Großes Interesse an Nahwärme

Rund 110 Zuhörer aus Birkelbach und Womelsdorf verfolgten die Informationsveranstaltung, moderiert von Architekt Achim Stremmel.
Rund 110 Zuhörer aus Birkelbach und Womelsdorf verfolgten die Informationsveranstaltung, moderiert von Architekt Achim Stremmel.
Foto: WP

Birkelbach..  Mit einiger Wahrscheinlichkeit werden die Bürgerinnen und Bürger aus Birkelbach und Womelsdorf ihre finanzielle Unterstützung für arabische Ölscheichs sowie Herrn Putin deutlich zurückfahren. Anders formuliert: Der Informationsabend der „NaBiWo“ – das steht für die Initiative „Nahwärme Birkelbach-Womelsdorf“ – ist vor rund 110 Zuhörern und moderiert vom Birkelbacher Architekten Achim Stremmel auf die gewünschte Resonanz gestoßen.

Die Macher um Frank Leyener konnten zu dieser Veranstaltung auch Gäste aus dem mittelhessischen Oberrosphe in der Mehrzweckhalle begrüßen, die seit dem Jahr 2008 genau so eine Anlage betreiben – und zwar erfolgreich. Originalton von Vorstandsmitglied Hans Bertram: „Das ist das Beste, was es gibt auf der Welt.“

Das System funktioniert

Aber wie genau funktioniert so ein System? In einem Kessel wird Wärme-Energie für alle angeschlossenen Haushalte produziert. Geheizt würde im Fall Birkelbach und Womelsdorf mit umweltfreundlichen Hackschnitzeln – und die sind bei der Firma Beuter reichlich vorhanden. Mittels Rohren wird die Wärme zu den Häusern transportiert und dann kommen die Wärmetauscher ins Spiel. Hier wird die Wärme an das bereits bestehende Vorlauf-Rücklauf-System übergeben.

Das hört sich toll an, aber was kostet der Spaß? „Holz ist preisstabiler als Öl und Gas, die Rahmenbedingungen sind günstig und es bleibt abschließend mehr Geld im Ort“, zählt Bernd Geschermann von der Energieagentur NRW nur einige Vorteile auf. Und da wäre auch noch der hohe Wirkungsgrad von Pelletkesseln.

Eine Hurra-Veranstaltung war es aber trotzdem nicht. „Der große Nachteil sind die Entfernungen zwischen der Heizzentrale und den Haushalten“, machte Frank Leyener deutlich. Am teuersten dürfte deshalb das Rohrleitungsnetz zu Buche schlagen. Die Übergabestationen kosten zwar 2000 Euro, sie werden allerdings auch mit 2000 Euro gefördert. Leyener erklärte, dass die genauen Investitionssumme wohl erst in einigen Monaten feststehen wird. Wie hoch die Einlage dann ist, die jeder Genosse einbringen muss, hängt natürlich auch davon ab, wie viele Hausbesitzer sich an dem Modell beteiligen werden. In Oberrosphe waren es laut Vize Friedhelm Koch 7000 Euro Einlage, der Anschluss hat aber dafür gesorgt, dass die Immobilien in ihrem Wert gestiegen sind. 84 Hausbesitzer machen mit. In dem Örtchen wird übrigens nicht nur Geld verdient, wenn es kalt ist, sondern auch wenn die Sonne scheint. In dem Bioenergie-Dorf sind nämlich noch Photovoltaik-Anlagen installiert worden.

Langlebiger Kessel

Frank Leyener, Eigentümer der ehemaligen Diskothek Beusse, denkt auch schon weiter: Wenn die 80 Mal 40 Zentimeter langen Gruben für die Rohrleitungen ausgehoben werden, kommt gleichzeitig ein Leerrohr für ein Glasfaserkabel mit hinein. Wie lang das Netz in Birkelbach und Womelsdorf ausfallen wird, ist natürlich noch nicht bekannt, mit einem Grad Celsius pro Kilometer hält sich der Wärmeverlust aber in Grenzen. Der Wirkungsgrad der Anlage wird mit 94 Prozent taxiert. Auch der Lebenszeit des zentralen Kessels stimmt optimistisch – immerhin 50 Jahre.

Moderator Achim Stremmel zog ebenfalls ein gutes Fazit. Die 110 Besucher hätten großes Interesse gezeigt. „Das kam gut an und wir werden das weiter forcieren“, lautet seine Marschroute und die der Initiative NaBiWo. Die Ölscheichs und Herr Putin haben möglicherweise bald einige Kunden weniger.

 

EURE FAVORITEN