Anzeige gegen Klinik-Ärzte wegen unterlassener Hilfeleistung

Die 83-Jährige war von Marsberger Ärzten wegen des Verdachts einer Gehirnblutung nach Kassel überwiesen worden.
Die 83-Jährige war von Marsberger Ärzten wegen des Verdachts einer Gehirnblutung nach Kassel überwiesen worden.
Foto: dpa
Nach einem Unfall verstirbt eine 83-jährige Frau aus Marsberg. Nun stellt die Familie Strafanzeige gegen die Ärzte im Klinikum Kassel. Sie vermuten, dass der alten Dame lebensrettende Maßnahmen vorenthalten worden sind. Die Klinik schweigt zu dem Vorfall.

Marsberg/Kassel. Am 13. Dezember wurde die 83-jährige Marsbergerin Erna Kleffner von einem Pkw angefahren. Am 21. Dezember verstarb sie im Klinikum Kassel. So weit, so traurig. Aber für die Familie der Toten steckt hinter dem Geschehen mehr als ein Unglücksfall.

Sie geht davon aus, dass Erna Kleffner lebensrettende Maßnahmen vorenthalten worden sind - möglicherweise auf Grund ihres Alters - und hat deshalb Strafanzeige wegen unterlassener Hilfeleistung gegen die behandelnden Ärzte im Klinikum Kassel gestellt.

Dorthin war die 83-Jährige von den Marsberger Ärzten wegen des Verdachts einer Gehirnblutung überwiesen worden. „Dort hat man es abgelehnt, mit einer ICP-Sonde den Druck im Schädel zu messen“, empört sich Elmar Georg Petz, der Schwiegersohn des Unfallopfers.

Hohes Risiko einer Narkose Grund der Anzeige

Als Begründung sei das hohe Risiko einer Narkose genannt worden: „Aber eine Vollnarkose wäre gar nicht nötig gewesen“, so der Marsberger Zahnarzt. Er nennt eine Leistungsverweigerung aufgrund des Alters „menschenverachtend“: „Meine Schwiegermutter war bis zum Unfall topfit. Wird hier etwa ein neues Sparmodell praktiziert?“ Die Kasseler Staatsanwaltschaft bestätigte am Donnerstag den Eingang der Anzeige und wird Ermittlungen aufnehmen. Die Klinik will derzeit zur Sache keine Auskunft geben.

 
 

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