Ortsvorsteher von Streichliste überrascht

Der Wanderparkplatz Kühhude zieht zahlreiche Wanderer, Spaziergänger und Touristen wegen seiner Lage direkt am Rothaarsteig und Waldskulpturenweg an. Er steht natürlich nicht auf der Streichliste.
Der Wanderparkplatz Kühhude zieht zahlreiche Wanderer, Spaziergänger und Touristen wegen seiner Lage direkt am Rothaarsteig und Waldskulpturenweg an. Er steht natürlich nicht auf der Streichliste.
Foto: WP

Wittgenstein..  Streichlisten für Wanderparkplätze und andere Anlagen, deren Unterhaltung der neue Naturpark-Verein Sauerland-Rothaargebirge jetzt aufgeben möchte – sie sorgen derzeit in den Wittgensteiner Kommunen für Aufregung. Vor allem aber in den Dörfern: Hier sehen die Ortsvorsteher plötzlich neue Pflichten auf die Dorfgemeinschaften zukommen – verbunden mit der Frage: Wie ist das noch zu stemmen? Bei den Ortsvorstehern direkt scheinen die Listen noch nicht gelandet zu sein, die unserer Zeitung vorliegen.

Bad Berleburg

„Ich muss schon sagen, dass mich das jetzt überrascht“, sagt zum Beispiel Georg Freitag, Ortsvorsteher in Alertshausen. Dort stehen die Wanderparkplätze „Breite Wassen“ am Dorfgemeinschaftshaus sowie „Schalsbach“ zur Disposition. Im Rahmen der Aktion „Sauberes Dorf“ sei die eigene Kehrmaschine auch auf diesen Plätzen zur „Grundreinigung“ unterwegs, so Freitag – doch weder auf ihn als Ortsvorsteher noch auf den Vorstand des Heimat- und Verkehrsvereins sei der Naturpark-Verein oder die Stadt Bad Berleburg bislang in Sachen Streichliste zugekommen. Angesichts so einer Informationspolitik sei im Dorf „die Hilfsbereitschaft irgendwann auch ausgereizt“, meint Freitag. Dass die Stadt für die künftige Unterhaltung der Parkplätze und für ein neues Wege-Management nun die SGV-Abteilungen ins Gespräch bringt, hält er allerdings grundsätzlich für eine gute Idee.

„Wir werden da jetzt vor vollendete Tatsachen gestellt“, kritisiert Herbert Lauber die Entwicklung, 1. Vorsitzender der SGV-Abteilung in Girkhausen. Dort stehen die Standorte „Odeborntal“ und „In der Oster“ auf der Kippe. Sicher: Es werde ja schon länger diskutiert, dass man einige Parkplätze und Wanderwege dichtmachen wolle, so Lauber – während andere Standorte wie die „Friedensquelle“ offenbar touristisch stärker ausgeschlachtet werden sollten. Der SGV fühle sich für die Wanderwege und Parkplätze zuständig und lehne ein neues Konzept auch nicht grundsätzlich ab, so Lauber weiter, doch: „Bis jetzt ist das alles so gut wie an uns vorbeigegangen.“ Immerhin: Gestern lag die Einladung der Stadt zu einem Gespräch im Rathaus rund ums Thema in Laubers Post.

Erndtebrück

Zinses Ortsvorsteher Lorenz Benfer ist sauer – und sein Amtskollege aus Benfe, Matthias Althaus, schüttelt nur mit dem Kopf. Hintergrund ist, dass die Gemeinde Erndtebrück bereits seit Dezember weiß, dass der neue Naturpark-Verein das Konzept der Wanderparkplätze verändern will. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass man die Ortsvorsteher nicht informiert hat“, watscht Benfer die Verwaltung ab.

In Zinse soll einer von zwei Wanderparkplätzen und auch das Wassertretbecken weichen, ist seine Information. Matthias Althaus aus Benfe hat sich erkundigt und erfahren, dass der für den Ort wichtige Wanderparkplatz „Am Steinbruch“ auf der Streichliste steht. Zumindest Schutzhütte und Grill sollen weg. Als Vorschlag sei gekommen, die Dorfgemeinschaft könne den Platz übernehmen. Doch da sieht Althaus wegen des Steinbruchs große haftungsrechtliche Probleme.

Bad Laasphe

Ebenfalls auf der Liste: der Rast-, Grill- und Spielplatz im Bad Laaspher Ortsteil Weide. Ortsvorsteherin Regina Althaus kann es noch gar nicht glauben. Erst im vorigen Jahr habe der damalige Zweckverband Naturpark Rothaargebirge die Anlage noch renoviert, neue Spielgeräte installiert und regelmäßig den Rasen gemäht. Diesen Treffpunkt für die Kinder im Dorf und auch für deren Eltern müsse man „auf jeden Fall erhalten“, betont Althaus. Wie, „das müssen wir dann sehen“.

Vielleicht ergeben sich erste Perspektiven dazu ja schon Anfang März. Dann treffen sich nämlich routinemäßig die Ortsvorsteher mit Fachleuten der Stadt – diesmal auch, um über die Zukunft der Bad Laaspher Platz-Standorte zu sprechen. Das Thema werde dann jedenfalls zur Sprache kommen, so Rainer Schmalz, zuständiger Dezernent im Bad Laaspher Rathaus. Ebenso übrigens ein paar Tage später auf politischer Ebene, nämlich am 8. März im Wirtschaftsförderungs- und Kulturausschuss. Derzeit sei man im Rathaus dabei, die Streichliste des Naturpark-Vereins und ihre möglichen Folgen „aufzuarbeiten“, so Schmalz. Auch mit Blick auf die Frage, wer an den Standorten künftig für deren Unterhaltung sorgt.

Die Standorte

Was die Standorte betrifft, um die sich der Naturpark-Verein weiterhin kümmern möchte, sei zunächst eine einheitliche Beschilderung geplant, erläutert Tim Hellinger, im Verein Regionalmanager Kreis Siegen-Wittgenstein. Damit sie als gute Ausgangspunkte etwa für Premium-Wanderwege wie Rothaarsteig, „Via Adrina“ und Schieferpfad im Stadtgebiet Bad Berleburg oder Mäanderweg zwischen Benfe und Erndtebrück weithin erkennbar sind.

Um diese Plätze noch attraktiver zu machen, kann sich Hellinger übrigens gut waldpädagogische Projekte dazu für Schüler vorstellen – etwa in Kooperation mit dem neuen Naturerlebniszentrum an der „Wisent-Wildnis“ bei Wingeshausen. Über zwei Wochen im letzten Herbst sei ein Team in der Region herumgereist, habe sich den Zustand der einzelnen Plätze angesehen, so Detlef Lins als Naturpark-Geschäftsführer. Und der sei „zum Teil sehr traurig“ gewesen.

 
 

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