Mit schlichtem Anzug

Die Musikformation „Hammer Blech“ spielte in der Feudinger Kirche.
Die Musikformation „Hammer Blech“ spielte in der Feudinger Kirche.
Foto: WP

Feudingen.. Zwölf junge Männer in schlichten Anzügen, um den Hals eine rote Krawatte gebunden, betreten die Feudinger Kirche. Bereits das große Besucherinteresse deutet noch vor ihrem ersten Ton auf einen besonderen Abend hin: „Hammer Blech“ – der Name ist vielsagend.

Hinter ihm verbirgt sich eine Musikformation aus Hamm, deren Mitglieder die Leidenschaft zu Horn, Tuba und Trompete teilen. Blechbläser eben. Und sie beginnen klassisch: Eine Ouvertüre zu Verdis Oper „Nabucco“ stimmt das Publikum ein und verbreitet das Gefühl, dass dieses Konzert zu einem schönen Erlebnis werden könnte.

Dem imposanten Auftakt folgt mit Bachs „Toccata und Fuge in d-moll“ gleich ein zweites Stück „klassischer Populärmusik“, dessen Namen kaum jemand, dessen Melodie jedoch jeder kennt.

Im Folgenden entführen die Künstler zu einer Reise über den Kontinent: Nach der „Petit Suite“ aus der Feder des spätromantischen Finnen Jean Sibelius, finden sich die Zuhörer bei der feurigen „Carmen-Suite“ von Georges Bizet im Sevilla des 19. Jahrhunderts wieder. Und mit dem Klang spanischer Kastagnetten im Ohr verschwanden die Musiker in eine kurze Pause.

Mit dem Wittgensteiner Land verbindet das Ensemble seine besondere Entstehungsgeschichte: Vor vier Jahren bat der ehemalige Feudinger Pfarrer Edgar Born, der heute in Hamm lebt, die Freunde seines Sohnes David auf seiner Silberhochzeit, die er in Raumland feierte, zu spielen. Im Festprogramm nannte Born die Formation schlicht „Hammer Blech“ – den Namen sollten sie behalten und nach diesem Urauftritt weiterhin gemeinsam musizieren. Neben Borns Sohn spielt bis heute ein weiterer Wittgensteiner im Ensemble mit: Matthias Motzkus aus Dotzlar.

Zweiter Teil. Er ist „fetziger“ als der vorige. Sie spielen Musik aus einer anderen Epoche, in der Komponisten nicht unbedingt Bach, sondern auch Mercury heißen. Lediglich der filigrane und virtuose „Karneval von Venedig“, mit Solist Christoph Thonemann, erzählt aus vergangenen Tagen und bezaubert.

Nach dem leicht jazzigen „Dekaphonie“ aus der Feder Wieland Welzels, Schlagzeuger der Berliner Philharmonie, wird es königlich: „Wir lassen Queen jetzt wieder auferstehen“, versprechen sie – und halten es. Ihre ganz eigenen, geblasenen Interpretationen der Welthits „Fat Bottemd Girl“ oder „Crazy Little Thing Called Love“ zeigen das Ensemble von seiner poppigen und flexiblen Seite – bei der ein Bläser auch kurzerhand zur E-Gitarre greift.

Nächste Station der musikalischen Reise ist Afrika. Das Stück „Ulla in Afrika“ überrascht durch seine Fröhlichkeit, die sich schnell auch auf die Besucher überträgt. Das finale „Birdland“ setzt schließlich den grandiosen Schlusspunkt hinter einen Konzertabend der Extraklasse. Ein Blick ins Publikum spricht Bände: Lächelnde und im Rhythmus klatschende Zuhörer – und wer genau hinsieht, der erkennt, das manchen während eines Trompetensolos gar ein beeindrucktes, im „Lärm“ der Musik aber nicht hörbares „Super“ über die Lippen geht. Zunächst tosender Applaus, dann gar stehende Ovationen animieren die Band zu zwei Zugaben: dem humoristischen „Typewriter“, wo die Jungs eine Schreibmaschine zum Instrument werden lassen, und einem lieblich verträumten Choral, der die Gäste in die Nacht entlässt.

Die jungen Männer, gerade zwischen 20 und 31 Jahren alt, imponierten und hinterließen Spuren. Ihr erstaunlich vielfältiges Repertoire – von spätmittelalterlichen Chorälen bis hin zu moderner Pop- und Rockmusik – machten die sympathischen Blechbläser und ihren Schlagzeuger zu jederzeit willkommenen Gästen. Und so könnte das abendliche Resümee schlicht im Jargon der heutigen Jugend lauten: „Hammer Blech“ – „Hamma gut“.

 
 

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