MS-Diagnose ist nicht das Ende

Heiner Lenze

Erndtebrück.  Für Regina Dörnbach-Völkel von der Erndtebrücker Kulturinitiative ist das Werk ein „Film der Mut macht“. Die anderen Interessierten dachten wohl genauso. Anders war der Ansturm am Mittwochabend im Saal der Edermühle wohl auch nicht zu erklären.

Die rund 60 Sitzgelegenheiten beim Kinofilm „Die Tour fürs Leben“ reichten so gerade. Ein mehr als zufriedenes Gesicht auch bei Mitveranstalterin Ute Beuter vom Erndtebrücker VdK-Ortsverein. Sie hatte mit so einem guten Zuspruch schon gerechnet, schließlich ist ja wie erwähnt die Kulturinitiative mit ins Boot geholt worden. Das hat sich abschließend ausgezahlt – auch bei den Spenden. Die Veranstaltergemeinschaft hatte ausdrücklich auf einen Eintritt verzichtet, dafür aber um einen Obolus für die Nathalie-Todenhöfer-Stiftung gebeten.

Rad statt Rollstuhl

Die Gründerin leidet ebenfalls an Multipler Sklerose, genau wie der Hauptdarsteller des Films – Andreas Beseler, genannt „Besi“. Vor mehr als 20 Jahren wird bei ihm die heimtückische und nicht heilbare Krankheit MS diagnostiziert. Anfangs fiel er in ein tiefes Loch, und er fing auch an zu grübeln. „Ich hätte auch irgendwo runter springen können, das wäre das einfachste gewesen.“ Besi ist nicht gesprungen. Er hat sich trotz großen Schmerzen irgendwann auf das Rad gesetzt und ist losgefahren. Im Jahr 2013 fährt der Rodgauer unter dem Motto „Rad statt Rollstuhl“ fast 4000 Kilometer durch Kanada und sammelt dabei rund 27000 Euro ein, die er an die Stiftung weitergibt.

Ralf Hauke fährt auch mit MS

Jetzt kommt noch ein weiterer Akteur hinzu, der Erndtebrücker Ralf Hauke. Er ist ebenfalls an MS erkrankt, und beteiligt sich an einer Sponsorenfahrt, die ein Jahr später von Frankfurt/Main nach Barcelona führt, natürlich wieder mit dem Rennrad. Insgesamt waren bei der Besi & Friends-Tour 40 Akteure, mit und ohne Handicap, am Start. Dieses Mal flossen exakt 55 555 Euro an die Nathalie-Todenhöfer-Stiftung, die mit dem Geld Menschen helfen, die aufgrund ihrer Multiplen Sklerose in Not geraten sind. „Besi“ und der am Mittwoch persönlich anwesende Ralf Hauke haben ihren nächsten Coup schon im Visier: Rund 90 Radler, darunter drei Fahrer und eine Begleitperson aus Wittgenstein, machen sich am 19. Juni über zwölf Etappen von Rodgau auf den Weg ins französische St. Tropez (wir berichten).

Auch beim VdK wird eifrig geplant. Die „Tour fürs Leben“ soll nicht der einzige Film sein, der einem großen Publikum präsentiert werden. Laut Ute Beuter laufen hier die entsprechenden Planungen, um voraussichtlich einen Filmabend pro Monat anbieten zu können.