Wie aus dem Heimathaus ein Hotel wird

Sylvia Köster und Andreas Benkendorf haben bei der Gestaltung der ehemals musealen Räume darauf geachtet, dass Moderne und Historie harmonieren.
Sylvia Köster und Andreas Benkendorf haben bei der Gestaltung der ehemals musealen Räume darauf geachtet, dass Moderne und Historie harmonieren.
Foto: WP

Bad Berleburg.  Silvia Köster und Andreas Benkendorf sind „vom Standort Bad Berleburg überzeugt“. Mit dieser Aussage rechtfertigen sie die Investition von rund 750 000 Euro in den Kauf und Umbau des ehemaligen Museums am Goetheplatz. Dort sind nach kompletter Kern-Sanierung am Montagnachmittag die ersten Gäste eingezogen.

Mit ihrem dritten Haus in der Oberstadt erweitern die beiden Hoteliers ihre Bettenkapazität nun auf insgesamt 76 – verteilt auf 40 Zimmer. Und die sind keineswegs „von der Stange“. Innenarchitektin Michaela Voss hat wie in den Hotels „Alte Schule“ und „Fliegendes Klassenzimmer“ der Individualität Priorität eingeräumt. So dominieren in den neuen Räumlichkeiten warme Farben wie Gelb und Flieder, gleichzeitig gibt es knallhart schwarzes und weißes Mobiliar – wenn eben möglich kombiniert mit historischen Nachlässen des Museums.

So kann sich Andreas Benkendorf wie ein kleines Kind darüber freuen, dass beim mühsamen Entfernen des 40 Jahre alten Teppichs uralte Eichenbohlen zum Vorschein kamen, die bald aufgearbeitet sind und der künftigen Lobby eine gemütliche Atmosphäre verleihen sollen. Dort wird für eine Aufenthaltsgelegenheit geschaffen; denn Benkendorf setzt auf längere Aufenthalte seiner Gäste. „Die sollen nicht nur als Dienstreisende für einen Tag hier sein, sondern am Besten als Tourist für eine Woche oder mehr,“ wünscht sich Benkendorf. Er weiß aber auch: „Das ist schon eine Gratwanderung, was wir hier machen.“ Denn seiner Ansicht nach „können wir mit unseren Zimmern in der oberen Liga der Hotels mithalten. Damit heben wir uns von anderen Häusern ab.“ Jetzt müsse Bad Berleburg noch „touristisch mehr etwas für die Vermarktung tun“, wobei er sich selbst gern einbringen möchte. Zeit dazu hätte er womöglich, denn neue Ambitionen hat seine Partnerin Silvia Köster gesperrt. „Ich habe ihm ab sofort Baustopp erteilt,“ lacht sie.

Na ja. Ein paar Tage wird Benkendorf wohl noch werkeln. Im Gewölbekeller und in der Lobby ist noch genug zu tun. Und wie bisher wird der Denkmalschutz weiter berücksichtigt – so wie beim Einbau fast 40 neuer Fernster oder bei der energetischen Optimierung des Gebäudes. „Das kann man nicht einfach von innen zukleistern“, beschreibt der Hotelier die Arbeit von Bauingenieur Tim Berksieker.

Praktisch für die Betreiber ist seit gestern, dass die Rezeption im ehemaligen Krämerladen des Museums einen großzügigen Platz findet.

Unpraktisch hingegen ist, dass namhaften Agenturen für den Hotelbetrieb noch kein geeigneter Name eingefallen ist. „Altes Museum“ jedenfalls soll es nicht heißen.