Hundertjähriger wird Vater, die Mutter ist 90

Der hundertjährige Abraham (Benjamin Stoll) betrachtet gemeinsam mit seinem kleinen Sohn den Sternenhimmel.
Der hundertjährige Abraham (Benjamin Stoll) betrachtet gemeinsam mit seinem kleinen Sohn den Sternenhimmel.
Foto: WP

Bad Laasphe..  Diese Nachricht würde vermutlich heute sämtliche Abhör- und Finanz-Skandale von den Titelseiten der Weltpresse fegen: 100-Jähriger wird Vater, die „junge“ Mutter hat gerade das 90. Lebensjahr vollendet.

Benjamin Stoll spielte im Gemeindehaus der Freien evangelischen Gemeinde in dem Ein-Mann-Theaterstück „Abraham – aus Liebe“ eine Geschichte aus dem ersten Buch der Bibel: von Abraham und seiner Frau Sara, die ein Kind erwarten, das der Vater später auf Geheiß Gottes opfern soll.

Schauspieler, Autor und Regisseur

Es war beeindruckend, wie der Schauspieler, der zugleich Autor und Regisseur des Stücks ist, den biblischen Inhalt in die Moderne geholt und seine eigenen Erfahrungen als Vater darin verarbeitet hat.Das Bühnenbild einfach und überschaubar, nur ein einsamer Holzstuhl macht auf sich aufmerksam. Doch mehr braucht der aus Berlin kommende Benjamin Stoll nicht, um sein Publikum auf eine Reise durch das Leben von Abraham mitzunehmen.

Man ist dabei, wie sich der alte Mann an verschiedene Momente in seinem Leben erinnert und erlebt, wie ungläubig, ja amüsiert Abraham reagiert, als er im hohen Alter von 100 Jahren von Gott einen Sohn verheißen bekommt. „Ich, mit 100 Jahren Papa? Und Sara, mit 90 Jahren schwanger?“ fragt er und krümmt sich vor Lachen: „Stellen Sie sich das nur mal vor – eine 90-Jährige beim Frauenarzt, die ein Ul­traschallbild will.“

Doch bei Gott ist nichts unmöglich. Isaak kommt auf die Welt, und Abraham erlebt die Nöte und Freuden eines jeden jungen Vaters, die Aufregung in der Klinik, das schreiende Menschenbündel im Arm, das gestillt werden will. Abraham spielt mit seinem Sohn Fußball – Kanaan gegen die Philister, macht den Fußballreporter: „Aus dem Hintergrund müsste Isaak jetzt schießen, Isaak schießt und – Tooor, Tooor, das Spiel ist aus und Kanaan Weltmeister!“ Abraham bestaunt mit dem Kleinen den Sternenhimmel, tollt mit ihm herum – was Väter eben so tun, wenn sie gute Väter sind. In diese Idylle hinein dann das Unfassbare: Gott verlangt, dass Abraham seinen unbedingten Gehorsam bezeigt und seinen Sohn zum Opfer bringt. Macht so etwas ein gerechter und gütiger Gott? „Du hast ihn mir doch geschenkt?“ In letzter Sekunde wird die Opferung dann doch noch verhindert.

Applaus für brillanten Künstler

Der Schauspieler endet mit den Worten: „Ich weiß nicht, warum ich Ihnen das alles erzähle. Vielleicht möchte ich mich dafür entschuldigen, warum es mir so schwer gefallen ist, dem Auftrag des Herrn nachzukommen. Vielleicht verstehen Sie jetzt, was es heißt, wenn ein Vater seinen Sohn opfert – aus Liebe.“ Damit verweist das Stück am Ende auf die Liebe Gottes, die diesen Weg mit der Opferung Jesu am Kreuz konsequent zu Ende gegangen ist. Sichtlich bewegt verabschiedete das Publikum mit starkem Applaus den brillant agierenden Künstler.

 
 

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