Bigger Verein einst von 39 Männern gegründet

Das neue Kaiserpaar, Ehrenmajor Martin Bültmann und Renate Fischer, ließ sich bei der Proklamation feiern.
Das neue Kaiserpaar, Ehrenmajor Martin Bültmann und Renate Fischer, ließ sich bei der Proklamation feiern.
Foto: WP
Bei der Bigger Kaiserproklamation dankte Major Dieter Flügge dem scheidenden Kaiserpaar Martin Hennecke und Ute Bertels für die vergangenen fünf Jahre ihrer Regentschaft. Danach übergab er dem neuen Kaiser, Martin Bültmann, die Kaiserkette.

Bigge.  Mit dem „Bigger Schützenmarsch“, intoniert vom Briloner Blasorchester unter der Leitung von Pietro Sarno, wurde der Festakt zum Bigger Jubiläumsschützenfest am Freitagabend stimmungsvoll eröffnet. Bei der Kaiserproklamation dankte Major Dieter Flügge dem scheidenden Kaiserpaar Martin Hennecke und Ute Bertels herzlich für die vergangenen fünf Jahre ihrer Regentschaft. Danach übergab er dem neuen Kaiser, Ehrenmajor Martin Bültmann, die Kaiserkette. Die Festgäste feierten ihn und seine Mitregentin Renate Fischer mit herzlichem Applaus.

Mit guten Wünschen für die Zukunft gratulierten den St. Sebastian Schützen an diesem Festabend u.a. Landrat Dr. Karl Schneider, MdL Matthias Kerkhoff, Bürgermeister Wolfgang Fischer und im Namen aller örtlichen Vereine Ortsvorsteher Josef Röttger. Die besten Grüße der Sauerländer Schützen überbrachten Bundesoberst Karl Jansen, Kreisoberst Karl-Heinz Höning, Bundespräses Richard Steilmann sowie die Stadtschützen und die Vorsitzenden der Nachbarvereine von Nuttlar bis Brilon.

Ur-Bigger

Die Festrede von Prof. Dr. Hans Schulte Nölke bildete den Höhepunkt des Festaktes. Er war für diese Aufgabe geradezu prädestiniert. Der Lehrstuhlinhaber für Bürgerliches Recht an der Uni Osnabrück ist Ur-Bigger, stammt aus einer traditionsreichen Juristenfamilie und gehört seit Jahrzehnten zum Stammtisch Bigge West.

Sein Ur-Ur- Großvater Theodor Schulte gehörte als Ortsvorsteher zu den Gründungsvätern des Bigger Schützenvereins. Dieser schrieb vor 150 Jahren in einem Brief an die Gründungsversammlung: „Die Einführung eines Schützenfestes für unser liebes Bigge finde ich ganz zeitgemäß!“ So lenkte der agile Professor zunächst den Blick auf „unser liebes Bigge“. Im Jahre 1864 war es ein Dorf mit 800 Einwohnern, die meisten katholisch, rund 40 jüdischen Glaubens und einige wenige evangelisch. Die Kirche, Schloß Schellenstein und die Synagoge in der Mittestraße bildeten ein Dreieck, in dem die rund 100 Häuser von Bigge standen. Die Bürger waren Bauern, Kaufleute, Handwerker, Fabrikarbeiter, Sensen und Viehhändler sowie Bergleute.

Sehr zügig gründeten 39 Männer den Schützenverein. Nach wenigen Tage unterschrieben schon 118 Männer ihre Beitrittserklärung. Der Gründungsbeitrag betrug 1 Taler. Beitreten konnten nur Männer, die dauerhaft in Bigge wohnten. Der Schützenverein war offen für Christen beider Konfessionen und auch für Bigger jüdischen Glaubens. Der Hauptzweck des Vereins war schlicht die Veranstaltung eines jährlichen Schützenfestes. Dafür wurde schnell die erste Schützenhalle errichtet.

Großer Applaus

Professor Schulte Nölke erläuterte die weitere wechselvolle Geschichte des Schützenvereins. Besonders erinnerte er an die grauenhaften Zeiten in den beiden Weltkriegen, die so viele unschuldige Opfer forderten - auch in Bigge. In den ersten Nachkriegsjahren brannte die Schützenhalle nieder. 1947 wurde wieder ein Schützenfest gefeiert, die Olsberger öffneten den Biggern ihre Halle.

Die neue Längshalle entstand 1949, und die fantastische Rundhalle wurde 1951 fertiggestellt. 1964 zählte die Bruderschaft 500 Mitglieder, heute weit über 1000. Ausführlich schilderte Professor Schulte Nölke die Aktivitäten , die die St. Sebastian-Bruderschaft heute entfaltet: „Der Schützenverein ist nun viel mehr als ein Schützenfest. Ohne St. Sebastian wäre Bigge sehr viel ärmer!“ Er forderte , dass sich die Bruderschaft den Erfordernissen der Zeit öffnet, Traditionen bewahrt, aber auch für neue Bürger mit ihren unterschiedlichen religiösen Bindungen da ist. Ausführlich beschäftigte sich Schulte Nölke mit er Frage, ob Frauen Mitglied in der Bruderschaft werden sollten. Seine Überzeugung: Männer sollen weiterhin das Sagen behalten.

Mit stehenden Ovationen dankten die Festgäste dem humorvollen Professor für seine fundierte und launige Rede.

 
 

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