In der Poleposition

Karl-Peter Rasche

Man wird viele Gründe anführen können, warum die Abwassergebühren in Erndtebrück im laufenden Jahr sicher wieder steigen werden. Beliebt ist es, die strengen gesetzlichen Vorgaben dafür verantwortlich zu machen. Schuld daran sind Bezirksregierung, Landesregierung und im Zweifelsfall noch die EU. Wobei strenge Vorschriften in Sachen Abwasserklärung ja durchaus auch Sinn machen. Denn was als Abwasser aus den Kläranlagen läuft, wird irgendwann auch wieder zu Trinkwasser. Und wir alle möchten es gern weiter genießen können.


Sehr beliebt ist auch, sich den schwarzen Peter zwischen Verwaltung und Politik hin- und her zu schieben. Das passiert seit Jahren bei unerfreulichen Themen - ganz besonders natürlich bei Gebühren. Hohe Kosten, die im Abwasserbereich beispielsweise durch Fehlplanungen anfallen, kann man nämlich nicht irgendwo im Haushalt verstecken. Sie werden 1:1 auf die Bürger umgelegt.


Und ebenso beliebt ist der Blick zurück im Zorn. Ja, wenn seinerzeit nicht andere Politiker so grundlegende Fehler gemacht hätten, dann sähe heute alles ganz anders aus. Und man hätte so günstige Gebühren wie in der Nachbarschaft.


Es ist wohl ein bisschen von allem, was dazu geführt hat, dass Erndtebrück in der Spitzengruppe der Kommunen rangiert, die ihren Bürgern besonders viel Geld für die Brauchwasserentsorgung abknöpfen. Teure Druckleitungen (vor Röspe, Womelsdorf und Co. auch schon die nach Benfe), ein überdimensioniertes Klärwerk und eine „Energiesparturbine“, die viel kostete, aber wenig nutzt – aus zahlreichen Mosaiksteinchen wird ein Bild, an dem in der Vergangenheit viele mitgearbeitet haben. Und das ausgesprochen „erfolgreich“.


Wie teuer das den Bürger zu stehen kommt, zeigt ein Vergleich. Der Bund der Steuerzahler hat errechnet, was ein Durchschnittshaushalt mit 200 Kubikmetern Frischwasserverbrauch und 130 Quadratmetern versiegelter Fläche im Jahr 2014 bezahlen musste. In Erndtebrück kommen da 843 Euro zusammen. In Bad Laasphe sind es 569 Euro, in Bad Berleburg 656.


Nach den Diskussionen dieser Woche im Umweltausschuss ist zu erwarten, dass die Ederkommune die „Poleposition“ auch weiterhin verteidigen wird, wenn sich nicht doch noch ein Bremser findet. Die nächsten Investitionen sind schon in Planung. Damit rückt die 1000er Ziellinie in greifbare Nähe.