„Cinderella“ war gestern. Heute ist wieder „Blut im Schuh“

Seid ihr ein Fan von Märchen? Wenn ich ehrlich bin, bin ich das ja nicht gerade. Dank Disney ist aus Aschenputtel ja auch ziemlich schnell Cinderella geworden, zahlreiche moderne Filme gibt es dazu auch, und doch sind sie irgendwie alle gleich. Das Original-Aschenputtel gibt es damit höchstens noch vor Weihnachten zu sehen – aber erinnert ihr euch noch an den Spruch „Blut ist im Schuh?“ Denn genauso heißt ein neuer Roman von Anna Schneider.

Schwarz und blond

Wer eigentlich das Aschenputtel in diesem Roman ist, weiß man nicht so genau: Amelie und Sarah sind Stiefschwestern und sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Sarah kleidet sich nur in schwarz, ist mit dem schmierigen Eddie zusammen und leidet unter der Scheidung ihrer Eltern. Dies tut Amelie zwar auch, aber sie ist blond, schreibt gute Noten in der Schule, hat aber noch Probleme, Freunde zu finden, als sie zu Sarah und ihrer Mutter Heike zieht.

Sarah lässt keine Chance aus, um Amelie schlecht aussehen zu lassen: Im Schwimmbad verschwindet so ihre Kleidung aus der Umkleide und ihr Abschlussballkleid ist plötzlich von Kaugummis übersät.

Amelie hingegen schafft es, Sarah ihren Traumtypen wegzuschnappen. Eigentlich haben die Mädchen aber noch ein ganz anderes Problem: Ständig fühlen sie sich beobachtet, als wäre da jemand, der ihnen nicht von der Seite weicht.

Toll an dem Roman ist, dass es kein Gut und Böse gibt, jedenfalls kein gutes Mädchen und keine böse Stiefschwester: Abwechselnd wird sowohl aus Amelies als auch aus Sarahs Position erzählt und so erscheinen beide Mädchen eigentlich sympathisch.

Sehr interessant ist außerdem die Idee, den Roman mit dem Aschenputtel-Märchen zu verbinden. Die Kapitel beginnen jeweils mit einem kurzen Zitat aus Grimms Märchenbuch und auch der Titel „Blut ist im Schuh“ ist direkt aus dem Märchen gegriffen.

Es gelingt Anna Schneider gekonnt, die Spannung zu halten, denn immer wieder tauchen neue Menschen auf, die den Eindruck machen, von den mysteriösen Geschehnissen rund um Amelie mehr zu wissen, als sie eigentlich sollten.

Schade ist aber, dass gerade gegen Ende zu viele Zufälle aufeinander stoßen. Das beispielsweise plötzlich ein Mann auftaucht, der Amelies Hilfe braucht und ihr dafür Geld gibt, das sie dringend für ihr Abschlussballkleid braucht, wirkt stark aus der Luft gegriffen.

Immer wieder tauchen zwischenzeitlich Hinweise auf einen möglichen Stalker auf, der letztendlich für ein spannendes Ende sorgt.

Ein Thriller, der daher auch die Leser interessieren wird, die sich sonst eher weniger für dieses Genre begeistern können. Wenn auch manche Handlungen aus der Luft gegriffen erscheinen, ist er doch spannend. Besonders passend ist außerdem, dass am Ende tatsächlich Blut in Amelies Schuh ist. Aber mehr wird hier nicht verraten ...

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