Wisente aus Wittgenstein knabbern Staatswald in Schmallenberg an

Die Wisente kennen keine Grenze im Rothaargebirge. Sie sollen Bäume auf Schmallenberger Seite angeknabbert haben.
Die Wisente kennen keine Grenze im Rothaargebirge. Sie sollen Bäume auf Schmallenberger Seite angeknabbert haben.
Foto: Marius Becker/dpa

Bad Berleburg/Schmallenberg. Virtueller Zaun? Induktionsschleife in der Erde? Telemetriebänder am Hals? Pustekuchen. Die Wisente kennen keine Grenze. Dass sie bereits am vergangenen Freitag „im Kölschen“ waren, bestätigt der stellvertrende Leiter des Regionalforstamtes Oberes Sauerland, Frank-Ulrich Cramer in Schmallenberg: „Wir haben die Wisente bei uns im Staatswald gefährtet.“ Das Wochenende hingegen sollen die Schwergewichter wieder in ihrem „Stammgebiet“ auf Wittgensteiner Seite verbracht haben.

Damit bestätigt sich offensichtlich, was Experten schon während der Auswilderungsphase vorhersehen wollten: Die Tiere wandern, sie werden ihren neuen Lebensraum erkunden. Sind die Wisente wirklich „ins Kölsche“ gewandert? Freiwillig? Wie unsere Recherche ergab, hielt sich die Herde unweit des Rothaarsteigs auf, als eine Gruppe Mountainbiker in Richtung Albrechtsplatz/Schanze unterwegs war.

„Vor den Radfahrern haben sich die Tiere zurückgezogen“, berichtet ein Augenzeuge, „waren dann im Sauerland.“ Und zwar im Bereich „Grubental“, wo das Regionalforstamt Schmallenberg in seinem exklusiven Eigenjagdbezirk zur Zeit die individuelle Jagd vom Ansitz auf Reckböcke vermarktet.

Schäden in Schmallenberg sind dokumentiert

Beunruhigen die Wisente nun die Jagdgäste? Sicher ist, dass Mitarbeiter des Forstamtes Schmallenberg Schäden an Bäumen im Staatswald festgestellt haben und den unerbetenen Gästen zuschreiben. Wie zu erfahren war, existieren mehrere Fotos dieser Schäden. Oberforstrat Cramer räumt ein: „Wir werden das Verhalten der Wisente in den nächsten Tagen in unserem Bereich beobachten. Dann werden wir eventuell mit unseren Vorgesetzten in Münster entscheiden, ob wir das weiter dulden wollen.“ Damit spricht Oberforstrat Cramer bisher entstandene Schälschäden an Fichten und Buchen im Bereich „Grubental“ bei Latrop an.

Schon lange vor der Auswilderung der achtköpfigen Herde im vergangenen April hatte der Trägerverein „Wisent-Welt-Wittgenstein“ Bedenken vor einer Übersiedlung in saftige Wiesen jenseits des Rothaarsteigs zerstreuen wollen. Vorstandsmitglied Landrat Paul Breuer sagte vor knapp acht Wochen: „Das Raum-Zeit-Verhalten der Tiere wird durch ein Fütterungs- und Flächenmanagement gesteuert.“

Wisente links und rechts des Rothaarsteigs

Hat dieses Management etwa versagt? Trägervereinsvorsitzender Bernd Fuhrmann gibt sich „völlig unaufgeregt“: „Wir waren davon ausgegangen, dass die Tiere sich in der Projektionsfläche bewegen. Es ist aber nicht tragisch, wenn sie sich jetzt links und rechts des Rothaarsteigs aufhalten.“ Klar sei hingegen, „dass der Trägerverein für von Wisenten angerichtete Schäden haftet und die dann reguliert.“ Übrigens, das verriet Fuhrmann noch: „Mancher Bauer ist stolz, dass die Tiere schon in seinem Wald waren.“

Christoph Vetter