Wittgensteins Geschichte für jeden nachlesbar

Lars-Peter Dickel
Die Beständes des Fürstlichen Archivs auf Schloss Berleburg sind digitalisiert, 1790 Akten mit rund 300000 Seiten sind jetzt aus dem Internet für Forscher abrufbar.
Die Beständes des Fürstlichen Archivs auf Schloss Berleburg sind digitalisiert, 1790 Akten mit rund 300000 Seiten sind jetzt aus dem Internet für Forscher abrufbar.
Foto: Dr. Markus Stumpf/LWL

Wittgenstein.  Es ist ein wertvoller Schatz, der dort auf Schloss Berleburg lagert – wertvoll für wissensdurstige Forscher. Das Fürstliche Archiv der Familie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg bietet tiefe Einblicke in die Geschichte des Wittgensteiner

Landes. Doch jetzt müssen Historiker und Heimatforscher nicht mehr auf einen Termin zur Akteneinsicht warten. 1790 Akten macht das Archivamt des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe jetzt in digitaler Form über das Internet allen Interessierten zugänglich.

„Für die Forschung zu Wittgenstein sind damit die Nutzungsmöglichkeiten massiv verbessert worden, denn bisher war der Bestand vor Ort nur bei den gelegentlichen Anwesenheiten des zuständigen Archivbetreuers oder im Lesesaal des Archivamtes am Mikrofilmlesegerät möglich“, so Dr. Marcus Stumpf, der Leiter des Archivamtes des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe in Münster.

Meilenstein für Forscher

Für viele Forscher ist das in der Tat ein Meilenstein. Zwar sei die Grafschaft Wittgenstein „nicht die Bedeutendste“ des Alten Deutschen Reiches gewesen, aber ihr Archiv ist bis auf einige wenige Verluste „sehr geschlossen“ erhalten. Hier finden sich Papiere, die Aufschluss über das Leben der Menschen, von der einfachen Bevölkerung bis hin zu den Herrschenden geben. Sie zeigen Wittgenstein in Frieden und Krieg, so Stumpf weiter.

Für diese Digitalisierung konnte das Archivamt des LWL in Münster auf Mikrofilme aus der sogenannten Bundessicherungsverfilmung zurückgreifen. Aus den Erfahrungen durch die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und vor der damals realen Bedrohung im Kalten Krieg hatte sich die Bundesregierung bereits in den 1950er Jahren entschlossen, möglichst viele Originaldokumente für Sicherungsdateien abzufotografieren. Die Qualität ist nicht mit heutigen Möglichkeiten zu vergleichen und bildet die Akten nur schwarz-weiß ab.

293 570 digitalisierte

Dank sagt Stumpf in diesen Zusammenhang auch der „amerikanischen Archivkollegin Sofia Dabrowski, die in den letzten Monaten im Archivamt volontierte und die notwendigen Revisions-, Ordnungs- und Verknüpfungsarbeiten zwischen Onlinefindbuch und Digitalisaten auf unserem Webserver mit großer Kompetenz durchgeführt hat.“

Dabei sei ein im Archivamt durch Stefan Makowski programmierter METS-Generator zum Einsatz gekommen, um die 1790 Verzeichnungseinheiten im Onlinefindbuch mit den 293 570 Digitalisaten zu verknüpfen.

Insgesamt umfasst das Archiv in seiner elektronischen Form rund 250 Gigabyte.