Höchstens sechs Stunden und Mittagspause

Karin Massanek
Wolfgang Gerber und Steffen Roth haben den Stundenplan mit den neuen längeren Schulstunden erstellt. Natürlich wird dabei heutzutage auch der Computer zur Hilfe genommen. Aber die beste Gesamtübersicht vermittelt immer noch die gute alte Tafel mit den bunten Klötzchen.
Wolfgang Gerber und Steffen Roth haben den Stundenplan mit den neuen längeren Schulstunden erstellt. Natürlich wird dabei heutzutage auch der Computer zur Hilfe genommen. Aber die beste Gesamtübersicht vermittelt immer noch die gute alte Tafel mit den bunten Klötzchen.
Foto: WP

Bad Laasphe. Eine Stunde hat 45 Minuten. Das war in der Schule bislang so etwas wie ein Naturgesetz. Mit Beginn des neuen Schuljahres jedoch vergehen im Städtischen Gymnasium Bad Laasphe 15 Minuten mehr bis zum nächsten Pausengong. Hier gilt jetzt: Eine Stunde ist eine Stunde.

Hatten die Gymnasiasten bislang am Tag bis zu acht Schulstunden à 45 Minuten, sind es jetzt nur noch maximal sechs à 60 Minuten. Das hat Vorteile für die Kinder und Jugendlichen: Sie müssen weniger Bücher und Hefte in ihrer Schultasche mitschleppen und auch nicht mehr jeden Tag für so viele verschiedene Fächer Hausaufgaben machen. Und auch aus Sicht der Pädagogen spricht einiges für die längeren Unterrichtsstunden: „Bisher wurde meistens die Zeit knapp, wenn die Schüler selbstständig an einer Aufgabe gearbeitet hatten und am Ende die Ergebnisse präsentieren sollten“, so die Erfahrung von Schulleiter Winfried Damm. Für 60 Minuten, so zeigen schon die ersten Erfahrungen, lasse sich besser ein rundes Unterrichtskonzept erarbeiten.

Mittagspause

Doch nicht lernpsychologische Erkenntnisse waren es, die das Städtische Gymnasium Bad Laasphe bewogen haben, den neuen Unterrichtsstundenrhythmus einzuführen. Anlass ist vielmehr die Schulzeitverkürzung auf acht Jahre und die damit verbundene Zunahme des Nachmittagsunterrichts. Ab 2011, das besagt ein Erlass des Kultusministeriums, muss jede Schule dafür Sorge tragen, dass Schüler, die bis in den Nachmittag hinein unterrichtet werden, möglichst eine Stunde, zumindest aber 50 Minuten Mittagspause machen können. Und das geht nur, wenn kurze Pausen eingespart werden - entweder mit der 60-Minuten-Schulstunde oder mit einem Doppelstunden-System.

Denn den Schulschluss noch weiter in den Nachmittag zu verschieben, wollte man auf jeden Fall vermeiden, zumal auch die Verkehrsbetriebe enge Vorgaben gemacht hatten: Die Hauptentlasszeiten sollten sich um 13 Uhr und um 15 Uhr konzentrieren. Nach 15 Uhr wäre es aufgrund der ausgedünnten Fahrpläne für viele Schüler deutlich schwieriger geworden, mit öffentlichen Verkehrsmitteln ihre Heimatorte zu erreichen.

Erste Überlegungen zur Einführung der 60-Minuten-Schulstunde hatte es am Städtischen Gymnasium Bad Laasphe bereits im Herbst 2009 gegeben.

Eine Arbeitsgruppe unter der Federführung des stellv. Schulleiters Wolfgang Gerber machte sich ans Werk. Er ist der „Stundenplan-Macher“ und seine Aufgabe war es am Ende, gemeinsam mit Studienrat Steffen Roth die neuen Vorgaben umzusetzen.

Zuvor jedoch informierte sich zunächst eine Lehrer-Delegation an einem Siegener Gymnasium, das schon vor zwei Jahren auf längere Schulstunden umgestellt und damit gute Erfahrungen gemacht hatte. Auch Eltern und Schüler wurden nach ihrer Meinung gefragt und am Ende stimmte die Schulkonferenz im Mai dem neuen Modell zu.

Umrechnung

Obwohl er jetzt mit etwas weniger Gesamtstunden hantieren muss, ist das Erstellen des Stundenplans für Wolfgang Gerber nicht gerade einfacher geworden. „Die Gesamtzahl der Unterrichtsstunden pro Schuljahr ist weder größer noch kleiner geworden“, macht Schulleiter Winfried Damm deutlich. Schließlich schreiben die Lehrpläne genau vor, welche Fächer in den jeweiligen Jahrgängen in welchem Umfang unterrichtet werden müssen.

Bei vier Wochenstunden mit 45 Minuten war die Umrechnung am einfachsten: Daraus sind jetzt drei Wochenstunden mit 60 Minuten geworden. Schwieriger wird es bei den Grund- und Leistungskursen in der Oberstufe, für die drei „alte“ Schulstunden, also 2 ¼ Zeitstunden, bzw. fünf kurze Schulstunden, also 3 ¾ Zeitstunden, vorgegeben sind. Das wird jetzt so gehandhabt, dass Grundkurse in drei Schuljahresquartalen mit zwei Wochenstunden und in einem Quartal mit drei Wochenstunden laufen, während Leistungskurse vier Wochenstunden haben und in einem Quartal auf drei Wochenstunden heruntergefahren werden.

Ähnlich verfährt man bei Fächern, die nach dem alten System mit nur zwei Wochenstunden vertreten waren. Weil es pädagogisch nicht sinnvoll ist, dass ein Fach nur ein einziges Mal in der Woche auf dem Stundenplan steht, werden solche Fächer jetzt jeweils über ein Schulhalbjahr mit zwei Wochenstunden unterrichtet. Im zweiten Halbjahr ist dann ein „V“ mit der gleichen Stundenzahl an der Reihe. Ein Schüler hat also beispielsweise im ersten Halbjahr zweimal in der Woche Chemie und im zweiten Halbjahr zweimal in der Woche Biologie. Das alles hat zur Folge, dass am Städtischen Gymnasium künftig für jedes Quartal ein neuer Stundenplan gilt, in der Regel allerdings sind die Änderungen nur klein.

Des Weiteren war bei der Stundenplanerstellung zu berücksichtigen, dass sich Klassen mit und Klassen ohne Nachmittagsunterricht in der Mittagszeit in der Turnhalle oder in Fachräumen nicht in die Quere kommen, denn für die einen ist die Mittagspause schon zu Ende, während bei den anderen noch die letzten 20 Minuten Unterricht laufen.

Ein Problem, allerdings ein überschaubares, ergibt sich durch die Kooperation mit dem Gymnasium Schloss Wittgenstein in den Fächern Latein und Französisch. Das private Gymnasium möchte mit seinen Unterrichtszeiten nicht von denen der Realschule abweichen und will deshalb die 45-Minuten-Schulstunde beibehalten. Deshalb mussten für die gemeinsamen Kurse Zeiten am Nachmittag angesetzt werden. Aktuell betrifft das allerdings nur die Jahrgangsstufen 12 und 13.

Wochenpläne

Für Schulleiter Winfried Damm und seinen Stellvertreter Wolfgang Gerber sind Schulzeitverkürzung und Umstellung auf die 60-Minuten-Schulstunde einzelne Bausteine in einem umfassenderen Veränderungsprozess. Dazu gehört beispielsweise auch die Ausgabe von Wochenplänen anstelle von Hausaufgaben, die bis zur nächsten Stunde erledigt werden müssen.

„Da entsteht eine ganz neue Unterrichtskultur“, sagt Wolfgang Gerber.