Radfahrwege für Räder verboten

Der Radweg bei Markhausen ist offiziell für alle Fahrzeuge gesperrt.
Der Radweg bei Markhausen ist offiziell für alle Fahrzeuge gesperrt.
Foto: WP

Bad Berleburg.  Die Radlersaison ist auch in Wittgenstein längst eröffnet. In den Regionen rund um Wittgenstein überbieten sich die Touristiker mit der Attraktivität ihrer Radwege. Und in Wittgenstein? Insbesondere in Bad Berleburg? Dort herrscht für die meisten Rad- und sonstigen Wege weiterhin Fahrverbot! Sogar Wittgensteins bekanntester Radwanderweg, der Ederauen-Radweg (EAW), ist in weiten Teilen auch für Radfahrer gesperrt.

Vorgeschichte

Zur Erinnerung: Unter dem Stichwort „Durchfahrtsverbot für Radfahrer“ und der Frage, ob Bad Berleburg eine radlerfeindliche Stadt sei, haben wir hier in der Heimatzeitung im August das Problem aufgegriffen, dass sowohl in der Kernstadt (z.B. Tiergartenstraße oder Ortsdurchfahrt Raumland) als auch rund um Bad Berleburg für Radfahrer ein Durchfahrtsverbot herrscht.

In der Folge des Beitrages kam es im Ortsteil Berghausen zu einem Antrag an die Ortsvorsteherin Charlotte Linde-Reber mit dem Ziel, alle Feld- und Waldwege rund um Berghausen für Radfahrer zu öffnen. Auf diese „Anregung“ hin hatte damals die Stadt – Abteilung Sicherheit und Ordnung – mit einem Schreiben von Edeltraut Brandt mitgeteilt, dass sie diese Anregung ernst nehme und prüfen werde. Die benötigte Anzahl von Verkehrszeichen zum Befahren der Feld- und Waldwege mit dem Fahrrad sowohl für das gesamte Stadtgebiet (Kernstadt) Bad Berleburgs als auch der angeschlossenen Ortschaften werde ermittelt.

Neues Schreiben

Nun hat die Abteilung „Sicherheit und Ordnung“ auf der Basis einer Verkehrsschau vom 21. Februar 2014 mit Schreiben vom 16. April 2014 mitgeteilt, dass „…eine zusätzliche Beschilderung… (die eine Durchfahrt für Radfahrer erlaubt hätte, Anm. Red.) nicht vorgesehen ist“. Begründet wird dieser Schritt u.a. damit, dass „…seitens der Straßenverkehrsbehörde nur gewidmete städtische Wege beschildert werden.“ Aus finanziellen Gründen, so die Stadt weiter, wird in Erwägung gezogen, das Durchfahrtsverbotsschild nur gegen das Zeichen 260 StVO (Verbot für Krafträder und Kraftwagen) auszutauschen, „wenn es abgängig ist“. Mit anderen Worten: Vorerst ändert sich nichts.

Kein Verwarngeld

Dieser unbefriedigende Zustand für Radfahrer bedeutet, dass sie sowohl auf fast allen asphaltierten Feld- und Waldwegen von Wundert- über Diedenshausen, Christianseck, Berghausen, Arfeld, Raumland bis Schwarzenau als auch auf weiten Strecken des Ederauenradweges (EAW) und anderen ausgezeichneten Radwegen offiziell nicht fahren dürfen, sondern absteigen und ihr Rad schieben müssen. Doch die Stadt beruhigt: „Dieser Umstand wird aber nicht dazu führen, dass Radfahrer in Bad Berleburg auf städtisch gewidmeten Wegen zukünftig mit der Verhängung eines Verwarngeldes zu rechnen haben.“

Was im Übrigen ein „städtisch gewidmeter“ Weg ist, können die Verkehrsteilnehmer – in diesen Fällen die Radfahrer – nicht erkennen, denn dem Verbotsschild kann man die Widmung ja nicht ansehen. Und auch Verbotsschilder auf nicht städtisch gewidmeten Wegen und Straßen erscheinen nach dieser Auskunft in gänzlich neuem Licht und es stellt sich die Frage, ob man auf nicht städtisch beschilderten Wegen diese Verbote einfach missachten darf?

Missachtung mit Folgen

Manch einem Radfahrer mag diese Diskussion wie Erbsenzählerei anmuten, da die meisten Radler diese Verbotsschilder ohnehin ignorieren. Völlig anders aber sieht die Situation zum Beispiel für einen Lehrer oder offiziellen Tourismusführer aus, der sich mit seiner Klasse oder Gruppe auf eben einem dieser gesperrten Wege befindet und es zu einem Unfall kommt.

Dann wird sowohl der Dienstherr, als auch die Versicherung, als auch ein Ordnungshüter sofort mit dem Hinweis parat sein, dass dieses ja ein gesperrter Weg war –mit allen Folgen für die Verkehrsteilnehmer.

Unterm Strich also eine höchst unbefriedigende und irritierende Situation, die das Image der Stadt hinsichtlich „Radlerfreundlichkeit“ nicht gerade in einem guten Licht erscheinen lässt.

 
 

EURE FAVORITEN