorgungszentrum.