Schüler präsentieren Wittgensteiner Platt

Jedes Grundschulkind, das beim Mundart-Wettbewerb mitgemacht hat, bekommt eine Urkunde.
Jedes Grundschulkind, das beim Mundart-Wettbewerb mitgemacht hat, bekommt eine Urkunde.
Foto: WP
Beim Mundart-Lesewettbewerb gibt’s regionale Anekdoten mit viel Heimatwitz zu hören. Sieger gab's natürlich auch.

Feudingen.. Mundart ist nicht nur eine sprachliche Besonderheit; sie ist ein Ausdruck der Heimat, verbindet Menschen miteinander, die aus derselben Region kommen. Mundart ist also ein Stück Identität, die über Generationen hinweg gepflegt wird. Der Heimatbund Siegerland-Wittgenstein veranstaltet deswegen alle zwei Jahre einen Mundart-Lesewettbewerb, bei dem auch Schulkinder an den regionalen Dialekt herangeführt werden sollen. Gestern war es wieder so weit: In der Grundschule Feudingen kamen die Schulsieger im Wettbewerb der Klassen 1 bis 13 zusammen.

Erster Platz – dank Michels Charme

Wer Wittgensteiner und Siegerländer Platt nicht beherrscht, mag sich gestern Nachmittag fehl am Platze vorgekommen sein. „Begäwehere“, „Paist-Lemmel“ und „Herwazhause“ – für Regionsunkundige eine wilde Aneinanderreihung von Buchstaben, für Mundart-Liebhaber stecken dahinter Geschichten mit Heimatwitz.

Erstaunlich, dass Drittklässler die Dialekt-Anekdoten so flüssig vorlesen können wie ein Hochdeutsch-Gedicht im Unterricht. Manche schaffen es sogar, mit der richtigen Betonung und Satzmelodie den Charakteren der Erzählungen Leben einzuhauchen. So wie Michel, der in die dritte Klasse der Grundschule Unterm Heiligenberg in Elsoff geht. Selbstbewusst und ein wenig keck erzählt er von „Nöwe Begäwehere aus dem Wittjestener“ (Neue Begebenheiten aus Wittgenstein) und bringt damit das Publikum und die Jury zum Schmunzeln. Selbst Dialekt-Fremde sind schnell von Michels Charme mitgerissen und können sich ein Lachen nicht verkneifen. Für seinen lebendigen Auftritt wurde er mit dem ersten Platz in der Altersgruppe Klassen 1 bis 4 belohnt.

Regionaler Halt

„In unserer globalisierten Welt braucht der Einzelne Wurzeln, die Halt geben. Dazu trägt sicher auch die Pflege der eigenen Mundart bei“, sagte der frühere Landrat Paul Breuer, der Vorsitzender des Heimatbundes Siegerland-Wittgenstein ist. Der regionale Dialekt ist demnach Ausdruck für Verbundenheit und Orientierung. Eine wichtige Botschaft, die Kindern hier mit auf dem Weg gegeben wird.

Aber wie wird man denn als Drittklässler ausgerechnet zum Mundart-Experte? „Mit Papa üben!“ erklärt Benedikt von der Grundschule in Berghausen. Die Vater-Sohn-Lerntaktik ist aufgegangen, Benedikt belegte einen sehr guten zweiten Platz. Mundart ist also auch Familiensache.

 
 

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