Junge Talente begeistern im Schloss

Sie ließen sich nicht zweimal aufs Sofa im Schloss bitten und hatten Spaß und den Schalk im Nacken sitzen beim Fototermin nach dem großen Konzert: das Aris-Quartett mit Thorsten Johanns.
Sie ließen sich nicht zweimal aufs Sofa im Schloss bitten und hatten Spaß und den Schalk im Nacken sitzen beim Fototermin nach dem großen Konzert: das Aris-Quartett mit Thorsten Johanns.
Foto: WP

Bad Berleburg..  Und wieder ist der Kulturgemeinde Bad Berleburg ein großer Wurf gelungen. Die Organisatoren setzen gern auf junge Musiker und fahren dabei immer hervorragend, fördern die noch teils schlummernden Talente und „kitzeln“ dabei den Mut der jungen Menschen hervor.

Beim Aris-Quartett, das jetzt seine erste Aufwartung auf Schloss Berleburg machte, ist dies gar nicht notwendig gewesen. Die jungen Leute werden von namhaften Streichquartetten wie dem „Artemis-Quartett“ oder dem „Alban-Berg-Quartett“ gefördert. Kammermusik-Festivals mit herausragenden Namen wie das Rheingau Musik Festival und die Festspiele in Mecklenburg-Vorpommern sind für die vier zur guten Adresse geworden.

Streichquartett mit Pausen

Die Sache mit dem Mut herauskitzeln ist beim Aris-Quartett gar nicht nötig. Anna-Katharina Wildermut, Noémi Zipperling (beide Violine), Caspar Vincens (Viola) und Lukas Sieber (Klarinette) sind stellenweise sehr intuitiv, was sich je nach Musikstück ins Extrovertierte kehren kann. Jedoch das eine schließt das andere nicht aus und macht die vier jungen Menschen überaus sympathisch. Für Berleburg hatten sich die vier großen Talente Beethovens Streichquartett in f-moll (Quartetto serioso) ausgesucht, was unter Kennern größten Respekt erhält.

Sie gingen das Werk völlig leger und souverän an. Beethoven vermied in dieser Komposition keine noch so starke Regung und ließ enorm viel eigenes Wiener Erleben im Krieg gegen Napoleon 1809 einfließen. Die Düsternis und Gewalttätigkeit betonten „Aris“ in Hochform der eigenen Impulsivität. Sie taten auch das, was dem Publikum Raum zum Sammeln nach den Einzelsätzen gab, sie erlaubten das Durchatmen und machten die unbedingt erforderlichen langen Pausen zwischen den vier Sätzen des Werkes.

Mit höchster Konzentration

Sie wurden für den Abend sehr bedeutsam, die Momente der Verinnerlichung. Das haben die zwei jungen Damen und Männer pointiert verstanden und übertrugen und teilten diesen respektvollen Umgang auch auf das ausgewählte Stück von Felix-Mendelssohn- Bartholdy (Streichquartett Nr. 4 in e-moll, op. 44/2). Das ebenfalls jung wie Mozart verstorbene Genie hinterließ acht Streichquartette. Das Dargebotene schuf er während seiner Hochzeitsreise und skizzierte ganz klar das Finale aus Mozart g-moll-Sinfonie KV 550. Ein spannungsreiches Werk, das ebenso wie das Vorgängerstück höchste Konzentration der Musiker erforderte. Hochgezogene Augenbrauen, den Blick immer auf die anderen gerichtet, bewiesen: wir kommunizieren, fordern auf und geben Bestätigung, dieser Akkord ist meiner, jener gehört Dir.

Mit dem finalen Werk nach der Pause, kam ein Klassiker jedes Kammerkonzerts in den Raum: Mozart - und mit ihm betrat auch Klarinettist Thorsten Johanns den Saal gemeinsam mit dem Aris-Quartett.

Nicht im Mittelpunkt

Es war nicht in Mozarts Sinn, dem Blasinstrument im Quintett für Klarinette und Streichquartett in A-Dur KV 581, das Sagen zu erteilen. Perfekt harmonisch eingebunden, interpretierte das Thorsten Johanns, der zwar im Mittelpunkt saß, aber ein ausgewogenes Miteinander musizierte. Nichts wucherte, nichts übertönte. Johanns gab dem ganzen Stück eine charmante Note und griff Mozarts Ansinnen des Klangzaubers unnachahmlich auf. Die nunmehr fünf Musiker schafften das schmeichelhafte Quintett Mozarts in eine Art Balance-Akt der Instrumente zu erheben.

Frenetischer Applaus, der kaum enden wollte, begleitete die fünf jungen Menschen hinaus aus dem mit melodischem Nachhall gefüllten Abend.

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