Stünzel hat Künstler und Zuschauer angesaugt

Fast alle Künstler auf einen Blick: Martin Bill, Martina Kreitmeier, Luca John Nash, Kurt Schmidt, Hubertus Schaper und Heinz Mengel (Ideengeber der Festivals) bei der Abschlussfeier des Symposiums auf dem Stünzel. Es fehlt Risto Immonen. Er musste wegen eines Symposiums in der finnischen Heimat bereits abreisen. F
Fast alle Künstler auf einen Blick: Martin Bill, Martina Kreitmeier, Luca John Nash, Kurt Schmidt, Hubertus Schaper und Heinz Mengel (Ideengeber der Festivals) bei der Abschlussfeier des Symposiums auf dem Stünzel. Es fehlt Risto Immonen. Er musste wegen eines Symposiums in der finnischen Heimat bereits abreisen. F
Foto: WP

Stünzel..  Es ist vollbracht, was lange währt, wird endlich sehr gut – eine Woche voller Sonne und Schaffenskraft gespickt mit Heiterkeit liegt hinter einem sech-köpfigen Künstlerteam aus sechs Anrainerstaaten des Europäischen Fernwanderwegs Nummer 1.

Als Robert Mengel-Gärtner, Schwiegersohn des Ideengebers des ersten Holzbildhauer-Festival auf dem Stünzel, Heinz Mengel, und Sprecher der Finissage-Veranstaltung vor das Mikrofon trat, war er sichtlich gerührt. Niemand hat im Vorfeld geahnt, welch riesigen Anklang solch eine außergewöhnliche Veranstaltung mitten im Wald haben würde, tatsächlich konnte hier im Vorbereitungsjahr nur darauf gehofft werden.

59 Sponsoren und 15 Organisatoren

59 Sponsoren und Unterstützer wurden gefunden, keine leichte Aufgabe für das 15-köpfige Organisationsteam. Vornehmlich waren es Mitglieder des hiesigen Gemeinschaftsvereins, die die Aufgabe auf sich nahmen, allen voran die Familie Mengel mit Vater Heinz Mengel und Adelheid Böhl von der „Stünzeler Kaffeestube“ sowie Ortsvorsteherin Petra Müsse. Ein dickes Lob ging von Robert Mengels Seite auch an die „Neu-Stünzelaner“ Familie Frank Scholtens aus den Niederlanden und an Jessica de Rooij, die mit Knowhow und liebevoll die Internetseite gestaltet haben.

Doch damit natürlich noch lange nicht genug. Die Kunst, die schweißtreibende Arbeit der fünf Männer Risto Immonen (Finnland), Hubertus Schaper (Norwegen), Kurt Schmidt (Dänemark), Martin Bill (Schweiz), Luca John Nash (Italien) und der einen Frau Martina Kreitmeier (Deutschland) an den Kettensägen, mit Meißel und Klüpfel ausgestattet, steht und stand an erster Stelle.

Einwöchiges Volksfest

Geschmückt und umrahmt wurde das, was beinahe einwöchigen Volksfestcharakter hatte, von wundervollem Rahmenprogramm mit leiblichem Wohl, prima Musik, geführten Wanderungen Baum-Zeit-Mensch und Rundgängen zur Dorfgeschichte, naturgemäßem Kinderprogramm (Waldwichtel-Wanderung), Lesungen zu Wald und Natur, Qi-Gong und Bogenschießen mit Sven Euteneuer.

Die zu bearbeitenden Buchen- und Douglasienstämme wurden von den beiden Wittgensteiner Fürstenhäusern in Berleburg und Laasphe gespendet. Der Stünzel-Festpaltz wurde vom Kreisverein zur Verfügung gestellt und übernahm auch die Wasser- und Stromversorgung. Die Schirmherrschaft übernahm Henning Graf von Kanitz.

Einen Schirmherrn, ja den muss eine solche Mammutveranstaltung haben, doch im übertragenen Sinne: Einen Schirm brauchte es gottlob eine ganze Woche nicht. „Offenbar hat die gute Stimmung untereinander alle vorhergesagten Unwetter am Stünzel vorbeigeleitet“, so Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann. Sichtlich glücklich lobte der beim Betrachten der fertigen Skulpturen dann auch die einmalige Auseinandersetzung mit der Materie Holz.

Spürbare Vertrautheit und Familienatmosphäre, das war Ansinnen der Veranstalter. Das empfanden unzählige Besucher vom ersten Tag und machten sich fast täglich auf den Weg zum Stünzel, um die Fortschritte an den Arbeiten zu beobachten. Niemand wurde enttäuscht, ganz im Gegenteil – das Staunen war so groß, dass dem einen oder anderen der Mund vor Bewunderung offen stehen blieb. Die Geschichten und Absichten, die hinter jeder einzelnen Skulptur stehen, sind überwältigend, haben teils mystischen Charakter und bewegen den Geist aller zum Nachdenken über unser Dasein auf dem Globus. Das Miteinander haben alle Künstler unabhängig voneinander getroffen, in der Mitte von 8000 Kilometern Wanderweg – da liegt der Stünzel, da treffen sich Menschen, Seelen und Freude aufeinander. Ein Kraftort, der unbedingt künftig für gleiche Veranstaltungen genutzt werden muss.

Zweijahresrhythmus bietet sich an

Ortsvorsteherin Petra Müsse gab im Gespräch mit der Heimatzeitung den Anstoß, der unbedingten Wiederholung im Zweijahres-Rhythmus, Worte, die Bürgermeister Fuhrmann schon in seiner Dankesrede zum absoluten Muss gemacht hat. Kunst umschließt hier an diesem Ort, der Kunstliebhaber wie Wanderer und Naturfreunde förmlich angesaugt hat, alles. Es sind Freundschaften entstanden, gegenseitige Einladungen ausgesprochen worden. Es wurde wissenschaftlich argumentiert, genauso wie philosophisch sinniert, länderübergreifend, ohne Grenzen und Mauern in den Köpfen. Loslassen von Konventionen und Zwängen – auf dem Stünzel geht das.

Zum Abschluss stellten alle Künstler ihre fertigen Arbeiten den zahlreichen Menschen am Abschlusstag vor und ernteten begeisterte Zustimmung von allen Seiten. Alle Werke sind käuflich zu erwerben. Der Tag in hervorragendem Ambiente wurde musikalisch von der Irish-Folk-Band „Peelsound“ mit Jan-Philipp Becker, Ingo Hackler und Ursula Paesler bestens gestaltet.

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