„Bürger auch wirtschaftlich mitnehmen“

Bernd Sangermann
Geplante Windkraftanlagen erregen derzeit die Gemüter in Assinghausen und Bruchhausen.
Geplante Windkraftanlagen erregen derzeit die Gemüter in Assinghausen und Bruchhausen.
Foto: WP

Assinghausen/Bruchhausen.  Der Heidkopf in der Gemarkung Assinghausen erregt die Gemüter der Windkraftbefürworter und -gegner in Assinghausen und Bruchhausen. Er ist einer der fünf möglichen Windkraft-Standorte in der Stadt Olsberg. Während die Eigentümer dieser Flächen (246 Hektar), die örtliche Waldgenossenschaft Forstinteressentenschaft Assinghausen, eine Gemeinschaft aus 24 Assinghauser und 4 Bruchhauser Familien mit insgesamt 110 Angehörigen, von einer lokalen Wertschöpfung sprechen, befürchten die Gegner Nachteile für die Gesundheit, das Dorfleben und den Tourismus.

„Schon seit über zwei Jahre laufen die Planungen für einen Bürgerwindpark auf dem windeffektivsten Standort in der Stadt Olsberg. Er wird aus maximal fünf Windenergieanlagen E 101 des Herstellers Enercon bestehen“, berichtet Bernd Simon, Vorsitzender der Waldgenossenschaft. Zwei Windenergieanlagen sollen als Bürgerwindräder betrieben werden, an dem sich alle Bürger der Stadt beteiligen können, je eine Anlage werden die Sparkasse Hochsauerland, der Projektierer „juwi“, ein international tätiger Projektentwickler für Windenergie-Anlagen, und das ortsansässige Sägewerk Pieper-Holz übernehmen. Dazu Geschäftsführer Hans-Georg Pieper: „Um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben und die vorhandenen 120 Arbeitsplätze sichern zu können, möchte ich mein Unternehmen vom hohen Strompreis entkoppeln. Als energieintensives Unternehmen sind wir nicht von der EEG-Umlage oder den Netzentgelten befreit.“

Bürger wirtschaftlich mitnehmen

Bereits Ende März, so Simon, habe man den Bürgern aus Assinghausen und den angrenzenden Ortschaften in einer gut besuchten Informationsveranstaltung die Pläne gemeinsam mit dem Projektierer vorgestellt. „Dabei war die lokale Wertschöpfung ein zentraler Punkt. Denn wir möchten die Bürger auch wirtschaftlich mitnehmen.“ Das Windparkprojekt auf dem Heidkopf soll demnach nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz und somit zur Daseinsvorsorge zukünftiger Generationen leisten, sondern auch Vorteile für die Stadt Olsberg und seine Bürger bringen.

Die plötzliche „Stimmungsmache“ gegen das Projekt kann Geschäftsführer Franz-Josef Klüppel nicht verstehen. „In der Veranstaltung seinerzeit ist keinerlei Kritik geäußert worden.“

Laut Vorstand ist die Waldgenossenschaft durch die homogene Eigentümerstruktur in der Dorfbevölkerung bereits breit aufgestellt. Alle Anteilsberechtigten hätten sich einstimmig für das Projekt ausgesprochen. Auf Familienebene bezogen würden schon allein 110 Personen (davon 13 aus Bruchhausen) direkt und indirekt beteiligt sein. „Auch in Bruchhausen stehen viele dem Projekt positiv gegenüberstehen“, betont Franz-Josef Klüppel. „Es gibt Anfragen von Bürgern aus beiden Dörfern und aus der gesamten Stadt Olsberg, die sich gern an dem Bürgerwindpark Heidkopf beteiligen möchten.“

Sozialpolitische Sicht

Auch aus sozialpolitischer Sicht, so der Vorstand weiter, mache der geplante Windpark Sinn. So beschlossen die Forstinteressenten, einen Teil der Pachteinnahmen an gemeinnützige Vereine, Feuerwehren und sonstige Einrichtungen zu spenden. Vorsitzender Simon: „Wir wollen, dass alle umliegenden Ortschaften von der Windkraft profitieren.“

Ob sich Windenergieanlagen mehr oder weniger gut in die Landschaft einfügen, daran scheiden sich bekanntlich die Geister. Die Waldgenossenschaft ist davon überzeugt, dass Windräder keine Touristen vergraulen. Klüppel: „Besonders junge Leute denken anders. 84 % würden neue Windräder in der Nachbarschaft akzeptieren. Das ist das Ergebnis einer ganz aktuellen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Mai 2013 in NRW im Auftrag des Wirtschaftsministeriums durchgeführt hat.“

Für den zuständigen „juwi“-Projektleiter Paul Köpke steht fest: „Wer für die Energiewende ist, kann nicht gegen Windräder sein. Viele nehmen Windenergie als Symbol für eine positive Entwicklung wahr“. „Juwi“ ist vom windeffektiven Standort überzeugt und hat bereits im vergangenen Jahr umfangreiche Untersuchungen aller relevanten Vogel- und Fledermausarten durchführen lassen. Demnach sind keine negativen Auswirkungen durch das Vorhaben zu erwarten. Darüber hinaus, so „juwi“, gebe es eine Anschlusszusage des Netzbetreibers RWE, so dass auch die Stromabnahme geregelt sei.

Im Einklang mit der Landesregierung sieht sich die Waldgenossenschaft. „Kürzlich, bei einer Veranstaltung im Zentrum Holz / I.D.E.E. in Steinhelle, erklärte Minister Remmel, dass die Umsetzung der Energiewende im engen Dialog mit Grundstückseigentümern und Bürgern erfolgen soll. Windkraft sei eine große Chance für die Region“, so Franz-Josef Klüppel. Vor Beginn der Veranstaltung habe man dem Minister eine Einladung zur Besichtigung der potentiellen Windvorrangzone überreicht und ihn über den aktuellen Projektstand informiert.

Maximal fünf bis sechs Anlagen

Irreführend und nicht korrekt sind für Klüppel die in mehreren Veröffentlichungen dargestellte Anzahl (10) der geplanten Windenergieanlagen. „Auf den gegenständlichen Flächen des Heidkopfs lassen sich maximal fünf bis sechs Anlagen errichten. Eine höhere Anzahl ist u.a. auf Grund der besonderen topographischen Verhältnisse, des notwendigen Abstandes der Anlagen untereinander sowie der immissionsschutzrechtlichen Abstände zur umliegenden Bebauung nicht möglich. Nur ein kurzer Blick in die Planungsunterlagen bei der Stadtverwaltung hätte ausgereicht, um bei der Wahrheit zu bleiben.“

Die beschriebene Höhe der Windkraftanlagen von 200 m entspreche zudem nicht der aktuellen Planung. Derzeit seien Windenergieanlagen des Typs E-101 mit einer Nabenhöhe von 135 m und einer Gesamthöhe von 185 m geplant.

Weiter habe die Untere Landschaftsbehörde (ULB) das Gebiet des Heidkopfs nicht als Tabufläche ausgewiesen. Dies sei schon allein deshalb nicht möglich, weil eine Steuerung der Windenergienutzung nicht in den Kompetenzbereich der ULB falle.

Klüppel hofft, „dass man in Zukunft nicht mehr über uns, sondern miteinander redet“. Und das ist schon am heutigen Montag in einer weiteren Windkraft-Veranstaltung in Assinghausen möglich.