Attacke mit K.O.-Tropfen auf Kirmes in Brilon

Michaeliskirmes 2016 in Brilon
Michaeliskirmes 2016 in Brilon
Foto: WP
  • Nach ein paar Schluck fühlt sich eine Brilonerin, als ob sie 10 Gläser getrunken hat
  • Mit Mühe und Not den Weg nach Hause gefunden - danach Lücken in der Erinnerung
  • K.O.-Tropfen nur wenige Stunden nachweisbar: Problem ist die Beweislage, sagt die Polizei

Brilon.  Dass jemand schaut, wenn einer aus der Runde oder auch ein Freund, ihm augenscheinlich betrunken entgegenkommt, das ist der Brilonerin Karina M. * seit der letzten Kirmes sehr wichtig und darum wandte sie sich an die WP. Ihr wurden offenbar an einem Bierstand K.O.-Tropfen oder etwas Ähnliches ins Bierglas gekippt. Sie hatte das Glück, dass ihr Mann darauf bestand, sie nach Hause zu bringen: „Ich weiß jetzt, dass das wirklich passieren kann und mir ist wichtig, dass jemand sich zum Beispiel auch um betrunkene Jugendliche kümmert, sie nach Hause bringt und auch noch etwas beobachtet.“ Denn es könnten ja auch solche Tropfen dahinter stecken.

Stundenlange Gedächtnislücke

Das war passiert: Nach einem halben Glas Pils fühlt sich Karina M*. am Kirmessamstag-Abend wie vollbetrunken. „Wir standen in einer Runde und die meisten von uns haben direkt aus den Gläsern getrunken, die mein Mann geholt hat. Nur ein Bekannter und ich, wir hatten unsere Gläser hinter uns auf einen Stehtisch gestellt.“ Nach ein paar Schlucken aus dem Bierglas habe sie sich gefühlt „wie nach 10 Gläsern“ und gesagt, sie müsse nach Hause. Ihr ist so schwindelig, dass ihr Mann sie direkt nach Hause bringt: Zum Glück, denn an den Großteil des kurzen Weges und auch an Gespräche, die sie noch mit Bekannten geführt hatte, hat sie keine Erinnerungen mehr. Zu Hause schläft sie direkt ein – und dann für zwölf Stunden durch. Einen Bekannten aus der Runde habe es ähnlich erwischt. Auch der geht nach Hause, schläft erst einmal und sagt am nächsten Tag: „Sowas habe ich noch nicht erlebt.“

Der Polizei, an die sich Karina M auch wendet, ist nichts bekannt. „Das Problem ist die Beweislage“, sagt Polizeipressesprecher Holger Glaremin. K.O.-Tropfen seien nur kurze Zeit nachweisbar. Genau das sagen der Brilonerin am Sonntag auch die Rettungssanitäter. Erst am Montag spricht sie einige Polizisten in der Fußgängerzone an, die ihre Telefonnummer aufnehmen. Eine Anzeige erstattet sie nicht, sie kann nichts nachweisen. Dennoch meint sie: „Ich finde, das, was mir passiert ist, muss in die Öffentlichkeit. Ich erschien nach außen hin klar, habe mich unterhalten und weiß gleichzeitig nichts mehr davon. Meine Handtasche wäre mindestens weg gewesen, wenn ich allein gegangen wäre und sie jemand hätte stehlen wollen.“ Und nicht nur das: „Manche Jugendliche sind bei sowas vielleicht noch stolz, weil sie so blau sind und trinken noch mehr Bier drauf, dann wird es doch echt gefährlich.“

Tatbestand der Körperverletzung

„Grundsätzlich sollte man immer seine Getränke im Auge behalten“, so Glaremin. Bei solchen Unsicherheiten rät er, falls möglich, sofort die Polizei zu informieren. Die würde dann eine Blut- und Urinprobe entnehmen. K.O.-Tropfen seien ab und zu Thema bei Einsätzen. Fälle, in denen Opfer bestohlen oder sexuell belästigt worden seien, seien im HSK nicht bekannt. Wer K.O.-Tropfen verabreiche, begehe eine Körperverletzung. „So fühle ich mich auch“, sagt Karina M. – auch, wenn ihr nach der Verabreichung zum Glück nichts weiter widerfahren sei.


(*Name der Redaktion bekannt und auf Wunsch der Geschädigten geändert)

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