Bomben bringen Tod und Verwüstung

Anlässlich des 70. Jahrestages des Bombenangriffs auf Brilon wurde eine Ausstellung im Haus Hövener eröffnet.
Anlässlich des 70. Jahrestages des Bombenangriffs auf Brilon wurde eine Ausstellung im Haus Hövener eröffnet.
Foto: WP
Heute vor 70 Jahrenwarfen amerikanische Flieger Bomben auf Brilon ab. 37 Menschen im Alter von 2 bis 92 Jahren kamen dabei ums Leben, darunter 13 Kinder. Eine Ausstellung im Haus Hövener erinnert daran.

Brilon..  Als die amerikanischen Flieger am 10. Januar 1945 - heute vor genau 70 Jahren - kamen, war der 9-jährige Heinz Bange mit seinen Skiern an der Niederen Mauer unterwegs. Nur um Haaresbreite überlebte er, als eine Bombe das Haus auf der Niederen Mauer 10 zerstörte. Er ist einer der Zeitzeugen, die an der Eröffnung der Sonderausstellung „Brilon 1945 - Die letzten Monate des Krieges“ teilnahmen und selbst den Schrecken dieses Bombenabwurfs miterlebt haben.

Heinz Bange erinnert sich: „Wir sahen 14 amerikanische Flugzeuge wie Silberlinge am Himmel. Sie flogen über Brilon weg, kamen aber plötzlich wieder zurück. Eine Frau rief: ,Das ist ein Angriffszeichen.“ Der neunjährige Heinz stand da noch mit zwei älteren Jungen vor dem Haus Klaholz. Die sagten ihm, er solle zu seiner Mama nach Hause gehen. Heinz Bange drehte auf seinen Skiern um, fuhr ein paar Meter und entkam so der Bombe, die im Haus Nr. 10 einschlug und die beiden anderen Jungen tötete. Ein weiterer Junge überlebte den Angriff schwer verletzt.

Insgesamt gab es, so Heinz Bange, sieben Tote in dem Haus. „Ich wäre fast der Achte gewesen“, so der Briloner, der sich noch heute mit Schrecken an diesen Tag erinnert: „Nach dem Bombeneinschlag brach das totale Chaos aus. Alles war schwarz und die Flammen schlugen haushoch. Ich war total mit schwarzem Staub bedeckt als ich zu Hause ankam.“

37 Todesopfer

Heinz Bange ist einer derjenigen, die der Ausstellung im Haus Hövener ein Gesicht geben. Neben den Zeitzeugen waren auch die Angehörigen der Opfer zur Ausstellungseröffnung eingeladen; außerdem Vertreter aus der Politik, Vorstandsmitglieder des Briloner Heimatbundes Semper Idem, des Fördervereins Museum Haus Hövener und des Stiftungsvorstandes. Sie wurden begrüßt von Museumsleiter Jens Meyer. Sehr eindrucksvoll und sichtlich bewegt gab Winfried Dickel einen Einblick in die Ausstellung und ihre Hintergründe.

Gemeinsam mit Helmut Mengeringhausen hat er in jahrelanger Kleinarbeit viele Dokumente zusammengetragen, unzählige Gespräche mit Zeitzeugen und Angehörigen geführt, Fotos und biografische Daten gesammelt, Material gesichtet und in alten Archiv-Unterlagen recherchiert, was in den letzten Kriegsmonaten passiert ist.

Winfried Dickel erklärt: „Die Ausstellung soll den Fokus auf einen traumatischen Moment der Stadtgeschichte richten. Wie die Zeitzeugen berichten, fühlten sich die Briloner in ihrer kleinen überschaubaren Stadt recht sicher, obwohl täglich Bomber, tagsüber amerikanische und nachts englische, die Stadt überflogen. Innerhalb weniger Minuten war nichts mehr so, wie es vorher war. Das Leben änderte sich auf einen Schlag. Das wird in der Ausstellung deutlich.“

Gezeigt werden unter anderem Bilder der zerstörten Häuser, die Ulrich Hecker aus dem Nachlass seines Onkels, Pater Wigge, zur Verfügung stellte. Er hat sie damals, so Winfried Dickel, unter Lebensgefahr gemacht.

Helmut Mengeringhausen hat diesen zerstörten Häusern die in den Trümmern umgekommenen Personen mit ihren Lebensdaten zugeordnet. Insgesamt kamen bei dem Bombenangriff am 10. Januar 37 Menschen ums Leben, darunter waren 13 Kinder. Bei einem weiteren Luftangriff am 24. März 1945 starben noch drei weitere Menschen.

Zerstörte Straßen und Häuser

Zu sehen sind in der Ausstellung außerdem viele Hintergrund- und Zeitdokumente, ein nachgebautes Stadtmodell der zerstörten Straßenzüge sowie die Geschichte der letzten Kriegsmonate in den einzelnen Briloner Dörfern. Außerdem werden Videoaufzeichnungen gezeigt, die im Rahmen von zwei Zeitzeugen-Abenden des Briloner Heimatbundes Semper Idem entstanden sind. Ausgestellt sind auch viele Totenzettel und Listen mit den Namen der Briloner, die durch den 2. Weltkrieg umgekommen sind. Helmut Mengerinhausen und Karl-Josef Stuhldreher haben sie zusammengetragen. Ausdrücklich dankte Winfried Dickel allen, die Fotos oder anderes Material zur Verfügung gestellt haben.

Bürgermeister Dr. Christof Bartsch erklärte, die Ausstellung zeige beeindruckende Dokumente, die zum Nachdenken anregen, welch ein Irrsinn der Krieg ist.

Winfried Dickel erinnerte auch an die jüdischen Opfer, die während der NS-Zeit umgebracht wurden: „132 Briloner jüdischen Glaubens lebten zwischen 1933 und 1945 in unserer Stadt. Durch eine Initiative des Jugendparlaments wird ihrer durch Stolpersteine gedacht.“

Die Ausstellung will zum Nachdenken anregen: Deshalb hoffen die Verantwortlichen, dass auch viele Schüler und Jugendgruppen die Ausstellung besuchen. „Erinnern für die Gegenwart und die Zukunft, muss das Motto sein“, so Winfried Dickel. Und gerade viele junge Menschen wird es sicher berühren, wenn sie lesen, was eine Zeitzeugin berichtet: „Ich sehe noch heute, wie die Zöpfe meiner Schulfreundin über die Totentrage wippen und unter dem Leichentuch hervorschauen.“

Da ist das Grauen des Krieges plötzlich ganz nah.

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