Ziel: Bahnhof mit aufs Gleis schieben

Im Sommer modernisiert die Bahn in Erndtebrück Gleise und Bahnsteige. Um auch die Planungen für das ungepflegte Bahnhofsgebäude voranzutreiben, biete sich der Arbeitskreis Schienenverkehr Südwestfalen jetzt als Vermittler an.

Erndtebrück.  „Wir werden das Bahnhofsgebäude noch einmal ins Gespräch bringen.“ Das kündigt im Gespräch mit unserer Zeitung Horst-Günter Linde aus Bad Berleburg an, 2. Vorsitzender des Arbeitskreises Schienenverkehr Südwestfalen – und zwar zeitnah fürs kommende Frühjahr. Aus seiner Sicht ist es höchste Eisenbahn, zumindest konkrete Planungen für eine Sanierung des Empfangsgebäudes anzuschieben, wenn im Sommer gleich nebenan Gleise und Bahnsteige modernisiert werden.

Alle an einen Tisch

An einen Tisch bitten möchte der Arbeitskreis sowohl Gesprächspartner der Deutschen Bahn Station und Service, die sich um die Modernisierung kümmert, als auch der Bahnflächen-Entwicklungs-Gesellschaft (BEG) in Essen, die den Bahnhof als Immobilie 2012 unter anderem an Nils Geiser verkauft hatte. Er ist einer von mehreren Eigentümern, hält sich zum Thema jedoch weiterhin zurück: „Ich gebe keine Interviews zum Bahnhofsgebäude Erndtebrück“, sagt Geiser auf Anfrage unserer Zeitung. Er hatte bereits im März 2014 erklärt, das Projekt Bahnhofssanierung aufzugeben – und dabei bleibe es.

Eine Modernisierung aus einem Guss – das wäre für Erndtebrück ideal, findet Linde. „Man kann nicht für mehrere Millionen Euro eine Bahnstation umbauen und das alte Bahnhofsgebäude so stehen lassen“, sagt er. Eine Idee, was man mit der Immobilie anstellen könnte, hat aber auch Linde nicht. Für ihn habe es jedoch Vorrang, die bestehende Bausubstanz zu retten. Hier setzt der 2. Vorsitzende nicht zuletzt auf Kreativität in der angekündigten Gesprächsrunde.

Zu dieser Runde sollen auch Vertreter der Gemeinde Erndtebrück gehören. Sie sieht Linde ebenfalls in der Pflicht, wenn es um die Zukunft des Bahnhofsgebäudes geht. Im Rathaus an der Talstraße dürfe man sich hier nicht aus der Verantwortung ziehen, indem man nur auf den derzeitigen privaten Eigentümer verweise – und darauf, dass er sich um sein ortsbildprägendes Eigentum nicht kümmere. Vielmehr müsse sich die Gemeinde zum Beispiel darum bemühen, für das Gebäude Fördergeld-Quellen aufzutun.

Erndtebrücks Bürgermeister Henning Gronau, seit Oktober im Amt, hat den Bahnhof auf dem Schirm. Er habe in der Sache Kontakt mit der Bahn. Und in den Gesprächen werde auch geprüft, inwiefern die Bahn nach dem Verkauf der Immobilie vor drei Jahren noch „Zugriff“ darauf habe. Wie berichtet gibt es Forderungen aus der Erndtebrücker Politik, dass die BEG den Verkauf an Nils Geiser rückabwickeln möge – damit der Weg frei werde für einen Investor, der eine Sanierung des Bahnhofs oder aber einen Abriss plus Neubau auch tatsächlich angehen wolle.

Gronau begrüßt Initiative

Bürgermeister Gronau glaubt, dass das Empfangsgebäude für private Investoren deutlich attraktiver werde, sobald die Bahnhofshalle nicht mehr als Durchgang zu den Gleisen diene. Nach den Plänen der Bahn sollen Fahrgäste künftig von der Bahnhofstraße aus am Gebäude vorbei in die Unterführung zu den Bahnsteigen geführt werden. Letztere sollen dann außerdem direkt vom neuen Park & Ride-Parkplatz aus erreichbar sein, der momentan hinter dem Bahnhof entsteht.

Die Initiative des Arbeitskreises Schienenverkehr in Sachen Bahnhof begrüßt Gronau übrigens ausdrücklich. „Alle Gespräche, die der Sache dienlich sind, stehe ich positiv gegenüber“, betont der Bürgermeister – sofern damit dann auch „eine gewisse Dynamik“ entstehe. Allerdings werde man sich dabei sicherlich auch konstruktiv mit dem Denkmalschutz auseinandersetzen müssen, unter dem das Bahnhofgebäude nach wie vor steht.

 
 

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