Holzbildhauer vereinigen Talent und Fleiß

Holzbildhauer Kurt Schmidt aus Højer in Dänemark ist mit seiner Arbeit schon sehr weit: Bis Samstag ist das „Mädchen mit Taube“ vollendet.
Holzbildhauer Kurt Schmidt aus Højer in Dänemark ist mit seiner Arbeit schon sehr weit: Bis Samstag ist das „Mädchen mit Taube“ vollendet.
Foto: WP
Künstler und Besucher sind vom ersten Holzbildhauer-Symposium auf dem Stünzel begeistert. Noch bis Samstag können Interessierte den sechs Kreativen bei ihrer Arbeit zuschauen.

Stünzel..  Ein Bildhauer ist immer schmutzig, voll mit Sägemehl- oder spänen, übersät mit Steinstaub; ein Maler sitzt in seinem Atelier, hört leise Hintergrundmusik und ist immer in sauberer Umgebung. Das ist ein feiner, aber maßgeblicher Unterschied zweier bildender Künstler.

Die niederbayrische Holzbildhauerin Martina Kreitmeier und der dänische „self-made“-Künstler Kurt Schmidt blicken im Rahmen des ersten Holzbildhauer-Symposiums auf dem Stünzel auf die zwei Tage ihres Schaffens in freier Natur. Beide sind vollauf begeistert von der Atmosphäre inmitten der sie umgebenden Laubbäume.

Bildhauer ist nicht gleich Bildhauer

Doch sie unterscheiden sich natürlich in Lebensgeschichten und in ihrer Arbeitsweise. Martina Kreitmeier (45) ist die einzige Frau unter fünf kräftigen Männern, und schnell ist man im Gespräch mit ihr beim unkomplizierten „Du“ angekommen. An ihrem Stamm steht sie zwölf Stunden pro Tag ihre Frau. Die Menschen, die ihr den ganzen Tag über die Schulter schauen können, spüren sofort, mit welcher Hingabe sie wahrlich zaubert. „Nicht allein“ ist der Titel ihrer Arbeit, die sie bereits in Gips als zirka 40 Zentimeter hohe Plastik gefertigt hat.

Ein enormes Talent, das haben ihr viele schon bescheinigt. „Das klingt ganz gut, aber 95 Prozent sind Fleiß und Disziplin“, sagt die fröhliche Bayerin und lacht. Martina Kreitmeier entstammt einer bodenständigen Schreinerfamilie in Altfraunhofen nahe Landshut. Der elterliche Betrieb hat sie auf kernige Weise geprägt. Basteln in der Kindheit gab den Startschuss fürs Künstlerische.

Ganz nah an ihren Werkposen des Düsseldorfer Bildhauers Arno Breker befindet sie der heimische Bildhauer Gautam und erntet unbedingte Zustimmung von Martina Kreitmeier. Mit 32 Jahren begann sie, zu bildhauern. Den Gedanken fasste sie beim Modellieren einer Plastik in der Bayrischen Staatsoper. Heute arbeitet sie im eigenen Atelier und ist begeistert bei vielen Symposien dabei.

Heinz Mengel, der Organisator auf dem Stünzel, knüpfte den Kontakt im Juli 2014 in Brienz/Schweiz zu ihr und lud sie ein. Ein Kleinod, eine fantastische Atmosphäre erwarteten sie und ihren Bildhauerkollegen Kurt Schmidt aus dem dänischen Højer. Der Skandinavier haut, sägt und schleift auf dem Stünzeler Festplatz neben Martina Kreitmeier. Sein Holzblock ist eigentlich gar keiner mehr ist, weil auch sein Werk bereits sichtbare Formen angenommen hat.

Beide Künstler sind weit gekommen

„Das Mädchen mit der Taube“ ist für die vielen staunenden Menschen schon gut erkennbar. Kurt Schmidt hat nie eine Bildhauerschule in der Heimat besucht: „Die sind für uns eigentlich unerschwinglich, daher hab ich fast alles autodidaktisch gemacht.“

Schmidt arbeitet in seinem Hauptberuf für ein Museum in Skærbæk, und ist dort zuständig für Arbeiten aus der Eisenzeit. Vorchristliche Kunst, die ist hier sehr gefragt, und auf Anfrage und im Auftrag erschafft er Skulpturen und Plastiken. Natürlich auch für Privatleute. Der Künstler, der in Begleitung seiner Ehefrau Kettü gekommen ist, hat ein tolles Wohlgefühl in Wittgenstein und mag die Arbeit mit den Kollegen. Für ihn ist der Austausch auf internationaler Ebene enorm wichtig. Bereits acht Symposien in Dänemark hat er besucht und auch eines in Brienz 1998, welches den Kontakt zu Heinz Mengel ergab.

Einer Künstlerfamilie entstammt er nicht. Die Leidenschaft zum Schnitzen hat ihn schon als Jungen gepackt. Kurt Schmidt ist heute in so gut wie allen Skulptur-Größen unterwegs. Die größte steht mit vier Metern im Garten einer Kundin auf der dänischen Insel Als. Diese wünschte sich von ihm eine weibliche Figur, die aus Bäumen springt. Kurt Schmidt sinniert und denkt bei seinem Tun gern an seinen bereits verstorbenen Lehrer Frederik Kube, der ihm Mut machte, Bildhauer zu werden. Heute noch ist er dem Mann, der ihn geprägt noch dankbar für diesen Ansporn

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