Beunruhigung, aber keine Panik

Foto: Thomas Lohnes/dapd
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Brilon. Kaum eine Woche vergeht ohne Hiobsbotschaft aus dem Finanzsektor. Banken bangen um ihr Kapital, ganze Staaten stehen vor dem Bankrott. Die Politik hinkt hinterher, um den Laden am Laufen zu halten. In Zeiten, in denen auf Griechenlands Straßen sogar der Tauschhandel wieder aufblüht, wollte die WP wissen: Wie sicher wähnt Otto Normalverbraucher sein Geld auf dem Konto?

Horst Salzbrunn beispielsweise verfolgt die Finanzkrise mit Unbehagen. Der 77-Jährige wirkt zwar nicht grundlegend verängstigt, als er Mitte der Woche die Bahnhofstraße entlang spaziert. Auf die Situation angesprochen jedoch, schimmert ein wenig Unsicherheit durch. „Gerade eben“, am Mittagstisch mit seiner Frau, sei Geld noch Thema gewesen. „Die Situation ist sehr undurchschaubar. Das beunruhigt mich“, sagt der Rentner. Zumal er mit seinem „kleinen Investment“ schon mal „auf die Nase gefallen“ sei. „Ich bin mir nicht mal sicher, ob alle Fachleute wirklich verstehen, was da vor sich geht“, sagt der Briloner. „Ich habe mein Geld auf jeden Fall im Auge.“

Eine Meinung, die Salzbrunn im Altkreis offenbar nicht exklusiv vertritt. Von einem „vorsichtigeren Kundenverhalten“ weiß Heinz Rummel (57), Filialleiter der Volksbank in Brilon, zu berichten. „Es ist eine gewisse Verunsicherung zu spüren. Das merkt man an der Häufigkeit und den Inhalten unserer Kundengespräche.“ Diese Veränderung beziehe sich aber nicht ausschließlich auf die Meldungen der letzten Monate, auf Euro-Krise, Griechenland und Co., sondern auf den gesamten Zeitraum seit der Pleite der US-Bank Lehman Brothers im Jahr 2008.

Speziell ältere Kunden suchten häufiger Rat als früher. Freilich, weil sie über mehr Kapital verfügten als die junge Generation, aber auch, weil die Lage für viele undurchsichtig scheint. Auch Peter Wagner (59), Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hochsauerland, erkennt diese zunehmende Vorsicht seit der Lehman-Pleite. Mehr Rat suchende Kunden, zurückhaltenderes Verhalten in Sachen Wertpapierhandel. „Das Aktiengeschäft ist fast zum Erliegen gekommen“, so Wagner.

Dass das Finanz-Wirrwarr nicht nur ältere Semester zum Nachdenken bringt, zeigt Horst Langen. Der gebürtige Olsberger ist 32, diplomierter Ökonom, Unternehmensberater - er weiß, wie man Geld bewegt. „Man darf sein Kapital nicht auf dem Konto versauern lassen“, meint Langen, sagt aber auch klipp und klar: „Ich bin nicht der Typ, der risikoreich anlegt. Und gerade in dieser Situation werde ich es auch nicht werden.“

Berechtigte Sorgen - da sind sich Heinz Rummel und Peter Wagner einig. Schließlich sei die aktuelle Lage gerade durch die Verstrickung des Euros vertrackt. „Es gibt mehr Akteure, mehr Zusammenhänge. Es ist kompliziert“, sagt Wagner. Rummel meint: „Eine einfache Situation ist das nicht.“ Zumindest, was ihre Geldinstitute anbelangt, geben beide aber Entwarnung. Rummel: „An den Märkten, die wirklich riskant sind, bewegen wir uns nicht. Und damit auch nicht unsere Kunden.“ „Wir besitzen keine Risikopapiere, keine Staatspapiere aus Griechenland oder Italien zum Beispiel. Bei uns gibt es derzeit keine erkennbaren Risiken“, sagt Wagner indes.

Er spricht gar von einem zurückliegenden „Rekordjahr“ für die Sparkasse Hochsauerland. Immer mehr Kunden fänden den Weg von anderen (Groß-)Banken in eine seiner Filialen. Auch Rummel sieht seine Bank gestärkt, konstatiert einen Kundenzuwachs. „Derzeit macht es Spaß, weil viele Leute in dieser Situation ihrer ,alten’ Volksbank das Vertrauen schenken. Und um Vertrauen geht es schließlich in unserem Geschäft.“

Vertrauen, das Christine Rennerich ihrer Bank entgegenbringt. Die 46-Jährige wirkt wenig verunsichert, als sie Anfang der Woche die Sparkasse in Brilon verlässt: „Ich habe mein Konto nicht leergeräumt“, scherzt die Verkäuferin, „als normaler Bankkunde in Deutschland hat man, glaube ich, nichts zu befürchten.“ Zwar sei die Lage, wie sie über die Medien transportiert wird, nicht zu unterschätzen. Die Brilonerin kommt jedoch zu dem Ergebnis: „Wenn ich Aktien hätte, wäre ich vorsichtiger. So aber mache ich mir im Moment keine Sorgen.“

Ob mit oder ohne Aktien, alt oder jung – wie sich zeigt, gehen die Meinungen darüber, was ist und was zu sein scheint, auseinander. Von Panikmache ist jedoch weit und breit keine Spur. „Und das wäre auch unangebracht“, sagt Heinz Rummel, „nach jeder Krise hat es bisher auch eine Entspannung gegeben.“

 
 

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