Verschlafen: Polizeibeamte holen Bad Laaspher Angeklagten aus dem Bett

Vier Heranwachsenden im Alter von 16 bis 22 Jahren  mussten sich am Freitag vor dem Bad Berleburger Jugendschöffengericht verantworten – für Taten vom Einbruch bis zur Körperverletzung.
Vier Heranwachsenden im Alter von 16 bis 22 Jahren mussten sich am Freitag vor dem Bad Berleburger Jugendschöffengericht verantworten – für Taten vom Einbruch bis zur Körperverletzung.
Foto: WAZ FotoPool
Der 20-Jährige aus Bad Laasphe hatte am Freitag schlicht seinen Gerichtsprozess in Bad Berleburg verschlafen. Einer mit insgesamt zehn Anklagen – gegen ihn und drei weitere junge Männer.

Bad Berleburg..  Gestern, im Amtsgericht. Bevor Staatsanwalt Markus Bender die Anklagen verlesen konnte, durfte er erst einmal die verschiedenen Akten passend positionieren – so umfangreich war das Material. Alle Prozessbeteiligten mussten sich am Freitagmorgen allerdings erst einmal in Geduld üben. Einer der insgesamt vier Angeklagten war seiner Ladung nicht nachgekommen und musste deshalb von Polizeibeamten aus dem Bett geholt werden. Die Vernehmung des 20 Jahre alten Arbeiters war allerdings zwingend nötig, da eine der Straftaten alle Beschuldigten gemeinsam begangen haben sollen.

Spritztour mit Papas Auto und Einbrüche

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft warf dem Quartett in wechselnden Tatbeteiligungen unterschiedliche Vergehen vor – angefangen bei Beleidigungen von Amtsträgern über Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte bis hin zu Einbruchsdelikten und auch Körperverletzungen. Mehrere Taten sind besonders verwerflich, eine davon hat sich im Mai auf einer Tanzveranstaltung des städtischen Gymnasiums in Bad Laasphe ereignet.

So zahlt ein Banden-Mitglied erst gar keinen Eintritt, sondern verschafft sich gewaltsam Zutritt zur Aula. Dabei zieht sich eine Person im Eingangsbereich Verletzungen am Kopf zu. Damit aber längst noch nicht genug: Außerdem soll er einen Gegenstand auf die Tanzfläche geworfen haben, der eine Besucherin im Bereich des Kiefers traf. „Es war das totale Chaos“, so einer der vier Rechtsanwälte.

Angeklagt ist auch das Fahren ohne Führerschein, laut Markus Bender erfolglos ausprobiert im August vergangenen Jahres. Die Spritztour mit Papas Auto soll in einem Gartenzaun geendet sein. Weder war der junge Mann damals berechtigt, eine Fahrerlaubnis zu erwerben, noch wusste der Vater etwas von dem ausgeliehenen Wagen.

In der Anklage ist zudem ein Einbruchsdiebstahl verzeichnet – und zwar in einer Wohnung an der Bad Laaspher Königstraße, wo eine Tür eingetreten wird. Auch der Erwerb und Handel mit Betäubungsmitteln fehlt nicht – und bei vielen illegalen Aktionen war auch noch Alkohol im Spiel.

Alle vier Heranwachsenden im Alter von 16 bis 22 Jahren – vom Schüler über den Auszubildenden, den Arbeiter bis zum Arbeitslosen – wohnen im Raum Laasphe/Biedenkopf. Sie müssen sich allerdings nicht alle bei der Fortsetzung am 30. Januar vor dem Jugendschöffengericht unter Leitung von Richter Hoffmann verantworten. Aufgrund der vielen Straftaten waren bereits im Vorfeld zwei Verhandlungstage angesetzt worden. Ein Urteil gab es schon gegen den 22-Jährigen wegen einer Körperverletzung und einer Sachbeschädigung. Der Laaspher kam mit einer überschaubaren Geldstrafe davon – und sein Kollege mit einigen Sozialstunden. Beide hatten einen Autofahrer provoziert und ihn auch geschlagen. Die restlichen Verfahren, auch gegen einen 16-Jährigen, sind am Freitag abgetrennt worden.

Attacken beim Frühlingsball

Bei der Neuauflage werden auch die Attacken beim Frühlingsball im städtischen Gymnasium Bad Laasphe beleuchtet, die federführend ein 20 Jahre alter Arbeiter aus der Stadt verübt haben soll. Dann dürfte es bei der Urteilsverkündung durchaus spannend werden, denn: Der junge Mann hat bereits einiges auf dem Kerbholz, und aktuell laufen noch rund sieben verschiedene Verfahren. Es ist genau jener 20-Jährige, den die Polizei am Freitag aus dem Bett geholt hat, um ihn in den Gerichtssaal zu bringen. „Passiert das noch einmal, dann erlasse ich Haftbefehl“, so Richter Hoffmann unmissverständlich.

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