Asylbewerber feiern mit deutschen Freunden

Die orthodoxen Christen feiern immer zwei Wochen nach dem christlichen Weihnachtsfest ihr Weihnachten.
Die orthodoxen Christen feiern immer zwei Wochen nach dem christlichen Weihnachtsfest ihr Weihnachten.
Foto: WP
Seit dem Brand im Asylheim in Marsberg leben die Flüchtlinge in der Notunterkunft. Dort feierten die orthodoxen Christen jetzt ein Fest mit deutschen Freunden.

Marsberg..  Seit das Asylantenwohnheim an der Rennuferstraße durch einen Brand im Herbst unbewohnbar geworden ist, leben, wie berichtet, 40 Asylbewerber, in der als Notunterkunft hergerichteten ehemaligen Kerschensteiner Schule. Vier Klassenräume teilen sich jeweils zehn Asylbewerber als Schlafräume. In der früheren Schulküche bereiten sie ihre Mahlzeiten zu.

In einem der Schlafräume haben die jungen Asylbewerber am Dienstag, 6. Januar, ihre Betten dicht an die Wand geschoben und so Platz geschaffen für eine Festtafel. Die zehn Asylbewerber kommen aus Eritrea und Ägypten. Sie sind aus ihrer Heimat geflohen und sie sind orthodoxe Christen. Auch deshalb war ihnen in ihrer Heimat Verfolgung, Gewalt, Hunger und Unterdrückung sicher.

Die orthodoxen Christen feiern immer zwei Wochen nach dem christlichen Weihnachtsfest ihr Weihnachten. Und so haben Mebrahtu, Dawit, Jrom, Mihretab, Salomon, Teklebrhar, Abraham, Rafael und Temesgen eingekauft, gekocht und Freunde zu ihrem Weihnachtsfest eingeladen.

Gemeinsames Gebet

An der Festtafel haben Sozialamtsleiter Hanns Runte, die Sozialarbeiterin Alexandra Sauerwald, Mariethres und Günter Schröder, Jörg und Ute Schünemann, Alexandra Stork und Tochter Miriam Platz genommen. Die jungen Asylbewerber und ihre deutschen Gäste lassen sich das Rindergulasch mit viel Zwiebeln und Tomaten und den Hühnerreis mit gemischtem Salat gut schmecken (alles traditionelle Gerichte, aber Deutsch gewürzt). Extra haben sie für den Festtag ihr traditionelles Injera gebacken. Es sieht aus wie ein dünner Pfannkuchen, wird aber aus Sauerteig hergestellt. „Komm, Herr Jesus, sei unser Gast und segne, was du uns bescheret hast.“ Vor dem Festmahl wird gemeinsam ein Gebet gesprochen und mit einem Gläschen Sekt angestoßen.

Die Gesichter der jungen Asylbewerber sind entspannt und glücklich. Weil sie hier friedlich miteinander ihr Weihnachtsfest feiern können und auch weil sie am Morgen an dem koptisch-orthodoxen Weihnachtsgottesdienst der Koptischen Gemeinde in Höxter-Brenkhausen mit Bischof Damian teilnehmen konnten. „Es war ein besonderer Gottesdienst. Alle Sinne waren angesprochen“, sagt Marietheres Schröder. Sie hatte den Besuch organisiert und steht noch ganz unter den Eindrücken der etwas anderen Weihnachtsmesse.

Bischof Damian hatte ihn extra für die Marsberger Asylbewerber am Morgen als „Weihnachtserwartungsgottesdenst“ gefeiert. Denn erst für abends 19 Uhr war die koptische Christmette angesetzt. Nach dem Gottesdienst hatte Bischof Damian die Gruppe aus Marsberg noch zum Mittagessen eingeladen. Und er hatte ihnen geweihte Ikonen und Kreuze mit auf den Weg gegeben.

Ein besonderer Tag

Für den jungen Iraner (er möchte seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen) war es ein besonderer Tag, wie er im guten Deutsch sagte. Seit einem Jahr und zehn Monaten lebt er in Marsberg. Schon im Iran war er zum christlichen Glauben konvertiert. In Marsberg hat er sich evangelisch taufen lassen. Ute Schünemann aus Marsberg kümmert sich seit er in Marsberg ist, auch um ihn. Die Oberärztin ist auch Mitglied des Presbyteriums der evangelische Kirchengemeinde Marsberg.

Sie war auch am Sonntag im September im Asylantenwohnheim, als das Feuer ausbrach und die Bewohner plötzlich ohne alles dastanden. „Ich habe die Feuerwehr und die Polizei alarmiert“, blickt sie im Gespräch mit der WP zurück. Ein überhitztes Bügeleisen im Obergeschoss hatte den Brand ausgelöst. „Im Nachhinein war es ein Glücksfall für die dort lebenden Asylbewerber“, sieht Ute Schünemann das Unglück heute mit anderen Augen. Auch weil sich nach dem Brand die Situation insgesamt für die Asylbewerber in Marsberg zum Positiven verändert habe. So hat sich u. a. ein Helferkreis aus Mitgliedern der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden gebildet.

Alexandra Stork und Mariethres Schröder kommen fast täglich vorbei. Sprechen mit den Asylbewerbern, helfen ihnen, wo sie nur können. Bei alltäglichen Kleinigkeiten und auch bei Behördengängen „Wir sind inzwischen wie in eine richtige Familie zusammengewachsen“, sind sich beide Frauen einig, dass ihnen die ehrenamtliche Unterstützung viel gibt, „weil wir auch viel zurückbekommen.“ Vertrauen sei das A und O, pflichtet ihnen Sozialamtsleiter Hanns Runte bei. „Wenn sich erst Vertrauen gebildet hat, lassen sich viele Hürden überwinden.“

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