Brilonerin bekommt Hegenbarth-Stipendium

Katharina Kretzschmar
Katharina Kretzschmar
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Die Briloner Bildhauereistudentin Katharina Kretzschmar bekommt das Hegenbarth-Stipendium, das jährlich in Dresden vergeben wird. Besonders freut sie sich, dass sie Ihre Werke in der Städtischen Galerie Dresden ausstellen darf.

Brilon/Dresden..  Die Brilonerin Katharina Kretzschmar freut sich. Selbst durchs Telefon spürt man das. Natürlich über 300 Euro, die sie ein Jahr lang monatlich als Zuschuss erhält. Aber noch mehr darüber, dass ihre Arbeiten demnächst Tür an Tür mit Werken von Otto Dix, Oskar Kokoschka oder Kurt Schwitters in der Städtischen Galerie Dresden ausgestellt werden. „Das ist echt eine gute Adresse.“

Zurzeit mitten im Diplom

Die 30-jährige Bildhauereistudentin hat eines der zwei bundesweit bedeutsamen Hegenbarth-Stipendien bekommen. Damit werden hervorragende künstlerische Projekte innerhalb des Meisterschülerstudiums gefördert, das Katharina Kretzschmar nach ihrem Diplom antreten wird. 40 Bewerber gab es für das Stipendium, die Wahl fiel u.a. auf sie.

Das bisherige Schaffen der gebürtigen Münsteranerin, die ihre Kindheit in Brilon verbrachte und ihr Abitur am Gymnasium Petrinum baute, ist ungemein breit gefächert. Zurzeit macht sie viel mit Beton, gestaltet Plastiken aus einem eher toten Material, dem sie viel Leben einhaucht. Aber auch mitunter skurrile Zeichnungen, Rauminstallationen, Fotografien oder einfach nur „Dinge“ erhebt sie zum Gegenstand ihrer Arbeiten. Ein Phantasietier aus Mull, eine Collage aus Klebeband („Hund beißt Schwanz“) oder eine vermeintliche Jagdtrophäensammlung, die sich als von Künstlern gerauchte Zigaretten entpuppen - Katharina Kretzschmar spielt mit Materialien.

Vielleicht spielt sie unbewusst auch ein wenig mit der Oberflächlichkeit mancher Betrachter, wenn sie vermeintlich Bekanntes in andere Zusammenhänge bringt und Kunst dadurch spannend macht. „Eigentlich kann der Betrachter selbst entscheiden, ob er kurz guckt und geht, ob er sich ins Detail vertieft und sich auf etwas einlässt, das ich ihm anbiete. Mir ist das ,Wie’ der Rezeption erstmal egal, weil ich keinen Einfluss darauf habe. Mein Hauptinteresse ist in vorderster Linie das Tun“, sagt sie.

Seit 2008 ist die Brilonerin in Dresden. Ihr Handwerkszeug im wörtlichen Sinne hat sie zwischen 2004 und 2008 bei ihrer Ausbildung zur Tischlerin in Marsberg-Beringhausen und auf ihrer Wanderschaft in Frankreich und Deutschland erlernt. Auch in Denkmalpflege und Restaurierungstechniken kennt sie sich aus. Die Sache mit dem Stipendium kommt jetzt zur richtigen Zeit: „Ich stecke momentan in meinem Diplom. Und als Kunststudentin beschleichen mich ab und an kleine Zweifel. Es kostet viel Energie, die Dinge zu realisieren, die ich im Kopf habe. Jetzt kann ich erstmal eine ordentliche Portion Motivation aus dem Stipendium herausziehen und sagen: Ja, weitermachen lohnt sich“, erklärt die Künstlerin.

Gern spricht sie über ihr „Barprojekt“, über einen Tresen mit den letzten Gästen einer Nacht, das sie aus Paris nach Dresden gebracht hat. Auf weißen Nachbauten hat sie mit Hilfe von 12 Diaprojektoren für vier Wochen eine Thekenszenerie und deren Stimmung aus Frankreich eingefangen. „Das ist ein sympathischer Ort, wo Kunst stattfindet, wo sich alle sozialen Schichten treffen, wo Musik gemacht wird und Bilder einfach über dem Sofa hängen“, erzählt die Brilonerin. Deko müsse keine Degradierung von Kunst sein. Sie selbst sei überrascht gewesen, dass ihre Pariser Bar-Installation in Dresden plötzlich eine Eigendynamik entwickelt habe.

Kunst nahbar machen

„Die Bar hat sich verselbständigt. Es kamen Musiker und andere Künstler. Für die einen war es eine Ausstellung, für die anderen ein Partyort für einen Monat.“ Und es kamen Leute, die sonst nie mit Kunst in Berührung gekommen wären, die ein Bild über dem Sofa anschauten, weil es dort in vertrauter Umgebung hing. Und nicht, weil es in einer Galerie an weißer Wand und mit grauem Boden zu bestaunen war. Nahbare Kunst, barrierefreie Kunst, die Stimmungen trägt und bei jedem etwas anderes auslösen kann.

 
 

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