Sinkende Schülerzahlen in den Hauptschulen

Für die Hauptschule in Bad Berleburg sind bisher 35 Viertklässler angemeldet. Im vergangenen Jahr waren es 56.
Für die Hauptschule in Bad Berleburg sind bisher 35 Viertklässler angemeldet. Im vergangenen Jahr waren es 56.
Foto: WP

Wittgenstein. Eine wichtige Entscheidung haben Eltern von Viertklässlern in den vergangenen Wochen getroffen: Sie haben ihr Kind bei einer weiterführenden Schule angemeldet. Und - nach vorläufigem Anmeldungsstand - zeigt sich, was angesichts der gesellschaftlichen Diskussionen vielleicht schon zu erwarten war: Die Wittgen­steiner Hauptschulen haben verstärkt mit sinkenden Schülerzahlen zu kämpfen.

So sind für das kommende Schuljahr 2011/2012 bisher 35 Kinder für die Ludwig-zu-Sayn-Wittgenstein-Schule in Bad Berleburg angemeldet. Im vergangenen Jahr war es mit 56 Jungen und Mädchen noch ein Drittel mehr. „Die Hauptschul-Anmeldungen sind deutlich zurück gegangen“, stellt Andreas Kus vom Schulverwaltungsamt Bad Berleburg mit Blick der Zahlenstatistik fest. So habe die Übergangsquote vom vierten Schuljahr in die Hauptschule vor zehn Jahren bei 30 bis 35 Prozent gelegen, in den vergangenen Jahren immerhin noch bei rund 25 Prozent. Der Jahrgang 2010/2011 war mit gut 28 Prozent außergewöhnlich stark. Nach aktuellen Zahlen jedoch werden sich weniger als 20 Prozent der Berleburger Schulwechsler für die Hauptschule entscheiden. Davon profitieren sowohl Realschule als auch Gymnasium: Ihre Anmeldezahlen sind mit 63 für das Johannes-Althusius-Gymnasium und 80 für die Realschule relativ gesehen im ansteigenden Bereich.

Beratende Funktion

Die Gründe hierfür sieht das Schulverwaltungsamt neben der landesweiten Diskussion um die Haupt-/ Gemeinschaftsschule vor allem im Zusammenhang mit dem Wegfall der verbindlichen Grundschulgutachten. „Seit der kleinen Schulrechtsreform der Landesregierung im Dezember vergangenen Jahres sind die Gutachten nicht mehr verbindlich, sondern haben nur noch beratende Funktion“, erklärt Andreas Kus. Damit sei „der Elternwille jetzt entscheidend“. So komme es nicht selten vor, dass Vater und Mutter ihre Sprösslinge trotz Empfehlung für die Hauptschule bei einer Realschule anmelden - zumindest versuchsweise.

Dementsprechend gibt es auch in Bad Laasphe noch „Wackelkandidaten“, wie Volker Kohlberger vom Schulverwaltungsamt angibt: Bisher sind 21 Viertklässler für die Hauptschule angemeldet, bei vier weiteren steht die Entscheidung noch nicht fest. So oder so kann daraus eine stabile fünfte Klasse gebildet werden. Im vergangenen Jahr hatte es 27 Schulanfänger in der Hauptschule gegeben. Während die beiden privaten Schulen Schloss Wittgenstein noch keine Zahlen nennen konnten, stehen für das städtische Gymnasium bisher bereits 95 Anmeldungen fest (2010 waren es 93).

Etwas deutlicher als die Hauptschule in Bad Laasphe ist die Rothaarsteigschule in Erndtebrück von sinkenden Schülerzahlen betroffen: „Es gibt eine Verschiebung zur Realschule“, liest Miriam Belz vom Schulverwaltungsamt aus der Statistik. Während im vergangenen Jahr noch 21 Kinder in der Rothaarsteigschule angenommen wurden, gibt es bisher nur 16 Anmeldungen.

Realschule macht Plus

Was die Hauptschule an Minus macht, macht die Realschule an Plus: 53 Anmeldungen meldet die Schule bisher, 47 Fünftklässler waren es Anfang des vergangenen Schuljahres. „Die Zahlen werden sich aber noch ändern“, vermutet Miriam Belz. Sie geht davon aus, dass noch ein paar Anmeldungen für die Hauptschule hinzukommen - spätestens nach dem ersten Schulhalbjahr, wenn sich herausstellt, dass die Realschule für einige Kinder doch nicht die richtige Wahl war. „Ich denke, dass wir eine Klasse mit 18 Schülern bilden können“, ist Miriam Belz recht optimistisch.

 
 

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