Stünzel: Gasthaus und Backhaus begeistern die Jury

Eberhard Demtröder
Kann man da auch mal reinschauen? Interessiert zeigte sich die Bewertungskommission am alten Backhaus. Immerhin 250 Jahre alt, haben es die Stünzeler reaktiviert: Einmal im Jahr gibt’s hier frisch gebackenes Brot.
Kann man da auch mal reinschauen? Interessiert zeigte sich die Bewertungskommission am alten Backhaus. Immerhin 250 Jahre alt, haben es die Stünzeler reaktiviert: Einmal im Jahr gibt’s hier frisch gebackenes Brot.
Foto: WP

Stünzel.  Das Backhaus im Dorf, 250 Jahre alt und eigentlich ein eher unscheinbares Gebäude, macht die Jury vom Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ neugierig – und das darf es auch: Vor einiger Zeit habe man es wieder „aktiviert“, wie es Ortsvorsteherin Petra Müsse formuliert. Nicht zuletzt, schmunzelt sie, um „die Leute mal wieder nach Stünzel zu kriegen“.

Seit der 300-Jahr-Feier 2011 wird hier einmal im Jahr frisches Brot gebacken. Und auch am Himmelfahrtstag spielt das Backhaus eine Rolle – als Treffpunkt für einen evangelischen Gottesdienst. „Weil man hier dem Himmel am nächsten ist“, erklärt Müsse. Immerhin: Der Stünzel liegt auf 560 bis 620 Meter ü. NN. Und im Sommer hat man von hier aus eine wundervolle Fernsicht, etwa Richtung Bad Berleburg.

„Das Herz Wittgensteins“ schlägt

Stünzel sieht sich als „Das Herz Wittgensteins“, und das nicht nur geografisch – mit passender Holz-Skulptur mitten im Ort von Bildhauer Heinz Mengel. Hier hat sich jede Familie mit ihrem Hausnamen verewigt. Die Jury staunt.

Gleich um die Ecke stellen Burkhard Meyer und Yvonne Unverzagt vom Förderverein „Altes Gasthaus“ eben dieses vor. Mit einer niederländischen Familie sei wieder Leben eingekehrt in das denkmalgeschützte Haus. Und dass hier Hand angelegt wird, sieht man ihm an. Geplante Fertigstellung: 2015. So etwas vermerkt die Kommission gerne als Pluspunkt. „Wir schauen eben auch darauf, was sich in einem Dorf entwickelt“, sagt Jury-Vorsitzender und Kreisheimatpfleger Dieter Tröps.

Ex-Lehrer und engagierter Wanderführer Wolfgang Lückert stellt sein Blockhaus vor, das demnächst sogar mit Erdwärme beheizt wird. Da tut sich was. Aber auch in Sachen Natur ist Lückert aktiv: Er möchte Stünzel „zum fledermausfreundlichsten Dorf Deutschlands machen“ – und hat deshalb schon eifrig Nistkästen für die Tiere an die Bewohner verteilt. Eine durchaus ungewöhnliche Aktion.

Abschlussgespräch am 3. September

Die Führung beim Rundgang haben Carolin Meyer und Aliena Mengel übernommen. Dabei liegt ihnen auch der offene Garten bei Mengels am Herzen, der oft an Sonntagen für interessierte Besucher zugänglich ist. Und wenn man Glück hat, gibt’s sogar noch spannende Zusatz-Infos zur Dorfgeschichte, zu Kräutern oder zur Gartenpflege. Gut gepflegt zeigt sich auch der alte Spalierbaum, der sich über die Haustür des Mengel-Anwesens rankt. Immerhin rund 100 Jahre ist er alt.

Jury-Mitglied Bernd Rabanus hat sich seine kleine Digitalkamera mitgenommen. Gerade nimmt er das knallbunte Blumenbeet im Garten von Roswitha Jana vor die Linse. „Das ist für mich eine gute Gedächtnisstütze“, sagt er. Schließlich könne man sich nach den zahlreichen Bereisungen vielleicht nicht mehr an jedes Detail erinnern. Bis 3. September sollten die Jury-Mitglieder sich ein Gesamtbild von den Ortschaften gemacht haben – dann nämlich steckt die Bewertungskommission im Kreishaus die Köpfe beim Abschlussgespräch zusammen und verkündet ihr Ergebnis.